Review

GODZILLA  No. 8

FRANKENSTEINS MONSTER JAGEN GODZILLAS SOHN

(KAIJÛTÔ NO KESSEN: GOJIRA NO MUSUKO)

Jun Fukuda, Japan 1967

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!

Und weiter geht’s mit den Godzilla-Filmen der Tōhō Kabushiki Kaisha. Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn (im Original Kaijûtô no kessen: Gojira no musuko, auf Deutsch also grob über den Daumen gepeilt „Entscheidungsschlacht auf der Monsterinsel: Godzillas Sohn“) ist der achte Film ihrer Reihe – und damit der erste echte Hardcore-Shōwa-Schotter. Warum das so ist, verrät bereits der Titel beziehungsweise der Teil des Titels, der uns nicht schon wieder etwas von einem gewissen „Frankenstein“ erzählen will: Wir erleben hier im wahrsten Sinne des Wortes die Geburtsstunde eines der befremdendsten, erbärmlichsten und, vorsichtig ausgedrückt, unpopulärsten Monster nicht nur des konkreten Godzilla-Universums, sondern der gesamten Kaijū-Eiga-Geschichte. Es ist „Minilla“ – Godzillas Sohn eben, ferner bekannt als „Minya“ oder „Minira“, mit dessen Aufkreuzen auch für die Zukunft (sprich bis in die Heisei-Ära hinein) Unfug der infantilsten Sorte Tür und Tor geöffnet wurden. (In späteren Jahren sehen wir Godzilla-Nachwuchs auch noch in anderen Entwicklungsstufen: „Baby Godzilla“ in Godzilla vs. Mechagodzilla, „Little Godzilla“ in Godzilla vs. Spacegodzilla und „Godzilla Junior“ in Godzilla vs. Destoroyah). Darauf kann man nun natürlich auf die eine oder die andere Art reagieren – ich selbst habe Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn vor grob geschätzt zehn Jahren das letzte Mal gesehen und hatte als Trash-Liebhaber sehr wohl meine Freude an diesem Streifen. Ich bin zudem jemand, der sogar dem unsäglichen Godzilla’s Revenge eine vergnügliche Zeit abringen konnte – von daher hatte ich hier keine Berührungsängste. Im Gegenteil. Fangen wir an:

In einer kurzen Pre-Credit-Sequenz begegnen ein paar Fischer während eines wilden Sturms Godzilla, der mies gelaunt im Meer herumsteht, aber bald abzieht und friedlich bleibt. Schnitt. Zu verstörend fröhlicher Musik laufen die Opening Credits.

Nun geht es richtig los – wir befinden uns auf der Pazifikinsel „Sollgel“, wo ein etwa zehnköpfiges Forscherteam unter Leitung des grummeligen Dr. Kusumi etwas für die Zukunft der Menschheit tun will: Ein geheimes, in mittlerweile dreimonatiger Arbeit vorbereitetes Experiment soll Aufschluss darüber geben, ob und inwieweit man bereits das Wetter beeinflussen kann. Kurz vor dem Tag der Wahrheit schneit allerdings der Fotoreporter Goro Maki per Fallschirm vom Himmel, dem zu Ohren gekommen ist, dass auf der Insel irgendetwas Interessantes vorgeht, und darüber möchte er nun berichten. Als hartnäckiger Journalist lässt er sich von nichts und niemandem abwimmeln und besteht auf eine zukünftige Vor-Ort-Anwesenheit. Irgendwann ist selbst Dr. Kusumi der Abwimmelversuche müde und gestattet Goro, das Team bei der Arbeit zu begleiten, wenn er sich gleichzeitig als Mädchen für alles, also bei der Erledigung niederer und lästiger Tätigkeiten (Wäsche waschen, Essen kochen, Geschirr spülen ...) nützlich machen würde. So soll es dann auch sein – der Deal steht. 

