Review

Ein Splatterwestern mit Herz

Was für ein erschütterndes Brett… „Soldier Blue“ (mit einem der prägendsten deutschen Westerntitel überhaupt!) erzählt von zwei sehr unterschiedlichen Überlebenden (ein noch recht unerfahrener Soldat + eine indianergeprägte blonde Frau) eines blutigen Kampfes zwischen Cheyenne und Nordstaatlern - und deren Reise durch ein riesiges Land in Aufruhr, in Schweiß und Blut gebadet, ohne Frage und nicht weniger als mitten in einem Genozid… 

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Gemetzel…

„Das Wiegenlied vom Todschlag“ (was ein Titel, wie gesagt…) hat mich tief beeindruckt und mitgenommen. Auf eine Reise in tiefste Schluchten und Abgründe. Auf einen Westernroadtrip, den ich nie mehr vergessen werde. Brutaler als die meisten Horrorfilme, verstörender und zerstörerischer als viele Kriegsfilme, dennoch mit Hollywoods New Wave-Geschmack und etwas hippie'esker Aura. Und doch bei weitem mehr. Mehr als eine Gewaltorgie. Mehr als Geschichtsunterricht. Mehr als Richtigstellung. Mehr als Schicksalsfilm. Ein amerikanischer Western, der selbst den härtesten Spaghettiwestern das Fürchten lehrt. Das finale Massaker an den Ureinwohnern kann einem nur tief in die Knochen fahren. Absolut krass. Und wahr. Was es noch ekelhafter macht… Ein großartiger Film! Ein Western eigentlich, um alle Western zu beenden. Der zum Inhalt gegensätzliche, heroische und klassische Score - ohrwurmig! Die beiden Leads - bravo! Die Stunts zu Pferd, zu Kutsch', zu Fuß - sick! Gänsehaut am ganzen Körper. Nach deutlich über zehntausend gesehenen Filmen in meinem Leben gibt’s diese mir bis hierhin noch unbekannten Kaliber nicht mehr allzu häufig… „Soldier Blue“ schafft es ohne zu zögern zu meinen liebsten, wenn auch ungemütlichsten Western. Eine garstige Sternstunde zu einem wahrhaft dunklen Kapitel. Sprengstoff. 

Fazit: einer der brutalsten und besten Western aller Zeiten… prügelt dich windelweich, episch und intim zugleich, setzt zum Skalpieren an und wird dich nie mehr verlassen dann! 

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