Review

Episodenfilme mit für sich stehenden Kurzgeschichten weisen im Bestfall positive Merkmale auf: Durch komprimierten Inhalt kommt man schneller auf den Punkt, skizzenhaft dargestellte Situationen alltäglicher Figuren enden offen oder mit Pointe und wenn eine der Episoden schwächer ausfällt, muss man nicht allzu lange darunter leiden.
Klappt bei „Campfire Tales“ soweit ganz gut, nur die etwas altbackene Inszenierung der vier Kurzgeschichten fällt etwas negativ ins Gewicht.

Noch bevor die eigentliche Handlung einsetzt, bekommt man einen in schwarzweiß gehaltenen Opener präsentiert, der leider recht unpointiert endet.
In den 50ern befindet ein junges Knutschpaar mit dem Auto im Wald, sie vernimmt Geräusche und vermutet die „Hakenhand“. Man verlässt den Schauplatz und erlebt am Burgerladen eine makabere Überraschung.

Als Rahmenhandlung dient dann eine Autopanne von vier Teens in der nächtlichen Pampa, die sich mit den Lagerfeuergeschichten ihre Zeit vertreiben.
Nach jeder Episode kehrt man kurz in die Gegenwart zurück, hört vielleicht auch mal unerklärliche Geräusche im Gebüsch, setzt dann aber zur nächsten Geschichte an.

1. Honeymoon
Ein Flitterwochenpaar ist nachts mit dem Wohnwagen unterwegs, man stoppt zum Pimpern, doch kurz darauf warnt ein bewaffneter Kauz, schnell wieder auf den Highway zurückzukehren und bloß nicht das Fahrzeug zu verlassen.
Will man erst befolgen, doch Benzin ist alle. Während er raus geht, um Hilfe zu holen, wollen Kreaturen der zurückgelassenen Frau im Campingwagen ans Leder.

Die schwächste Episode, da hier kaum Atmosphäre aufkommt und man sich zu sehr auf Softcore konzentriert.
Spannung kommt erst auf, als sich die Frau im Wohnwagen gegen die Eindringlinge behaupten muss und am nächsten Morgen eine böse Überraschung folgt.
Leider ist von der Bedrohung als solcher kaum etwas auszumachen, noch wird sie irgendwie erklärt. Nach knappen Ausführungen des Ehemannes muss man sich das ein wenig selbst zusammenreimen.

2. People can lick too
Morgen wird Amanda 12 Jahre alt, doch die Nacht vor ihren Geburtstag gestaltet sich als wahrer Alptraum. Denn hinter ihrer Chatbekanntschaft Jessica steckt ein düsterer Kerl, der sich, in Abwesenheit von Eltern und älterer Schwester, bereits Zugang zum Haus verschafft hat

Ein durch und durch spannendes Kapitel und von allen Episoden die stärkste.
Nicht nur, dass die Autoren recht zeitig die Gefahren des Internets für junge Heranwachsende erkannt haben (1997 oder davor), - man hat den Stoff mit einfachen Mitteln knackig umgesetzt. Man fiebert sogleich mit der Hauptfigur mit, spürt ihre Freude über den morgigen Geburtstag, die Nähe zu ihrem Hund, aber auch die kindliche Sorglosigkeit, die sie der direkten Gefahr aussetzt. Offen bleibt allerdings, wie der Typ wissen konnte, wo Amanda wohnt, da fehlen kleine Zusatzinformationen.
Ansonsten eine sehr gelungene Mischung aus „Halloween“ und „When a stranger calls“.

3. Locket
Scott, der auf seinem Motorrad ziellos durch die Lande zieht, hat in einer Gewitternacht eine Panne und findet im Haus der schönen und stummen Heather Unterschlupf.
Man nähert sich an, doch rasch plagen die beiden Visionen, da hier in der Vergangenheit ein furchtbares Ereignis stattfand.

Leider ein verdammt vorhersehbarer Stoff, der der Geisterecke zuzuordnen ist. Das kleine Landhaus und das außen tobende Gewitter, die eingebundenen Rückblenden, sowie einige Stimmen bilden zwar eine dichte Atmosphäre, doch die Auflösung ist von Beginn an erahnbar. Zeichen wurden dahingehend zu deutlich gesetzt, allerdings zeichnet sich die finale Einstellung durch einen überraschend makabereren Effekt aus.

Nach den Episoden kehrt man zur Rahmenhandlung „Campfire“ zurück, die tatsächlich noch eine gelungene Pointe aus dem Ärmel schütteln kann.
Zumindest steht im Anschluss auch dieser scheinbar belanglose Stoff nicht als notwendiges Bindeglied, sondern kann noch einen Twist hinterher schieben, welcher teilweise sogar Figuren bereits geschilderter Episoden einbinden kann.

Schade, dass die Episoden an sich eher dürftig ausfallen, wenig Raffinessen bieten und darstellerisch keine Glanzleistungen offenbaren.
Hier fallen lediglich Amy Smart als verführerische Stumme und Alex McKenna als Kind Amanda positiv auf, während der übrige Cast kaum zum Mitfiebern einlädt.
Auch der Blutgehalt ist äußerst gering, eine FSK 16 für die Videofassung von Ascot scheint da schon fast übertrieben.

Dennoch kommen im Gesamtbild die positiven Merkmale typischer Kurzgeschichten durch, die diese eben so kurzweilig erscheinen lassen.
Zwar halten sich Gänsehautmomente arg in Grenzen und auch temporeiche Adrenalinszenen bleiben weitgehend aus, doch für einen unterhaltsamen Lagerfeuer-Ausflug reicht es allemal.
Und von „People can lick too“ würde ich eine abendfüllende Langzeitfassung begrüßen, - diese Kurzgeschichte hebt das Gesamtbild nämlich deutlich über den Durchschnitt.
6 von 10

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