Goro macht sich also nützlich und findet auch noch Zeit für ein paar Inselerkundungsspaziergänge. Auf einer dieser Wanderungen sieht er eine junge Frau in einem See baden, die aber sofort spurlos verschwindet, als sie ihn entdeckt hat. Die Forscher wollen indes nichts von einer solchen Begegnung wissen – die Insel sei gründlich untersucht worden und unbewohnt. Allerlei Getier gibt es aber sehr wohl, darunter auch eine Zwei-Meter-Gottesanbeterin, die eines Abends mit grell leuchtenden Augen am Waldrand vor dem Lager auftaucht und etwas Stunk machen will. Die Forscher kennen sie aber schon und treiben sie mit ein paar Gewehrschüssen routiniert zurück in die Wildnis.

Dann aber ist es so weit: Der Tag der Wahrheit bricht an und das Wetterexperiment wird ohne Rücksicht auf eine möglicherweise in Inselseen badende junge Frau gestartet. Wie es sich aber im Genrefilm gehört, geht das Experiment schief: Der ausgesendete „Gefrierballon“ explodiert aufgrund einer merkwürdigen atmosphärischen Störung und ruft damit eine Katastrophe hervor. Zunächst tobt ein fürchterlicher und sengend heißer „radioaktiver Sturm“, der die halbe Insel röstet, und anschließend wird dieselbe von schweren Regenfällen und flutartigen Überschwemmungen heimgesucht. Erst nach vier Tagen beruhigt sich die Lage. 

Die Forscher beginnen mit dem Aufräumen und schauen sich ein wenig auf der Insel um, wobei sie eine beunruhigende Entdeckung machen: Aus der Zwei-Meter-Gottesanbeterin ist (durch eine radioaktiv initiierte Blitz-Mutation ...) eine Dreißig-Meter-Gottesanbeterin geworden. Zudem gibt es nicht nur eine Dreißig-Meter-Gottesanbeterin, sondern drei Dreißig-Meter-Gottesanbeterinnen. (Die Größenverhältnisse zwischen den Monstern wie auch zwischen Monstern und Menschen stimmen in diesem Film allerdings vorn und hinten nicht, weshalb es auch Fünfundzwanzig-Meter- oder Achtzehn-Meter-fünfzig-Gottesanbeterinnen sein könnten.) Die Männer entscheiden sich erst einmal für den Rückzug und Dr. Kusumi kommentiert die entgleiste Fauna mit den Worten: „Das müssen Frankensteins Ungeheuer sein, die sich hier herumtreiben!“, womit die vorliegende Synchronfassung ihrer Verpflichtung gegenüber dem dämlichen bundesdeutschen Filmtitel gerecht geworden ist. 

Während die Forscher nun ein weiteres Wetterexperiment vorbereiten (die vorhandenen Schäden scheinen noch nicht auszureichen), behalten sie die schauerlichen Kreaturen sicherheitshalber immer im Auge und werden so Zeugen eines filmhistorisch überaus bedeutsamen Vorgangs: Die Gottesanbeterinnen graben ein großes Ei aus einem Erdhügel und hacken so lange mit den Greifarmen auf ihm herum, bis die Schale bricht und ... und ... Godzillas Sohn zum Vorschein kommt! Viel mehr als zum Vorschein zu kommen bringt er allerdings noch nicht zustande – er wälzt sich (unfassbar bescheuert getrickst) auf dem Boden herum und muss zulassen, dass die Gottesanbeterinnen, die übrigens „Kamakiras“ genannt werden (international ist „Kamacuras“ oder auch „Gimantis“ gebräuchlich, Singular und Plural sind vermutlich bei allen Namen identisch), ohne Unterlass auf ihn einhacken. So wird es schon bald höchste Zeit, dass sich ein Erziehungsberechtigter des Monsterbabys einschaltet, und ja ... Auftritt Godzilla! Der Große Grüne (oder die Große Grüne ... immerhin, es gibt ein Ei) taucht schwungvoll aus dem Meer auf, zertrampelt en passant die gesamte Forschungsstation und nimmt sich dann die fiesen Kamakiras vor, die noch immer nicht daran denken, von seinem Sohn abzulassen (gehen wir bis zur Vorlage von Gegenbeweisen einmal davon aus, dass Godzilla männlichen Geschlechts ist und tatsächlich eine zumindest entfernte verwandtschaftliche Beziehung zwischen ihm und dem Elend, das da aus dem Ei zum Vorschein kam, besteht). Zwei der Kamakiras werden zunächst mit gekonnten Judo-Würfen zu Boden geschleudert und anschließend per Hitzestrahl abgefackelt, während Nummer drei die bestehenden Kräfteverhältnisse richtig einschätzt und mit der gebotenen Eile das Weite sucht. Godzilla trabt auch erst einmal davon und lässt seinen Nachwuchs Nachwuchs sein.

