Review

Sünden in dunkelblau


„Body Cam“ verarbeitet amerikanische Polizeigewalt an Schwarzen, ein leider scheinbar zeitloses und wieder mal extrem aktuelles Thema, zu einem soliden Genrefilm, der allerdings eher über eben dieses Thema und seine Message denn als eigenständiger Schocker überzeugt. Obwohl er mich auch in dieser filmischen Disziplin leicht positiv überrascht hat. „Body Cam“ ist durchaus einen Blick wert, momentan mehr denn je! Und (gute) Genrefilme waren ja schon immer gesellschaftskritisch aufgestellt, sodass sich dieser „Cop Killer“ nahtlos und erfolgreich einfügt. Kein Film fürs Kino, aber einer für daheim ohne Frage und Reue. Einer, den mehr Leute sehen sollten, der aktuelles Zeitgeschehen effektiv in seiner Genreschublade herunterbricht, auseinandernimmt, solide unterhält und ebenso solide zum Nachdenken anregt. Erzählt wird von einer schwarzen Polizistin, die vor kurzem ihren kleinen Sohn verloren hat, nun in den Dienst zurückkehrt und direkt mal mit dem Überwachungsmaterial eines bizarren Mordes an einem ihrer Kollegen konfrontiert wird, der alles andere als normal und natürlich erscheint. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, den sie langsam aber sicher in ihrer Behörde, Abteilung und ihrem Berufszweig aufdeckt...

Mary J. Blige ist eine der besten RnB-Sängerinnen der letzten Jahrzehnte und altert quasi rückwärts. Eine Top-Schauspielerin wird sie in diesem Leben allerdings nicht mehr. Doch sie tut ihren Job, macht die Sache fähig genug, ähnlich wie „Body Cam“ insgesamt. Das Motiv bzw. seine Mythologie sind lobenswert, er ist ein positives Beispiel des spärlichen, aber nicht zuletzt durch Jordan Peele wieder etwas aufblühenden Black Horror Cinemas und die Atmosphäre ist durch die Bank düster, creepy, brauchbar. Dass Paramount ihn wohl nur noch spärlich in die Kinos bringt, ist verständlich, dass sie ihn allerdings kaum pushen eher weniger. Das Thema geht uns alle an und kann nicht oft genug ans Licht gebracht werden, einige Kills sind famos fies und das Ding beinhaltet ähnlich viel Wut im Bauch wie ein Spike Lee Joint - lässt diese aber eben in übernatürlichen Horrorbahnen ausbrechen. Und das wirkt frisch genug, hat mich viel besser unterhalten, als man es von einem klaren DTVler mit Mary J. Blige erwarten könnte. Nicht herausragend - aber sehr guckbar. 

Fazit: „End of Watch“ meets „The Fury“ mit einem Schuss „Candyman“ - wir brauchen mehr thematisch wichtige und gewalttechnisch nicht zimperliche Genrefilme wie „Body Cam“. Gelungen. Wenn auch nie mehr. Und Frau Blige wird in diesem Leben wohl nicht mehr das schauspielerische Schwergewicht, das sie als RnB-Königin ist... Egal. „Body Cam“ kann ich (mit gedrosselten Erwartungen) etwa für 99 Cent als Stream empfehlen. 

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