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Ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter ist die dreizehnjährige Becky noch lange nicht darüber hinweg. Da hilft es wenig, dass ihr Paps sie aus der Schule zu ihrem Wochenendhaus fährt und dort mit seiner neuen Freundin und deren Sohn zusammenführt. Noch unangenehmer wird es, als eine Horde ausgebrochener Häftlinge auftaucht, die mit ihrem Führer Dominick nicht ganz zufällig hier vorbeikommt.

Home invasion, ein MacGuffin und ein wehrhafter Teenager. Dazu das abgelegene Haus in der Natur. In dem von Jonathan Milott und Cary Murnion inszenierten Thriller finden sich die Zutaten für ein spannendes Genrestück. Es beginnt auch mit einer ansehnlich geschnittenen Parallelmontage, visuell ist der Film solide. Die die ungleiche Familie heimsuchenden Herren gehen wenig zimperlich vor und fangen alsbald an, ihr Ziel unter der Anwendung von Gewalt zu verfolgen. Sie schlagen zu - und Becky schlägt zurück.

Nur nehme ich ihr das nicht ab. Man braucht es wohl so, um das völlig irreale Aufdrehen der jungen Dame erklären zu können. Heißt jedoch auch, dass die von Anfang an schon nicht rund läuft. Aber man forciert eben die Konstruktion eines Kampfteenies, das ist der ganze Sinn dieses Werks. Also gib ihr ein Trauma, lass sie altersgemäß anstrengend sein, mögen muss man das aber nicht. Und es gibt nichts, was sie nicht stante pede benutzen kann, ob Fahrzeug oder Waffe. Also ist sie berechnend, kaltblütig, in keiner Weise überfordert und schaut mit aufgerissenen Augen in die Gegend. Da hatte mich die Hauptfigur aber schon eine ganze Weile verloren.
Man muss sowas in einem Genrebeitrag auch nicht zwingend hinterfragen, doch nimmt sich der Film für einen reinen Spaßausflug dann doch viel zu ernst und schielt zu oft auf seinen Drama-Aspekt. Was der andere Punkt ist, warum sich nicht nur die Hauptfigur, sondern auch die Inszenierung nicht rund anfühlt. 

Kevin James in so einer Rolle zu sehen ist da schon interessanter. Sein Dominick hat aber nicht die fiese Ausstrahlung, die es gerne hätte geben dürfen und seine Hakenkreuz-Tattoos mit der restlichen Dekoration sind letztlich nur plakativ in die Kamera gehalten. Diese Zurschaustellung mündet nicht in entsprechende Aktionen und bleibt somit ein plattes und verzichtbares Gimmick. Dazu das Gerede, dass das hier jahrelang geplant war. Was? Zum Haus fahren und was holen? Echt Quantenphysik! Dennoch steht ihm solch eine Schurkenrolle mal ganz gut, langweilt er doch sonst mit der Verkörperung des immer gleichen Typus’. Der Rest vom Cast ist brauchbar, spielt aber keine allzu einprägsame Rolle.

Action ist da, hier und da, mehr ein Hin und Her mit Aktion / Gegenreaktion auf dem begrenzten Areal. Ein paar Gewaltspitzen gibt’s dazu, eine davon bleibt wohl im Gedächtnis. Die Effekte sind gelungen, der Rest des Films wird schon während des Abspanns nebulös. Merkwürdigerweise ist die Dringlichkeit des Szenarios sichtbar, allein es wird nicht ebenso transportiert. Und so ging der Blick irgendwann doch mal zur Uhr. Immer wieder bremst sich das Szenario mit seinen Drama-Elementen aus. Gegen die Mischung an sich spricht nichts, aber sobald sich das hier ernst nimmt, funktioniert es gleich eine ganze Spur weniger. Weil mir Becky recht schnell recht egal war.

„Lucky for us ... I brought a lie detector.“

Nach keiner Viertelstunde war mir schon klar, dass das kein Highlight für mich wird. Dazu hatte mich die titelgebende Hauptfigur schon zu früh verloren und es wurde bis zum Ende nicht besser. Dazwischen versucht sich der Thriller an genretypischen Mechanismen und hier und da gelingt ihm auch sowas wie Zug. Insgesamt aber zu wenig, dazu tonal unausgegoren und man wird nie erfahren, ob es das alles wert war. Den Schlüssel dazu lässt das Regieduo einfach liegen.

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