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Der 1970 unter der Regie von Ralph Nelson entstandene Film "Das Wiegenlied von Totschlag" hat weitaus weniger zu bieten, als der reißerische Titel anzunehmen vermag. Um genauer zu sein, versprüht der Streifen eine gepflegte Langeweile und ein auf Dauer nervtötendes Hin und Her zwischen den fehlbesetzten Darstellern Candice Bergen und Peter Strauss. Der sogenannte "härteste Western aller Zeiten" hat eine Lauflänge von knapp 2 Stunden die man getrost auf 80 Minuten hätte verkürzen können. "Das Wiegenlied" beginnt mit einem recht blutigen Kampfszenario, verkommt dann aber relativ schnell zu einem faden und belanglosen Western in Road-Movie Manier. Vor allem Candice Bergen nervt gehörig als vulgäre Weiße, die von den Indianern entführt und vom Stammeshäuptling der Cheyenne als Frau genommen wurde. An ihr prallt jede Grausamkeit ab, egal von welcher Seite vollzogen. Eine ziemlich unglaubwürdige Darstellung, in der Realität wäre so eine Abgebrühtheit wohl kaum vorstellbar. Und Peter Strauss (bekannt geworden durch die TV-Serie "Reich und arm") bildet das verweichlichte Pendant mit starkem Hang zur übertriebenen Lächerlichkeit. Das grausame Ende des Streifens - die totale Vernichtung eines kompletten Indianerstammes) ist zwar hervorragend inszeniert, kann aber den Film auch nicht mehr retten, da der banale und überflüssige Mittelteil den Western vollends zerstört hat. Hätte sich Regisseur Ralph Nelson mehr um die Entwicklung der einzelnen wirklich wichtigeren Charaktere gekümmert (z.B. der Kommandant der Kavallerie-Truppe, letztendlich verantwortlich für das Massaker oder den Frieden für sein Volk herbeisehnende Häuptling der Cheyenne) wäre ein brauchbarer Film dabei heraus gekommen. So aber ist "Das Wiegenlied vom Totschlag" nichts weiter als ein Metzelfilmchen in epischer Überlänge.

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