Aber es gibt ja noch die junge Frau, die Goro eingangs gesehen hatte. Die freundet sich nun mit dem weiterhin sehr unbeholfenen Gummimonsterbaby an und füttert es mit gelben Riesenfrüchten. Kurz darauf trifft sie auf Goro, der sich während ihrer Abwesenheit in die Höhle verirrt hat, die ihr als Wohnung dient. Zu Goros Überraschung spricht die junge Frau Japanisch und stellt sich als Reiko (in anderen Fassungen auch „Riko“ oder „Saeko“) vor, Tochter des vor sieben Jahren verstorbenen Archäologen Matsumiya, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf der Insel vergessen worden war (!). Goro nimmt seine neue Freundin mit zu den Forschern, die sich gerade um den Wiederaufbau ihres Camps bemühen. Das können sie nun aber sein lassen, denn angesichts einer noch immer hungrig herumstreunenden Dreißig-Meter-Gottesanbeterin hält man es für sicherer, in Reikos geräumige Höhle umzuziehen. 

Das tut man dann auch – um dort mehrheitlich schwer krank zu werden, denn die meisten Mitglieder des Forscherteams bekommen von einer Sekunde auf die andere hohes Fieber. Es steht schlecht um sie, aber Reiko weiß Rat: Am anderen Ende der Insel würde es das „heiße rote Wasser“ geben, mit dem man die Krankheit bekämpfen könne. Allerdings sei der Weg dorthin gefährlich, weil man an der Riesenspinne „Spiega“ vorbei müsse. Reiko und Goro versuchen es dennoch und haben Glück – die Spinne schläft. Die beiden können ein paar Liter heißes rotes Wasser abfüllen und auf ihrem Rückweg sogar noch beobachten, wie Godzilla seinem Sohn das Erzeugen des arteigenen Atom-Atemstrahls beibringt. Kurz darauf attackiert jedoch die verbliebene Dreißig-Meter-Gottesanbeterin den Godzilla-Nachwuchs, und von dem Tumult, der dabei entsteht, erwacht nun auch Spiega und beginnt zu nerven. Zunächst bringt sie Reiko und Goro in Bedrängnis, aber die beiden haben wieder Glück und können durch eine Felsspalte entkommen. Wenig später greift die Spinne Reikos Höhle an und spinnt dort den Eingang zu, um sich hernach auf dem Gelände über der Höhle mit den anderen Monstern anzulegen. Dadurch beginnt die Decke der Höhle einzustürzen, wodurch die Lage für die eingesperrten Forscher immer bedrohlicher wird. Aber Reiko weiß auch hier Rat: Die Höhle hat noch einen zweiten Ausgang. Das ist schon mal die halbe Rettung, und zusätzlich setzt Dr. Kusumi noch einmal auf ein kleines Wetterexperiment, um die aufgebrachten Monster abzukühlen. Bei deren Gerangel stehen die Dinge inzwischen gut für Spiega, die sowohl die verbliebene Gottesanbeterin als auch den weitgehend hilflosen Godzilla-Sprössling schon fast bis zur Bewegungsunfähigkeit eingesponnen hat. Erneut muss sich Godzilla persönlich einmischen – mit Erfolg, denn zu guter Letzt können er und sein Sohn die garstige Riesenspinne gemeinsam mit ihren Hitzestrahlen in Flammen aufgehen lassen (die oder der Kamakiras ist zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr am Leben). Kurz darauf gelingt erstens das Wetterexperiment der Forscher und zweitens deren Flucht: Während sie von einem U-Boot abgeholt werden (man hatte sie beziehungsweise ihre Funksprüche auf dem Festland bereits vermisst), bricht für Godzilla und seinen Sohn der Winter an. Aber die beiden hätten jetzt ohnehin mit ihrem Winterschlaf begonnen, und so können sie sich eng umschlungen in aller Ruhe einschneien lassen ...

