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DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG nimmt bereits einiges von DER MIT DEM WOLF TANZT vorweg, vor allem Wertschätzung für die Kultur der amerikanischen Ureinwohner. Allerdings hat er einen dermaßen penetranten moralischen 68er Anstrich und kommt andauernd mit dem erhobenen Zeigefinger an, dass er viel von seinem potentiellen Unterhaltungsfaktor einbüßt. Er wird nicht müde, uns Zuschauern ständig unter die Nase zu reiben, dass die Indianer bessere Menschen seien als die Weißen, weil sie mit ihrer Natur im Einklang leben, usw. Genauso einseitig wie diese Botschaft ist dann am Ende das große Massaker, das allzu sehr aufs Betroffenmachen gebürstet ist. Hätte man dieses Blutbad weggelassen oder auf ein Minimum reduziert, dann wäre WIEGENLIED als 08/15-Westernabenteuer in Vergessenheit geraten. Selbstkritische (US-) Geschichtsaufarbeitung ist gut, aber bitte nicht so.
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Das Wiegenlied vom Totschlag ist wohl einer dieser Filme, die das Publikum spalten. Meinen Nerv hat er nicht getroffen. Selbstverständlich will uns Nelson mit dem rabiaten Ende, dem Massaker an den Cheyenne-Idianern, wachrütteln. Und dafür mag er uns zuvor bewusst mit der beschwingten Abenteuergeschichte um den Soldaten Honus und seiner unfreiwilligen Begleiterin Cresta in Sicherheit wiegen, doch ging der Genre-Mix bzw. Twist meines Erachtens nicht auf. Auch wenn es mit Sicherheit nicht beabsichtigt war, erschien mir die finale Gewalt doch selbstzweckhaft und die vorherigen Minuten dagegen zu leicht, zu bunt und zu platt. Ich empfand den Steifen zeitweise gar wie eine durchschnittliche Western-Komödie. Und von einem Western von 1970 hätte ich mir auch handwerklich mehr versprochen (insb. in Bezug auf die Kostüme), schließlich wurde schon eine Dekade zuvor eine glaubwürdigere Western-Atmosphäre eingefangen. 5/10
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Das Wiegenlied vom Totschlag lebt eigentlich nur von seinem starken Ende. Die meiste Zeit passiert nämlich überhaupt nichts. Man beobachtet nur das "Pärchen" wie es in der Prärie herumschländert und... das wars! Nätürlich kam es wie es kommen musste: Aus anfänglicher Abneigung wurde Liebe. War schon sehr langatmig das Ganze! Der Überfall auf das Indianerdorf und das gnadenlose Abschlachten der Indianer durch die Soldaten sind dafür richtig gut in Szene gesetzt. Hier gehts schon zur Sache! Wie im Blutrausch schlachten die Soldaten alles nieder was da ist (auch Frauen und Kinder). Alles drastisch aber nie übertrieben dargestellt. I Im Ganzen ein brutaler Western mit eingen Längen. Nur das Ende weiß zu überzeugen. Der geschichtliche Hintergrund intensiviert das Massaker um so mehr! 6/10
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Der Film war seinerzeit sicher ein Schlag in die Magengrube der zartbeseiteten Kritiker. Teilweise sehr drastische Darstellungen schrecken aber auch heute noch die Zuschauer. Er ist durch die Gewaltdarstellung jedoch auch sehr eindringlich, zeigte er 1970 erstmals die brutale Verfolgung der Indianer durch die Weissen. Obwohl nicht der beste Western, gehört er auf jeden Fall in die gut sortierte Westernsammlung.