May Chan [ Amanda Lee ] kehrt 1 Jahr nach dem gewalttätigen Tod ihrer Schwester aus den USA zurück, um ihr Erbe auf den New Territories anzutreten. Im Auftrag ihres Anwaltes und früheren Freundes ihrer Schwester Law Siu Wang [ Ken Lok ] zeigt ihr sein Mitarbeiter Ching Fai [ Wong Hei ] das überschriebene Haus, indem sie trotz einiger Vorbehalte auch prompt einzieht. Allerdings engagiert Law auch sofort Fais Kindheitsfreund Michael Wong Si [ Michael Chow ], der May dazu bringen soll, dass Haus schnell wieder zu verkaufen. Als abseits davon dort mysteriöse Dinge passieren, wird der nächste Freund Yung [ Simon Loui ] engagiert, um dem Spuk ein Ende zu bereiten...
Sworn Revenge ist einer der Filme, bei denen man schon von den Castangaben sieht, dass nicht wirklich etwas Gescheites daraus wird. Wenn man dann dennoch zugreift, ist es entweder wider besseres Wissen, weil man mit der Materie nicht vertraut ist und einfach daneben greift oder – soll auch vorkommen – weil derartige Produktionen durch gewisse Gründe erst recht zusagen.
So steht hinter der Produktion Tony Leung Hung – wahs Matrix Productions Company; was eigentlich schon Abschreckung genug sein sollte, da man dort über gering bis kaum Geld und eher noch weniger Ideen und Können verfügt und man die Filme nach allen Naturgesetzen eigentlich gar nicht ins Kino hieven können dürfte. Es muss nämlich schon ein sehr psychedelisches Empfinden sein, die zumeist no budget Werke auf einer grossen Leinwand zu betrachten; jede Folge einer TV Sitcom verfügt über mehr Produktionsvolumen und bessere Drehbücher und Regisseure. Hierbei ist mit Regisseur Heaven Yiu Tin – hung zwar zumindest jemand anwesend, dessen Namen die entsprechende Klientel mit Drugs Fighters,Gold Rush oder Ghost Killer verbinden kann; aber dazu gehören nicht wirklich viele, die bisherige Filmographie nimmt sich qualitativ eher bescheiden aus.
Mit Sworn Revenge sollte ihm ein Hervorpreschen aus der Bedeutungslosigkeit auch nicht gelingen, der Film hat keinerlei Bekanntheitsgrad und auch gar keinen verdient. Diesmal liegt das Manko nicht unbedingt im Finanziellen; Horrorfilme lassen sich mit weniger Geld als beispielsweise Action angemessen produzieren. Der Schrecken auch mit einfachen Werkzeugen generieren. Die klassische Tradition für einen gruseligen haunted house - Film ist ebenfalls vorhanden und über Jahrzehnte auf Tauglichkeit abgeprüft. Aber man braucht zumindest eine Idee; und drei Leute nur darüber reden zu lassen gehört nicht dazu.
Mehr gibt das Skript in der ersten Stunde jedenfalls nicht her: Man zieht in das Haus ein und erlebt eins, zwei mysteriöse Erscheinungen, die man aber einerseits nicht ernst und als “Kann nicht sein“ abwinkt und andererseits aufbauscht.
Durch Dialoge natürlich.
Nun sind die Schauspieler schon so nicht gerade mit Ausdruckskraft und Darstellungsvermögen gesegnet, so können sie angesichts des Wenigen an Materials und der simplen Wiederholung der Ereignisse durch Wörter da erst recht nicht für Eindruck sorgen. Eher noch im Gegenteil; sie verschlimmern die Situation noch viel mehr, die Interaktion funktioniert ebenso wenig wie das Einzelspiel. Amanda Lee versagt in der Hauptrolle komplett und wirkt noch nicht einmal sympathisch. Das Gleiche gilt für die ewigen Nebendarsteller Wong, Loui und Chow; die schlimmerweise noch mit Helena Law Lan und Bobby Yip als Dorfbewohner ergänzt werden.
Dadurch, dass das Set zusätzlich in Chloroform getränkt wirkt, hat man auch genug Zeit, sich die sämtlichen Fehler anzusehen und aufzuschlüsseln. Der Film besitzt keinerlei Tempo oder Druck und kommt eh erst nach der Stunde auf den eigentlichen Punkt. Welchen der Zuschauer schon nach einigen Minuten erraten kann, und wenn er sich das Backcover durchliest weiss er die Auflösung noch viel schneller.
So darf man den begnadeten Akteuren beiwohnen, wie sie sich mit gerümpfter Nase und schützender Hand vorm Gesicht ins Haus hineinbewegen, obwohl dieses bis auf etwas Staub schon beim Einzug piccobello ist; man nicht einmal putzen muss, sondern nur die weissen Laken von den Möbeln abziehen. Und vielleicht die langweilige Einrichtung austauschen; die DDR gibt es nicht mehr.