Ein rührendes Schlussbild. Das Problem daran ist, dass die meisten Zuschauer einen Godzilla-Film nicht anschauen, um sich von rührenden Schlussbildern rühren zu lassen, und erst recht nicht, um eine alberne und kitschige Gummimonster-Vater-Kind-Geschichte zu verfolgen. Dass ihnen genau diese hier zugemutet wird, hat freilich Gründe: Während Tōhōs Monsterfilme beim Publikum nicht mehr wie gewünscht zünden wollten, konnte sich die Konkurrenzfirma Daiei mit ihrer Riesenschildkröte Gamera bei einem sehr jungen Publikum beliebt machen (obwohl Gameras endgültige Transformation zum Kinderfreund beziehungsweise zur Kinderfreundin mit Gamera vs. Gaos auch erst im Jahr 1967 erfolgte), und das hatte man bei Tōhō nun auch im Visier. Für die erwachsenen Freunde Godzillas brachen damit allerdings harte Zeiten an ... wobei: Im Prinzip hatten die ja mit diversen Felsbrocken-Spielereien der Monster in den drei Vorgängerfilmen schon vorsichtig begonnen. In Jun Fukudas hiesiger Arbeit wird der Absturz der Godzilla-Serie ins Infantile nur endgültig vollzogen. Das aber mit Verve und ohne Rücksicht auf Verluste: Die Geburts-Szene, in der Godzillas Sohn sein Ei verlässt, spottet derart jeder Beschreibung, dass sich niemand eine Vorstellung von ihr machen kann, der sie nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Das gilt aber auch für die weiteren Auftritte des „Kleinen“, den ich in der Folge Minilla nennen will, weil dies im deutschen Sprachraum so üblich ist (wobei hier in den Dialogen niemals ein Name genannt wird – im Original heißt es „Minira“ und international hat sich „Minya“ durchgesetzt): Allein sein unsäglich beklopptes Gummikostüm sorgt dafür, dass hier kein Auge mehr trocken bleibt. 

Die entscheidende Frage ist nun, ob man vor Schmerzen oder vor Lachen Tränen vergießt ... Wenn man Ersteres tut, dann sollte das wenigstens nicht allzu zu lange dauern, denn für diejenigen, die unter Minillas Gegenwart leiden und die Sache nicht mit Humor nehmen können, ist Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn schlichtweg nicht ansehbar. Punkt. Aber sogar erfahrene Trash-Fans stehen hier vor einer veritablen Herausforderung – ich selbst musste bei der Erstsichtung ziemlich lange schlucken, bis ich eine gesicherte Position zu dem unglaublichen Treiben gefunden hatte, das sich da auf dem Bildschirm abspielte. Jetzt aber, wohl wissend, was auf mich zukommt, konnte ich mich Fukudas zweitem Kaijū Eiga ganz entspannt widmen und bin vor Lachen fast vom Sofa gekullert ... wobei ich mich dennoch darüber wundern durfte, wie weit die Realität meine Erinnerung an diesen Film übertraf. Mit anderen Worten: Auf Minilla ist man niemals ausreichend vorbereitet. Vor allem das tricktechnisch haarsträubend unbeholfene „Krabbeln“ in den ersten Minuten seines Leinwandlebens ist ein Jahrhundertbrüller – obwohl Minillas Arme und Beine sinnlos in der Luft herumrudern, gleitet er vorwärts, als wäre ein Magnet oder ein Stock unter seinem Bauch, mit dem er gezogen wird. Unfassbar – ich rutsche selbst jetzt noch fast von Stuhl, wenn ich daran denke. Neben dem unfreiwilligen gibt es aber auch noch intendierten Humor (die berühmte Rauchkringel-Sequenz, in der Minilla den Einsatz des Atemstrahls erlernen muss, sein „Seilhüpfen“ über des Vaters Schwanz und einiges mehr), und mitunter verschwimmen auch die Grenzen zwischen beidem. Wie man allerdings das erbärmliche „Qua-Qua!“ einordnen soll, das Minilla des Öfteren von sich gibt, weiß ich selbst nicht – damit werden Gefilde erreicht, in denen man den Tatsachen selbst mit größtem Wohlwollen hilflos gegenübersteht und sogar Ramschrezeptionsrezeptoren ausfallen, die normalerweise zuverlässig arbeiten. 

