Mit Starbesetzung an der Front und dem Publikumserfolg von The Inside Men im Rücken anvisierter Blockbuster aus Südkorea, der angesichts des Veröffentlichungsdatums Ende Januar gerade noch so das Glück hatte, einen Monat vor den ersten Lockdown-Maßnahmen des Landes in den Kinos zu starten und so noch die Kundschaft, wenn auch eingeschränkt etwa im Vergleich zum 'Vorgänger' und angesichts des Themas und der theoretischen Attraktivität mitzunehmen. Ein Spiel von 33 Mio. USD war dennoch drin, bei 4.7 Mio. gelösten Kinokarten, die man vor allem bis Anfang Februar schon verbuchen konnte; danach kam nichts mehr großartig hinzu und kurz darauf waren die Prioritäten des (nicht nur) einheimischen Volkes auf andere Dinge ausgerichtet. Hier als Erzählung aus der Historie, ein Blick vier Dekaden zurück und sowohl die Lebendigmachung einer vergangenen Zeit, auch vielleicht die einer Ära, und die Verfilmung des gleichnamigen Romans (von Kim Choong-Sik ab 1990 als Fortsetzungsreihe in der Tageszeitung Dong-a Ilbo veröffentlicht), beides die fiktive Bearbeitung einer wahren Geschichte, welche sich um den KCIA-Direktor Kim Jae-kyu und damit den heutigen National Intelligence Servie Südkoreas und damalige (bis 1981) Korean Central Intelligence Agency sowie dessen Ermordung des Präsidenten Park Chung-Hee dreht:
Herbst 1979. Geheimdienstchef Kim Kyoo-pyeong [ Lee Byung-hun ] wird von Präsident Park Chung-hee [ Lee Sung-min ] in die USA entsandt, um den 'Abtrünnigen' Park Yong-gak [ Kwak Do-won ], den früheren Leiter des südkoreanischen Geheimdienstes erst vor Enthüllungen an die Weltöffentlichkeit zu warnen und umzustimmen, und als dies scheitert, diesen ausschalten zu lassen. Kim, ein langjähriger Begleiter beider Männer beginnt ob seiner Loyalität zu zweifeln, was ihn nicht nur in den Augen von Kwak Sang-cheon [ Lee Hee-joon ] schwach erscheinen lässt.
Der Tod als Ende eines Lebens, hier als Beginn eines Filmes und als eine Komponente, die ihn von Anfang an begleitet und von dem er komplett durchzogen ist. Worum es geht, wird in einer knappen schriftlichen Einleitung als Hinweis bereitgehalten, dann das Attentat, dann der Sprung zurück und die Zeichnung des Weges dahin. 40 Tage Betrachtung einer Geschichte, die ihren Ursprung 18 Jahre zuvor nahm; wobei deutlich darauf hingewiesen wird, dass die Handlung aus Fakten inspiriert ist, sich aber kreative Freiheiten nimmt. Scripted Reality hier als Blockbuster des stillen Sterbens, nicht als preiswertes alltägliches, bevorzugt im Nachmittag versendetes Privatfernsehen.
40 Tage Detailliebe wird hier versucht, das Aufzeigen von Umständen und Motiven, von Interessen und deren Konflikte, die über die Landesgrenze reichen und sich auch am Ändern und grundlegend umgestalten sind. Involviert sind alle, nicht nur ein ganzes Land, sondern auch andere nationale Bündnispartner oder Feinde der Regierung. Eingangs spielt auch noch die globale Weltpolizei eine tragende Rolle, die Amerikaner als Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die Freiheit und Sicherheit im Gegenzug für Informationen und auch eine Aufklärung der Geschehnisse theoretisch weitab von ihrem Zuständigkeitsbereich verspricht. Territorien sind eigentlich abgegrenzt, werden aber immer wieder gebogen bis gebrochen, Zuständigkeiten sind bürokratisch festgelegt, unterliegen aber auch Ermessensfragen oder werden persönlich anders interpretiert. Ein Machtgefüge wird aufgezeigt, ein Spiel der politischen Belange, welches längst nicht mehr das einer Demokratie gehorcht, sondern nach 18 Jahren Auslebens und Nutzen der Möglichkeiten eine Selbständigkeit gewonnen hat und eine "Tragödie", eine Anmaßung, eine Bereicherung für sich selber und weniger für das Volk und ein Stehen über den Dingen bzw. zumindest ein Glauben des Stehens über den Dingen geworden ist.
Zeit- und Lokalkolorit spielen dabei eine tragende Rolle der Inszenierung, ein Bebildern von Ereignissen, die in Standaufnahmen teils wie alte Postkartenaufnahmen aussehen und wie das Manövrieren durch Kostüm und Kulisse; außerdem wird das Geschichtsbuch im Eilschritt durchblättert und politische Schwarten mit den Methoden eines (Polit)Thrillers auf Lesbarkeit getrimmt. Die Inszenierung ist gleichzeitig ruhig und durchaus auch großflächig gehalten, verzichtet nicht auf Außenaufnahmen und ikonischen Szenerien, hält sich aber öfters bis andauernd im Stillen und Privaten (des Büros, ein Privatleben selber wird niemals gezeigt) und gar intimen auf, ein Erzählen der Sachen, die hinter geschlossenen Türen und im Vier-Augen-Gespräch und dennoch eminent für Millionen Menschen passieren. Die Farben sind abgeblättert bis verblasst. Die Personen sind über die Zeit gewandelt und gleichzeitig festgefroren, Erinnerungen werden aufgetischt und geteilt, in früherem geschwelgt und vergangenes zum Besseren verklärt. So wie der Blick der Regie von heute auf ein Ereignis von vor vier Dekaden gehalten ist, rückwärtsgewandt, so sind auch die Figuren im Film selber im Präteritum verstrickt und auf zwanghaftes Bewahren einer sowieso gescheiterten Existenz fokussiert. Im langsamen Sterben, im Dahinsiechen, gefangen im eigenen Strudel werden Intrigen gehegt und Lügen gestreut, Verdächtigungen ausgesprochen und Drohungen mehr oder minder direkt impliziert. Oftmals kommen auch Schusswaffen zum Tragen, werden als Bestandteil der Kleidung fast gezeigt oder gezogen, zwischendurch fährt auch ein Panzer als Schutz vor den Präsidentenpalast; ohne Explosionen allerdings, die Handlung implodiert vielmehr.
Dabei ist die inklusive Rückblenden zum Bersten volle Geschichte weniger als ein Puzzle als vielmehr ein Gang den Brotkrumen nach, also verhältnismäßig überschaubar, nach aufeinander folgend und neue Entdeckungen und Ergebnisse einzeln betrachtend aufgelistet, wobei auch ein großer Anteil Spionageplot mitsamt Observation, Infiltration, Kollaboration und auch Unsicherheiten gegenüber den eigentlich eigenen Leuten und Paranoia hinzukommt, der Kalte Krieg wird hier nicht nach außen, sondern innerhalb des Landes mit Doppelspionage, Geheimorganisationen und selbst geheimen Organisationen innerhalb dieser Geheimorganisation geführt. Der Feind im eigenen Haus, teilweise hält sich der Film auch nur in den Büros auf und wirkt trotz allem Status wie unter Quarantäne und als isoliertes Bühnenstück. Das Porträt einer unerfüllten Liebe ist es zudem, ein andauerndes Demütigen trotz Dienens, und ein Verweigern der Ratschläge, ein Ausschließen aus dem inneren Kreis, dass den Man Standing Next hier zum Mörder werden lässt.