iHaveCNit: Minari (2021) – Lee Isaac Chung – A24
Deutscher Kinostart: 15.07.2021
gesehen am 16.07.2021
Arthouse Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 6, Sitz 14 – 20:15 Uhr
Irgendwie steht dieses Kinostartwochenende ganz im Zeichen von Familiengeschichten. Auch wenn der von mir bereits gesehene „Fast + Furious 9“ als „Familienfilm“ wohl den größeren Kreis an Zuschauern bekommen wird, qualitativ muss er sich aber in jeglicher Hinsicht dem kleinen, feinen „Minari“ von Lee Isaac Chung geschlagen geben, dessen Veröffentlichung ich natürlich auch nicht mehr erwarten konnte, gerade in meiner Oscar-Nachlese. Und ich wurde auf jeden Fall nicht enttäuscht – ein feines Highlight des Kinojahres 2021.
Jacob Yi hat ein Stück Land in den Ozarks Arkansas gekauft. Mit seiner Frau Monica und den Kindern David und Anne zieht er aus Kalifornien dorthin um eine Farm aufzubauen. Seine Frau ist davon wenig begeistert und die Sorgen um den herzkranken Sohn machen die Sache nicht sehr einfach. Der Anfang ist schwer und beide verdingen sich noch in einer örtlichen Fabrik als Chickensexer, da jedoch die Betreuung der Kinder nicht immer sichergestellt ist, lassen Sie die Mutter von Monica aus Korea kommen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Differenzen scheint sich der kleine David schrittweise auf seine Oma ein.
„Minari“ ist ein wundervoller Film, der auf eigenen Erfahrungen und Erinnerungen des Regisseurs und Drehbuchautors Lee Isaac Chung basiert. Genau diese Erfahrungen und Erinnerungen machen „Minari“ zu einem wundervollen, warmherzigen und feinfühligen Film, der gekonnt viele Klischees umschifft und einen sehr authentischen Blick in das Herz einer koreanischen Familie wirft. Die Familie hier ist in seiner Dynamik und in seiner kompletten Besetzung eine Freude kennenzulernen, jeder Charakter ist großartig geschrieben und wird auch sehr gut verkörpert. Man spürt hier sowohl die Geschichte und das Leben, dass die Familie vor Einsetzen der Filmhandlung hatte als auch das, was nach Ende der Filmhandlung noch für die Familie kommen wird. Bei all den großartigen Darstellungen eine besonders rauszupicken ist schwer, gerade weil das Ensemble so großartig aufspielt – aber da hier vor allem Alan Kim als Sohn eine große Rolle spielt, hat mir der Sohn großartig gefallen und natürlich der für den Oscar nominierte Steven Yeun. Wenn es aber um eine der coolsten Film-Omis der Filmgeschichte geht, führt kein Weg an Soon-Ja vorbei, die hier von Yuh-Jung Youn gespielt wird und die zurecht dafür den Goldjungen bekommen hat. So schrullig, herzlich und vielschichtig, dass es eine Freude ist, sie und vor allem den jungen David zu beobachten und zu erleben. Aber auch die weiteren Konflikte der Familie mit der kriselnden Ehe, den finanziellen Schwierigkeiten und so weiter sind großartig und glaubwürdig erzählt. Trotz aller kritischen und durchaus schwierigen Situationen bleibt der Film bei allem immer noch eine Spur positiv. Darüberhinaus bekommen wir noch den ein oder anderen schrulligen, hilfsbereiten Nachbarn und Nebencharakter serviert. Es ist auch erfrischend, dass der Film mal komplett ohne schwere gesellschaftliche Kritik – unter anderem wenn es um anti-asiatischen Rassismus und den amerikanischen Traum geht – auskommt und seinen Fokus klar auf die intimen Konflikte und Dramen innerhalb der Familie legt. Ob man es da verschmerzen kann, dass durchaus die Abfolge der Ereignisse und Zufälle innerhalb der Handlung und die daraus folgenden Konklussionen vielleicht etwas konstruiert und forciert wirken, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. „Minari“ ist auf jeden Fall ein kleines Highlight des Kinojahres 2021.
„Minari“ - My First Look – 9/10 Punkte.