Bei alledem mutet es geradezu absurd an, dass zumindest meine DVD von Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn mit einer 16er-Freigabe daherkommt (ohne dass dafür irgendwelche Trailer im Bonusmaterial verantwortlich sind) – die schließt nämlich die bei Weitem wichtigste Zielgruppe des Films aus. Ich bin mir nicht sicher, ob inzwischen eine Neuprüfung vorgenommen wurde, aber wenn diese Einstufung noch immer bestehen sollte, dann könnte es nur mit den je nach Empfinden des Betrachters mehr oder weniger furchterregenden Monstern zu tun haben, die hier aufkreuzen – womit natürlich nicht Minilla (...) und der in diesem Fall besonders lächerliche Godzilla gemeint sind, sondern die Gottesanbeterinnen und die Riesenspinne Spiega. Zumindest die Letztgenannte könnte für kleinere Zuschauer dann doch eine Nummer zu gruselig sein, vor allem wenn sie mit ihrem Stachel in Höhlen und Felsspalten herumwühlt, um Menschen totzuspießen. In Sachen Zielgruppenzuordnung fehlt dem Streifen somit ein wenig die Balance, aber das ist in Japan nichts Ungewöhnliches. Nichtsdestotrotz ist es natürlich schön, dass es diese neuen Monster gibt, und noch schöner ist, dass sie auch genügend Zeit bekommen, um sich auf der Leinwand oder dem Bildschirm auszutoben (auch wenn dieses Herumgetobe wieder nur in der offenen Landschaft stattfindet): Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn dürfte den bis dahin höchsten Monster-Mensch-Koeffizienten der gesamten Reihe haben (meiner Schätzung nach sollte er zwischen 0.3 und 0.4 liegen, und das ist wirklich gut – die Frage bleibt allerdings, ob man Minilla als Monster werten will ...). 

Erfreulich ist weiterhin (eigentlich schlimm, dass man so etwas erwähnen und würdigen muss), dass die Monsterszenen allesamt echt sind, also für diesen Film gedreht und nicht aus diversen anderen Kaijū Eiga recycelt wurden. Im Übrigen ist der Streifen auch auf seiner „menschlichen Ebene“ sehr angenehm – den hier mitwirkenden Leuten schaut man gern zu, und die von Kazue Shiba und selbstredend Shin‘ichi Sekizawa ersonnene Geschichte rund um das Wetterexperiment ist bis auf einige Details (wie den arg unbekümmerten Umgang mit radioaktiver Strahlung) auch nicht blöder als der Kram, den man später nur allzu oft im Katastrophenfilm-Genre zu sehen bekam und noch immer zu sehen bekommt (allein bei Cinetel und Asylum hat man schon ungezählte Wetterexperimente deutlich hanebüchener schief gehen lassen). Und nicht zuletzt wird man hier vor den ganz großen Unsitten (außer Minilla ...) bewahrt, derer sich die Godzilla-Reihe so gern bedient – wie irgendwelche endlosen und sinnfreien Eingeborenenzeremonien oder (schon mal mit Blick in die Zukunft) neunmalkluge Kinder und Telepathie-Tinnef. Das sollte man wirklich zu schätzen wissen.

