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Mittlerweile dürfte nahezu jeder junge Mensch im Umgang mit sozialen Medien sensibilisiert sein und doch gibt es genügend naive Individuen, die nicht nur unnötige, sondern auch überaus persönliche Daten mit unbekannten Menschen teilen. Unter jenen dürfte sich der eine oder andere Psychopath befinden, wie Vater und Sohn Woltosz mit ihrer ersten Regiearbeit veranschaulichen.

Schülerin Chelsea fühlt sich von ihrer besten Freundin vernachlässigt und durch die ältere Schwester benachteiligt. Umso glücklicher ist sie, bei einer Dating-Plattform auf Brad zu stoßen, welchen sie bei einer Halloweenparty trifft. Doch kurz darauf erwacht Chelsea angekettet in einem Kellerraum und darf erst nach einer vermeintlich erfolgreichen Gehirnwäsche die Räumlichkeiten ihres Entführers betreten. Hier trifft sie auf diverse, blond gefärbte Mädchen in Cheerleader Outfits, die allesamt auf den Namen Sadie hören…

Angestrengt versucht das Regieduo innerhalb der ersten zwanzig Minuten das soziale Umfeld der Hauptfigur zu durchleuchten, was überaus zäh vonstatten geht, zumal sämtliche Problemchen austauschbar erscheinen und noch langen keinen Anlass ergeben, sich einem gänzlich Unbekannten in einem bestimmten Look zu präsentieren. Wobei das erste Aufeinandertreffen im Rahmen mit mehreren Leuten nicht unüberlegt ist, - sofern das Opfer nicht als Schnapsdrossel abgetan wird, welches dringend nach Hause gebracht werden muss.

Etwas bizarr geht es schließlich im Haus des Schlächters zu, dessen Interieur allein durch den hässlichen Teppichboden wie ein Relikt aus den Sechzigern wirkt. Jener muss von den Mädchen regelmäßig gekämmt werden, da sich jeder Fußabdruck abzeichnet, - ein Umstand, der bei etwaigen Fluchtversuchen nur unzureichend genutzt wird. Auch die Gehirnwäschen mit deutlichen Folgen des Stockholm-Syndroms erscheinen kaum glaubhaft, ebenso wenig wie der Hang des Kidnappers zu Virtual Reality und einer entsprechend überkandidelten Kopfbedeckung, die mit einem Dutzend roter Kameralampen sprichwörtlich überladen aussieht.

Die Hintergründe des Psychopathen leuchten rasch ein, zur Verdeutlichung werden noch kurze Flashbacks untergebracht und umso mehr ärgern irrationale und widersprüchliche Verhaltensweisen der Opfer. Immerhin agiert Brad einstweilen charmant, dann wieder streng und unterstreicht damit die Unberechenbarkeit seines Handelns. Dass es in seinem Domizil zu sexuellen Übergriffen kommt, wird lediglich angedeutet, was weniger tragisch wäre, wenn die Konsequenzen für die Opfer etwas deutlicher in den Vordergrund gerückt würden. Nicht alles lässt sich unter dem Deckmantel einer Gehirnwäsche verharmlosen.

Zuweilen erinnert das Treiben an Cheerleadingploitation, wie es in den 80ern Brauch war, um die potenzielle Opfergruppe des klassischen Slashers hervorzuheben. Das gerät immerhin ein wenig blutig mit Messerstichen, Kehlenschnitt und einer entzündeten Fleischwunde und zuletzt auch ein wenig garstig, als der Kreis mit einer letzten Einstellung zu schließen geneigt ist. Performt wird das Prozedere solide, handwerklich ist nichts zu bemäkeln, der simpel gestrickten Story mangelt es jedoch an Ecken und Kanten, zumal der ganz widerwärtige, mitreißende Terror ausbleibt. Dennoch annehmbar für zwischendurch.
5,5 von 10

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