Review

Da bleibt kein Auge trocken 


Hardcore-Stockholmsyndrom trifft Softcore-Sexfantasie. „365 Days“ ist einer der meistgesehenen Titel des letzten Jahres auf Netflix - und gleichzeitig einer der schlechtesten Filme, die es dort wohl jemals gegeben haben wird... In dem kaum fassbaren Erotikschrott geht es um einen jungen sizilianischen Mafiaboss, der seine polnische Traumfrau entführt und dieser 365 Tage gibt, um sich in den Übermacho, Gangster und Sexgott zu verlieben - und natürlich springt trotz anfänglicher Wut und Aggression irgendwann der Funke über, sodass die Laken, Duschen und Privatjachten vor lauter Rein-Raus zu wahren Wasserparks werden müssen...

Wenn ein Film schon ohne Frage unsägliche Ergüsse wie die „Fifty Shades“- oder „After“-Reihe wieder ganz erträglich aussehen lässt, dann macht das einfach nur noch sprachlos. Und „365 Days“ tut genau das. Ich habe nichts gegen mit wummernder Clubmusik unterhalte Sexfantasien, die beiden Darsteller sind ohne Frage chilischarf, die Popperei ist auch heißer, glaubhafter und ansehnlicher als in den beiden genannten Konkurrenzprodukten aus Hollywood. Und dennoch kämpft „365 Days“ mit derart eklatanten Problemen und Fragwürdigkeiten, dass man ihn als lächerliche Kreuzung zwischen einer „Der Pate“-Kopie von TV Polonia produziert, einem Nubile-Snippet nur ohne Geschlechtsteile und den sexy Sportclips auf DSF damals, zu keiner Sekunde mehr auch nur ansatzweise ernst nehmen kann. Klar, auch das kann als zögerlicher Bums-Trash mit doofsten Dialogen und Wendungen auf Telenovela-Niveau als Belustigung klar gehen - unter einigermaßen normalen Gesichtspunkten ist das allerdings eine IQ-vernichtende Schande und nahezu vergiftend schlecht. Von der 13-jährigen Chantalle im Schulbus bis zur 54-jährigen Sigrid auf Couch nachdem der Herbert mal wieder vorm TV bei Bier im Unterhemd eingepennt ist. Dumm fickt gut. Das wird hier unterstrichen. Aber so dumm muss es dann auch nicht sein... Außerdem geht’s über fast zwei Stunden (!) gestreckt auch nur erschreckend wenige Minuten zur Sache und der Cliffhanger macht für mich so viel Lust auf mehr wie eine Epilierung des Hodensacks. 

Fazit: die beiden sehr attraktiven Darsteller, ein paar hübsche Shots und sexy Songs können es nicht im Geringsten verbergen - „365 Days“ ist ein unfreiwillig komischer polnischer Hausfrauensoftporno, gefühlt vom noch unbegabteren Cousin von Til Schweiger aus Warschau inszeniert. Wie eine oberflächliche Kopie eines The Weeknd-Musikvideos und mit einer der besorgniserregendsten „Beziehungen“ der gesamten Filmgeschichte. Vernichtend schlecht. Und sich sogar als banalste Wichsvorlage selbst disqualifizierend. Peinlich, wer das allen Ernstes toleriert oder gar gut findet. Eine der Lachnummern des Jahres. Und dennoch glatt und seelenlos, ja ekelhaft genug um ihn nicht zum „Bad Movie“-Kult werden zu lassen. 

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