Optisch macht Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn einen durchwachsenen Eindruck. Der Streifen sollte wie gewohnt im Tohoscope-Format daherkommen, tut dies aber selbst bei meiner „Kaiju Classics“-Edel-Edition von Anolis nicht: Das tatsächlich abgebildete Format beträgt ungefähr 2.18:1, und auch wenn es erbsenzählerisch anmuten mag, sich um so etwas zu scheren, habe ich die „falschen“ Abmessungen sofort bemerkt, zumal auch noch ein kleiner heller Streifen am rechten Bildrand zu sehen ist. Die Bildqualität selbst ist vermutlich so gut wie’s eben geht – grundsätzlich haben wir hier einen wunderbar hellen und farbenfrohen Film, aber die Bilder sind zum Teil schon sehr verschmutzt und weisen auch Laufstreifen auf, sodass man mitunter nicht weiß, ob man gerade die Drähte an den Monstermodellen oder Bildbeschädigungen sieht. Dass man beides eigentlich nicht sehen sollte, steht ohnehin auf einem anderen Blatt. Die Arbeit der Effektbastler wird derweil natürlich massiv von der tricktechnischen und gestalterischen Bankrotterklärung namens Minilla überschattet, und auch Godzilla selbst macht hier einen echt peinlichen Eindruck. Der Mosuko-Anzug, mit dem er sich ausschließlich im vorliegenden Film zeigt, ist in den Augen vieler Kenner der schlechteste der gesamten Serie, und ja, er ist in der Tat jämmerlich und eines Kultmonsters nicht würdig – wiewohl andererseits auch schon wieder ein Lacher für sich. 

Nicht übel sind indes die Gottesanbeterinnen, sprich „Kamakiras“ oder „Kamacuras“ oder „Gimantis“, die ausnahmsweise keine Darsteller beherbergen, sondern als Marionetten umgesetzt wurden. Das ist schon mal eine schöne Abwechslung. Zudem hat man sie sehr detailreich gestaltet, und da ihnen gelegentlich auch noch ein paar glaubwürdige Bewegungen gelingen, wirken sie insgesamt erstaunlich echt und sollten auch mit Blick auf den historischen Kontext keineswegs das Ziel von Spott und Häme sein: Wie von Jörg Buttgereit im Audiokommentar noch einmal hervorgehoben, gab es seinerzeit auch in Amerika beileibe keine besseren Trickeffekte (wobei Ray Harryhausen noch eingeordnet werden müsste – ich persönlich bin allerdings kein großer Fan der Stop-Motion-Technik). Lediglich wenn sie stocksteif durch die Gegend fliegen, sehen auch diese Kamakiras lächerlich aus, und ihre riesigen, mitunter allzu hell leuchtenden Augen gehören ebenfalls nicht gerade zu den Sternstunden des Monster-Designs. Ähnliches kann man zur Marionetten-Riesenspinne Spiega (auch „Spiga“, wobei international „Kumonga“ bevorzugt wird) sagen – sie hat ein paar höchst beeindruckende Szenen, vor denen man sich nur verneigen kann, genehmigt sich aber auch (im wahrsten Wortsinn!) ein paar kühne Fehltritte und leidet ferner unter dem bekannten Tōhō’schen Monsteraugenproblem, das heißt, ihre Augen sehen wie bei Mothra nach großen Plastik-Edelsteinen aus. Ziemlich daneben sind überdies die stark an Papierstreifen aus dem Reißwolf erinnernden Spinnfäden, mit denen sie eingangs gegen Reiko und Goro und anschließend gegen die von den Forschern bewohnte Höhle vorgeht. Später wird das (mehrheitlich unvollendete) Einspinnen ihrer Gegner wieder auf die von Mothras Larven bekannte Weise umgesetzt, und das sieht zuverlässig gut aus. (Um noch einmal auf den leidigen Namens-Zirkus zurückzukommen: Mit Blick auf den Ursprung des Films ist „Kumonga“ korrekt, abgeleitet von japanischen „kumo“ für „Spinne“, und bei den Gottesanbeterinnen kommt das hier verwendete „Kamakiras“ dem japanischen „kamakiri“ für „Gottesanbeterin“ oder „Mantis“ am nächsten.) Aber zurück zu den Spezialeffekten: Geradezu rührend sind wieder die Matte Paintings im Studio-Hintergrund, die uns weite pazifische Landschaften vorgaukeln sollen, während es beim Schneefall des finalen „Winters“ doch ein paar deutliche Reserven gibt. Vom eigentlich unvermeidlichen Spielzeug-Militärgerät wird der Große Grüne in diesem Film jedoch ausnahmsweise einmal nicht belästigt.