Und obwohl man das traute 80er Jahre Heim bei Tageslicht betritt und die Gegend bewohnt ist, verprügelt man vor Schreck gleich die halbe Dorfbelegschaft, weil man sie für Geister hält.
Wer hier noch nicht ausgemacht hat, obwohl man auch ohne Vorwissen bereits deutlich sieht, dass der Film gar nicht gut werden kann, hat entweder zuviel Zeit, Langeweile, Geduld oder kein Geschmack. Das gewisse Faible für schlechte Kunst wird aber gleichermaßen schnell befriedigt: So darf man weiter bestaunen,
- dass May sich wie ihre Begleiter über Tage hinweg fast nie die Klamotten wechselt und sogar mit Jeans, Pullover und kompletten Schmuck schlafen geht. [Wahrscheinlich, weil Umziehen samt Pausen beim Dreh zuviel Geld kostet]
- Sie zwar als Andenken an ihre Schwester das Haus trotz Zureden aller Beteiligten unbedingt behalten will, sich aber erstmal ein Foto von ihr besorgen muss und sich auch erst nach ihrem Tod erkundigt, als es zu spuken anfängt.
- Man sich nicht Informationen von der Polizei holt, sondern vom "einzigen Zeugen des Mordes".
- Das TV Programm ständig die gleiche Aerobicsendung zeigt.
- Michael doch tatsächlich von drei schaumigen Marshmallowgeistern aus dem Fenster bugsiert wird, nachdem er gerade eine Story gebracht hat, dass genau so und nicht anders richtige Gespenster auszusehen haben.
Besonders beim letzten Element weiss man dann auch gar nicht so richtig, ob Regisseur Yiu jetzt nur schnell etwas Witz hineinbringen will oder es doch wirklich ernst meint. Zumal die Umsetzung der Szene nicht mal annähernd nach „Pâte de guimauve“ aussieht, sondern man einfach irgendwelche milchigen Gespenster wie aus einem Kinderbuch in den Bildkader gemalt hat.
Abgesehen davon und dass man einmal eine Einstellung ins Negativ umkehrt und etwas Nebel blasen lässt sind auch keinerlei Effekte vorhanden; aber wenn man sich das Kinoeinspiel von 9000 HK $ in der einwöchigen Laufzeit Ende Juni 2000 ansieht, darf man in dem Bereich auch keine grossen Sprünge erwarten. Waren ja umgerechnet bloss knapp 1200€; dafür kann man im Gegenzug auch nicht annehmen, dass ein Trickspektakel sondergleichen abgezogen wird. Aber auch so wird der vermeintliche Horroraspekt so gar nicht bedient. Sieht man vom „plötzlichen Auftauchen“ einiger Anwohner sowie von unten angestrahlten Gesichter ab, befindet man sich auch atmosphärisch direkt auf den Spuren eines leistungsschwachen, stark eingegrenzten Theaterstückes: Nur eine Bühne - das Haus halt - und nur ein Dutzend Mitspieler insgesamt; wovon auch lange Zeit nur drei miteinander zu tun haben.
Mehr kann die Szenerie wahrscheinlich gar nicht vertragen.
Muss sie auch nicht und soll sie auch gar nicht, denn weil genau durch die ungewöhnliche, nicht funktionierende Zusammenstellung vertrauter Dinge die gewisse abstrakte Stimmung auftaucht, die nur diese Art von preiswerten Filmen aufweisen. Die eben allein durch das Unvermögen, die Trennung der gegensätzlichen Zustände von Traum und Wirklichkeit aufzuzeigen plus der präsentierten Langeweile und Sinnlosigkeit schon die Schaffung einer surrealen Welt vollbringen. Dieses spezielle Flair als Teil des gängigen Repertoires künstlerischer Ausdrucksformen ist dann auch das einzige Merkmal, welches derartigen Werken überhaupt ihren Reiz verleiht. Dieses Gefühl ist nämlich auch immer unwillkürlich entstanden, nicht durch kalkulierte Anwendung von ästhetischen und stilistischen Mitteln, sondern durch das eigene Nichtskönnen. Aussagekraft und Wirkung sind gerade durch die Unvollkommenheit von Skript und Regie viel stärker, als wenn es beabsichtigt wäre.
Natürlich ist das nur ein rein subjektives Empfinden, für den Moment; und spannender macht es die Begebenheit auch über diesen Umweg nicht.
Die beste Idee - eine Wiederholung des Ausgangsmordes mit den jetzigen Personen – wird zwar am Ende kurz anvisiert, aber leider die Wirkung dessen nicht erkannt und stattdessen im Happy End aufgelöst. So bleibt die Möglichkeit über eine grandiose Ehrenrettung in letzter Minute verschwendet, und das Simon Loui star files auf der DVD als einzig wirklich wissenswerte Zutat des Filmes über.