Das schwarze Gold und die Sicherung der Förderung desselben gehört zu den wichtigsten außenpolitischen Zielen der USA, wie uns Texttafeln gleich am Anfang informieren. Dementsprechend steigt der Zuschauer auch unvermittelt im Irak ein, wo sich in einem Militärcamp gerade Brad Paxton (Gary Dourdan) mit einigen Marines für einen Konvoi fertigmacht. Die kleine Kolonne aus nur 4 Fahrzeugen gerät dann jedoch in einen Hinterhalt, aus dem Paxton nur mit knapper Not entkommen kann. Doch dies ist nur ein Flashback, denn Paxton ist in Wirklichkeit längst aus dem Irak zurück und leidet seitdem unter posttraumatischen Störungen. Da bedeutet es eine willkommene Abwechslung, daß seine Frau Kate (Serinda Swan), eine erfahrene Archäologin, den Auftrag erhält, eine vor Jahrhunderten im Sand versunkene Wüstenstadt freizulegen. Schon bald ist Kate mit einem Team vor Ort an der marokkanisch-algerischen Grenze, doch beim Begehen des Territoriums geraten sie versehentlich auf algerischen Boden, woraufhin sie beschossen und geknidnapt werden. Neben der wertvollen westlichen Geisel geraten noch zwei Mitarbeiter in die Gewalt der Entführer, die für Kate 10 Millionen Dollar Lösegeld verlangen. Das ist natürlich das Stichwort für den dekorierten Veteran Paxton, der sich sogleich auf den Weg macht, um mit Hilfe eines Vertrauten vor Ort (Brice Bexter als Younes) die Al-Kaida-artigen Entführer mal so richtig durch den Fleischwolf zu drehen...
Die grenzenlos phantasiearme Story, die man so schon gefühlt mindestens ein Dutzend Mal gesehen hat (und zwar jedes Mal deutlich besser abgefilmt) zieht ihren Plot behäbig und ohne die geringste Abwechslung durch, und allein durch den in der Einleitung dargelegten Einstieg besteht schon von vornherein kein Zweifel, daß Paxton seine Angetraute da rausholen wird. Auf jedwede Spannung wird also schon im Vorhinein verzichtet, und da auch die Charaktäre, besonders Paxton, Younes und der Anführer der Islamisten holzschnittartig angelegt sind, verspricht der Redemption Day seine titelgebende Erlösung eher in einem sanften Entschlafen.
Um etwas mehr Füllstoff in die fade Geschichte zu pumpen, darf Andy Garcia den US-Botschafter spielen, der relativ selbstherrlich auftritt und keine Verwicklungen mit dem marokkanischen Gastland riskieren will. Die Entführer dagegen beobachten Kate dabei, wie sie sich übergibt und schließen messerscharf auf eine Schwangerschaft. Doch Kate weiß davon gar nichts, weswegen die Islamisten (selbstverständlich im Off) einen Ultraschall-Befund anfertigen lassen, der ihre Schwangerschaft belegt. Diese Sensation(?) einer nunmehr schwangeren US-Geisel lancieren sie als zusätzliches Druckmittel auf den üblichen Kanälen, und kurz darauf läßt Regisseur Hicham Hajji auch einen US-Präsidenten auftreten, der diesbezüglich aufgeregte Journalisten besänftigen muß.
Alldieweil ist Paxton schon in Marokko und sucht mit Younes einen weisen lokalen Patriarchen auf, der ihnen ein Auto zur Verfügung stellt und die ungefähre Richtung angibt. Jetzt ereignet sich eines jener Mirakel, welche vorzugsweise in drittklassigen Action-streifen zur Anwendung kommen: Die beiden werden verfolgt, und fahren daher mal kurz hinter eine Dattelpalme, die am Weg liegt. Die Verfolger fahren weiter und führen Paxton und Younes, die sich hinter sie setzen, direkt zum Versteck der Geiseln. Und dort gibts dann richtig Ramba-Zamba. Naja, es soll zumindest so wirken. In Realitas sind sämtliche Wachposten dort hohlköpfige Zielscheiben, die nur auf Paxton gewartet haben...
Besonders bemerkenswert neben all diesem Käse (Paxtons Flashbacks spielen nie mehr eine Rolle, auch das umkämpfte Öl wird mehr oder weniger nur noch einmal am Schluß erwähnt) erscheint jedoch, daß die wenigen Action-Szenen auch noch außerordentlich schlecht choreographiert wurden: Während die Entführer wie erwähnt weitgehend gesichtsloses Kanonenfutter darstellen, explodiert beim eingangs erwähnten Überfall auf den Konvoi eine Granate so weit vor dem führenden Hummvee, daß dieser noch knapp um sie herumfahren kann. Jetzt tauchen aus etwa 30 Meter Entfernung plötzlich zuvor sehr gut in der flachen Landschaft versteckte Milizen auf und nehmen den Konvoi unter Feuer. Die GIs dagegen steigen aus und gehen aufrecht, ohne jegliche Deckung zu suchen (wtf?). Irgendwer von ihnen wird tatsächlich angeschossen, irgendwer anderes schmeißt eine Handgranate auf die Angreifer, von denen daraufhin zwei mit einer Rolle vorwärts in Richtung Konvoi abdanken. Diese miserablen Szenen tauchen dann (als kurze Flashbacks) immer wieder mal im Film auf, und sie werden auch durch die Wiederholung kein bißchen besser.
Insgesamt ist Redemption Day eine verzichtbare Angelegenheit, die offenbar von wenig intelligenten Drehbuchschreibern in großer Eile zusammengeschustert wurde und darüber hinaus anscheinend kein grundsätzliches Editing erfahren hat. Kann man wirklich vergessen: 2 Punkte.
PS: Ach ja, Robert Knepper (Prison Break, Am Rande der Angst) ist auch auf der Besetzungsliste! Er spielt allerdings im Film gar nicht mit. Erst 2 Minuten vor dem Abspann darf er, bisher nie in Erscheinung getreten, in weißem Sakko sich umdrehen und einen Satz sagen, bevor er auf die Straße spaziert. Wer braucht so etwas?