Bei aller Revolution gegen das Gesellschafts- und Weltbild des erzkonservativen Amerikas bleibt Soldier Blue letztendlich doch nur ein klassischer Western. Sicherlich, eine Frau die auf eigenen Beinen steht und den naiven und staatstreuen Soldaten Honus erst das Leben rettet und danach bekehrt ist auch heute noch nicht selbstverständlich in Hollywood. Zur Entstehungszeit des Filmes jedoch auch kein Novum. Dies war wohl eher die grafische Darstellung von Gewalt im Western Genre. Wohl dosiert eingesetzt und keinesfalls reißerisch, jedoch naiv und letztendlich überflüssig inszeniert. Selbst ohne diese Drastik hätte auch der letzte John Wayne Fan verstanden, daß die Eroberung des Westens nicht so glorreich verlaufen ist. Dies erledigten Leone mit Unce upon a Time in the West und im gleichem Jahr Penn mit Little Big Man weitaus intelligenter und eindrucksvoller. Brachen sie doch mit ihren Filmen wirklich die Konventionen des Westerns.
Soldier Blue hingegen bedient sich lediglich den gewohnten und bekannten Elementen des "Cowboy und Indianer" Filmes. Die Indianer werden bis zum Schluß des Filmes als gefährliche Wilde, die gut kämpfen können und äußerst brutal zu Werke gehen dargestellt. Honus soll einen im Zweikampf besiegten Indianer töten, weil es die Blutsbrüder wohl so von ihm erwarten. Da er darauf verzichtet, übernehmen dies schließlich eben diese Blutsbrüder den Besiegten den Rest zu geben. Diese Szene gehört für mich zu den absurdesten des ganzen Filmes, konterkariert sie doch die von seinen Machern anvisierte Botschaft, in dem sie die Unterdrückten zu gefühlskalten, dummen Monstern werden läßt und wohl eher auf Mythen und Horrorgeschichten, als auf Tatsachen beruht.
Den Vogel schießt dann aber zum guten Schluß die deutsche Synchronisation ab. Cresta warnt in einer Szene die Cheyenne vor dem bevorstehenden Angriff der Colorado Milizen. Im Original sprechen die Cheyenne indianisch, der Dialog wird mittels Untertitel übersetzt. Die deutsche Synchronisation traute dem Publikum wohl nicht zu ca. zwei Minuten mitzulesen und synchronisierte auch diese Szene. Dabei sprechen die Cheyenne dann solche Sätze wie, "Wir nicht wollen uns ergeben". Da hat wohl die Dialogregie nicht verstanden, worum es in diesem Film eigentlich geht.
Aber warum sollte sie sich auch intelligenter anstellen als Ralph Nelson, dem man seine gute Absicht mit diesem Film nicht absprechen kann, sich letztendlich jedoch als ziemlich unfähig anstellt, seine Botschaft zu übermitteln. So erscheint es nicht als ungerecht, wenn Soldier Blue in Kritiken lediglich auf seine grafische Gewalt reduziert wird. Als Antikriegsfilm oder gar Anklage gegen das Unrecht, das den Indianern in den USA angetan wurde, mag er nicht funktionieren. Auch in diesem Film ist der Indianer nur ein unzivilisierter, brutaler Wilder mit menschlichen Zügen, jedoch kein vollwertiger Mensch.