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Einige Künstler realisierten ihre besten Werke unter Drogeneinfluss und laut Regiedebütant Richard Stringham kam das Schreiben des Drehbuchs für vorliegenden Erstling erst nach der Einnahme ominöser Pilze in Gang. Dieser Einfluss macht sich primär im finalen Akt bemerkbar.

Nach dem Tod ihrer Mutter kämpft die siebzehnjährige Morgan (Jordan Phipps) mit Drogenproblemen, so dass ihr Vater sie unter Hausarrest stellt, um sich gleichermaßen um ihre kranke Oma im Obergeschoss kümmern zu können. Doch etwas anderes erschwerendes kommt an diesem Abend hinzu: Ein unbekannter Anrufer, der Morgan mit Obszönitäten terrorisiert…

Stringham ist voll auf die Retro-Welle abgefahren. Seine Mischung aus Slasher, Giallo und Home Invasion ist auf audio-visueller Ebene phasenweise ansprechend ausgefallen, zumal die Kinematographie in einigen besseren Momenten an Argento und Bava erinnert. Der Score beschreitet derweil gekonnt die Pfade von „Goblin“ und Carpenter, allerdings wird er zuweilen etwas zu vordergründig eingesetzt.

Das eigentliche Problem der Erzählung ist die maßlose Überlänge von 128 Minuten, die schlichtweg keinen ordentlichen Fluss entwickelt. Da nützt es wenig, dass Hauptdarstellerin Phipps die ganze Zeit fast nur in Slip und BH herumläuft, was ihren unübersehbaren Vorbau mehr als nur einmal in den Vordergrund rückt. Es mangelt immer wieder am Timing und man erhält den Eindruck dem Direktors Cut eines Direktors Cut beizuwohnen. Hier und da wird an sich herumgefummelt, dann erscheint ein Kumpel zwecks Konsums neuer Droge, Dad und die Neue verbringen sehr viel Zeit im Restaurant, doch eine Bedrohung außer des Anrufers bleibt komplett außen vor und auch dieser vermag sich nicht zu steigern. Minimale Referenzen in Richtung „Nightmare on Elm Street“ oder auch „Tanz der Teufel“ sind zwar erfreulich, aber nicht handlungsfördernd.

Zwar zieht das Tempo im letzten Drittel an und die roten Farbfilter werden in Stellung gebracht, doch es wird auch inhaltlich verwirrender. Was da zwischen Einbildung und wahrer Bedrohung und von Drogenrausch bis zur eventuellen Erleuchtung Realität ist, vermag wohl nur Autor Stringham selbst zu durchschauen. Immerhin kommt es in diesem Zusammenhang zu kleinen, handgemachten Gewalteinlagen, die dem Stil der frühen 80er definitiv gerecht werden.

Wenn der vermeintliche Killer zehnmal nach Morgan ruft, möchte man dazwischenrufen: Nicht Morgen, heute noch. Denn die Chose hätte sich problemlos auf gut 80 Minuten stutzen lassen können, ohne dass relevante Ereignisse zu kurz gekommen wären. Entsprechend baut sich nur hin und wieder ein Hauch von Suspense auf, während atmosphärische Spitzen durch überlange, oft unnütze Szenen rasch zunichte gemacht werden. Die leichtbekleidete Phipps müht sich redlich und hätte auch mit etwas mehr Stoff um den Leib überzeugt, retten kann ihr Glockengeläut die merkwürdige Retro-Mixtur nicht.
4 von 10

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