Review

Der Veteran des mit blutrünstigen Effekten aufwartenden deutschen Amateurfilms strebt merklich nach Professionalität. "Garden of Love" erinnert gar nicht mehr so stark an das grauenhafte Gestümper vergangener Tage und ist ein wirklich sehr bemühter Versuch Olaf Ittenbachs, auch einmal Qualitäten jenseits seiner berühmt-berüchtigten Splattereinlagen zu offenbaren. Dafür wagte er sich dieses Mal an einen Horrorthriller mit einer soliden Geschichte, die im fiktiven Verlaine-Massaker ihren Ursprung hat.

Da Rebecca, die einzig Überlebende des kaltblütigen Gemetzels, ins Koma fiel und die ermittelnden Beamten keine Verdächtigen hatten und vollkommen im Dunkeln tappten, wurde der Fall ungelöst zu den Akten gelegt. Nun ist Rebecca jedoch wieder aus ihrem Dauerschlaf erwacht, leidet aber zum Unglück der Polizei an posttraumatischer Amnesie. Die Erinnerungen sind weg, aber der Geist ihres verstorbenen Vaters, Gabriel Verlaine, hilft ihr auf die Sprünge, indem er seine Tochter mit Visionen plagt. Und mit diesen schickt sich Ittenbach auch zunächst an, um das Interesse des Zuschauers für sich zu gewinnen. Es gibt in der ersten Filmhälfte zwar keine fünf Minuten, in denen Rebecca einmal nicht von einem Tagtraum gequält wird, doch um Abnutzungserscheinungen zu vermeiden, ging Ittenbach dabei durchaus vielseitig zu Werke.

Die immer wieder eingestreuten Sequenzen setzen nämlich sowohl auf kurze Schockmomente als auch auf schwarzen Humor. Hinsichtlich letzterem ist eine Parodie der Teleshopping-Kanäle ganz amüsant, bei der Bela B. Felsenheimer alias Gabriel Verlaine scharfe Messer anpreist und die Schärfe dann auch vorführt - eben auf seine Weise. Dagegen wirken die Visionen aus der Kindheit Rebeccas, die ein glückliches Hippie-Idyll zeigen, allerdings unfreiwillig komisch, denn was wir sehen, gleicht einem Himmel auf Erden und am Ende des Horizonts glaubt man auch schon Mutter Teresa zu sehen. Irgendwann schaltet Ittenbach dann aber einen Gang höher und lässt die Geschichte langsam in Fahrt kommen, denn die Geister des Verlaine-Clans wollen nicht eher ruhen, bis Rebecca ihnen ihre Mörder ans Messer liefert, an denen sie ihren Rachedurst stillen können.

Die Gespenster sind jedoch nur im alten Verlaine-Haus dazu fähig, im Diesseits Schaden anzurichten, und so muss Rebecca die Täter, wenn sie sie schließlich gefunden hat, dort hinlocken. Da die nicht zur Ruhe kommenden Toten aber jeden Fremdling im Haus angreifen, sind dann auch schon mal Kollateralschäden die Folge - und dies nicht zu knapp, wenn ein elfköpfiges Sondereinsatzkommando zerfleischt wird. Das ist zwar inhaltlich herzlich sinnlos, aber Ittenbach konnte es eben nicht ganz lassen und erntete in seinem Garten des Splatters wieder einige äußerst rabiate Effekte, die - wie man es von ihm gewohnt ist - technisch hervorragend aussehen, allerdings in diesem Kontext gleichfalls maßlos übertrieben sind.

Dass Olaf Ittenbach sein Handwerk auf diesem Gebiet versteht, bedurfte eigentlich keines weiteren Beweises mehr. Es bleibt aber positiv zu verzeichnen, dass er sich eben nicht wie früher nur auf diesen Punkt fixierte, sondern versuchte, eine Geschichte spannend zu erzählen. Um dies vollends zu erreichen, fehlen ihm instinktives Geschick und Gespür, denn der gegen Ende oft unlogische, mit Wendungen gespickte Plot wird sicherlich niemanden aus den Latschen hauen. Doch mitunter dank einer akzeptablen Kameraarbeit und nicht mehr völlig unfähigen Darstellern ist "Garden of Love" ein annehmbares Independent-Werk geworden. Der Unterhaltungswert ist zwar nicht so hoch wie bei einem "Premutos", dafür gelang es Ittenbach jedoch, die Fesseln des abgrundtiefen Dilettantismus zu sprengen.

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