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2020 ist Wahljahr in den USA und passend dazu kommt ein Film ins Kino, der sich mit dem Thema beschäftigt.
Nachdem in der Eingangssequenz tatsächlich auch die denkwürdige Wahlen 2016 thematisiert werden, geht es dann aber von der nationalen auf die lokale Ebene.

Der Wahlkampfmanager Gary Zimmer (Steve Carell) wird auf ein YouTube-Video aufmerksam, in dem der Farmer und Militärveteran Jack Hastings (Chris Cooper) dem republikanischen Bürgermeister der Kleinstadt Deerlaken in Wisconsin, Mayor Braun (Brent Sexton) auf eine beeindruckende Weise Contra gibt und gegen einen erschwerten Zugang zu Sozialleistungen angeht.
Zimmer ist sofort klar: Dieser Mann muss Demokrat werden.
Also besteigt er einen Flieger und trifft sich mit Hastings, um ihn zu überzeugen, bei der anstehenden Bürgermeisterwahl gegen den Amtsinhaber anzutreten. Dieser lässt sich darauf ein und so ist Zimmer bald dabei, u.a. mit Unterstützung von "Colonel" Jacks Tochter Diana (Mackenzie Davis) sowie einer Gruppe befreundeter Nachbarn einen professionellen Wahlkampf auf die Beine zu stellen.
Da ein Wahlkampf in dieser Stadt nicht üblich ist, sehen sich Gary Zimmer und Co. trotz der traditionell sehr republikanischen Bevölkerung zunächst im Vorteil, bis Garys Erzrivalin Faith Brewster (Rose Byrne) von der Sache Wind bekommt und auf Seite von Mayor Braun in das Duell einsteigt...

Daraus entwickelt sich ein auf lokaler Ebene besonders absurd anmutender Wettstreit der zwei sich gegenseitig immer weiter hochschaukelnden Konkurrenten. Für einen deutschen Zuschauer, der die Eigenheiten der amerikanischen Wahlkampfmaschinerie nicht gewöhnt ist, mag dies noch kurioser wirken als für die einheimische Zielgruppe.
Gleichwohl schöpft sich der Haupteil der Komik nicht aus dieser politischen Seite des Films. Es handelt sich nicht wie man annehmen könnte um eine harte Politsatire, sondern viel mehr um eine rechte leichte Komödie, die mit dem Aufeinanderprallen des schnöselig-arroganten (und ziemlich nervigen) Stadtmenschen Gary mit der überfreundlichen, teils naiv anmutenden Landbevölkerung spielt. Das unterhält auch sehr gut, könnte aber manchen enttäuschen, der mit mehr politischen Gags gerechnet hätte.

Gleichzeitig steckt darin auch eine Botschaft. Gerade in einem so gespaltenen Land wie den USA ist es passend, in einem solchen Film keine weiteren Keile in die Gesellschaft zu treiben, indem man inhaltliche Differenzen zwischen den beiden großen Parteien in den Vordergrund stellt. Tatsächlich geht es im ganzen Film kaum um Inhalte. Man hätte den Film auch aus Sicht der Republikaner schildern können, ohne viel zu verändern. Stattdessen wird das System an sich infrage gestellt und die wirklich wichtigen Werte betont: Zusammenhalt und gemeinsames Kämpfen für die Erreichung eines Ziels statt Spaltung, Wahlkampf-Kleinklein, Schmutzkampagnen und all das ohne tatsählichen Nutzen für die Bevölkerung.

Bei den Schauspielern ist neben Steve Carrell, der den Löwenanteil des Films trägt und dem brummigen Chris Cooper vor allem Mackenzie Davis hervorzuheben, die die Nebenrolle der zunächst schüchtern wirkenden Tochter sehr gut spielt und dann am Schluss des doch noch ihre Raffiniertheit unter Beweis stellen darf.

Apropos Schluss: Ohne zu viel zu spoilern, der Abschlusstwist lohnt sich und hat für mich die vorher durchschnittliche Komödie doch noch rausgerissen. Insgesamt eine klare Empfehlung in dieser insgesamt doch recht schwachen Corona/Sommerloch-Kinozeit.

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