Die Darsteller machen wie gewohnt ihr Ding, ohne dabei Großtaten zeigen zu müssen. Es reicht indes auch vollkommen aus, dass sie hinreichend sympathisch daherkommen und sich niemand nennenswerte Ausrutscher leistet. In der (menschlichen) Hauptrolle des überwiegend gut gelaunten Fotoreporters Goro Maki gefällt Akira Kubo, der bereits als Erfinder Tetsuo in Befehl aus dem Dunkel zu sehen war, während Dr. Kusumi von Tadao Takashima verkörpert wird, den man als Pharmafirmenangestellten Sakurai aus King Kong vs. Godzilla kennen könnte. Den stellvertretenden Forschungsgruppenleiter Fujisaki verkörpert mit Akihiko Hirata ein weiterer bewährter Kaijū-Eiga-Mime, der zum Beispiel in Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer den fiesen „Red Bamboo“-Captain Yamoto gespielt hat und bereits im Ur-Godzilla als Dr. Serizawa zum Einsatz kam. Ein Wiedersehen gibt es zudem mit Yoshio Tsuchiya, seines Zeichens die „Nummer 1“ in Befehl aus dem Dunkel, der hier den psychisch angeschlagenen Forscher Furukawa gibt. Noch keinen Kontakt zu Godzilla hatte schließlich Reiko-Darstellerin Beverly Maeda (hier etwas natürlicher als Bibari Maeda creditiert), die unablässig dermaßen am Strahlen ist, dass man kaum umhinkommt, sie zu mögen. 

Denken wir aber auch an die Monster: Godzilla wird wieder von Haruo Nakajima zum Leben erweckt, wobei er diesmal Hilfe von Seiji Onaka und Yû Sekita bekommt, während sich als Minilla der kleinwüchsige „Little Man“ Machan abmühen muss. Der Score stammt zu guter Letzt erneut von Masaru Satô und ist noch weiter von den alten Akira-Ifukube-Klängen entfernt als bereits bei Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer – die Musik bleibt auch nach dem erwähnten fröhlichen Einstand durchweg beschwingt und heiter, meistert dankenswerterweise aber selbst Minillas Szenen ohne übertriebene Albernheiten. So wie sie ist, passt sie gut in diesen Film und sollte niemandem wehtun.

Der Film selbst jedoch dürfte so einigen wehtun – mit ihm vollzieht die Godzilla-Serie endgültig und erschreckend bewusst die Abkehr von den alten Tugenden und ihrer einstigen Bestimmung und wendet sich der kindlichen Kasperei zu: Aus Godzilla wird Infantilla. Um mit einem Umbruch dieses Ausmaßes und dem hauptsächlich daran schuldigen Riesenechsennachwuchs klar zu kommen, reicht bloße Toleranz und etwas Wohlwollen nicht mehr aus – hier muss man entweder als bedingungsloser Trash-Liebhaber antreten oder schlichtweg aussteigen. Ich für meinen Teil gehöre erklärtermaßen zum erstgenannten Personenkreis und hatte demnach keine Sorgen mit Jun Fukudas vorliegender Arbeit. Aber nicht nur das: Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn hat mir sogar noch besser gefallen als sämtliche Reihen-Vorgänger (wobei das natürlich zumindest beim Ur-Godzilla ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen ist). Der Streifen ist durchgehend hoch unterhaltsam, beinhaltet einige der bescheuertsten Bilder der Filmgeschichte und gibt sich in Sachen Monsterpräsenz beispielhaft großzügig. Kurz gesagt: Ein Fest.

Satte 8 von 10 Punkten aus der Sicht des Trash-Verehrers, ansonsten gnädige 5 von 10.

(02/24)




Details
Ähnliche Filme