Episodenfilme zerfallen bekanntlich gerne in ihre Bestandteile und sind selten von durchgehend exquisitem Bouquet, selbst wenn einzelne Beiträge eine besondere Klasse erreichen. Bavas Kurzgeschichtensammlung von 1963 hatte gute Chancen, die berühmte Ausnahme von der Regel zu werden, bedenkt man die markante Bildsprache des Regisseurs und den Umstand, dass er alle drei Episoden selbst inszenierte, was heftige Stilbrüche wie beim Beispiel „Außergewöhnliche Geschichten“ (mit Fellini, Malle und Vardim) von vornherein unwahrscheinlicher macht.
Die erste Geschichte, „Das Telefon“ verhindert aber bereits eine Erfahrung „ wie aus einem Guss“. Die bekannten Stärken des Italieners deuten sich zwar an, reichen aber bei weitem nicht in die fiebrige Bildsprache hinein, die man von ihm gewohnt ist. Was sich in der Wohnung einer von Telefonterror geplagten Dame mit offenbar nicht ganz koscherem Hintergrund abspielt, kennt man in dieser Art von diversen Gialli, die sich der Drastik von Altmeistern wie Argento verwehren und eher dem biederen Thrill typischer Poliziottesci gesonnen sind – einer Ausdrucksform, die Bava, dem Meister der Farben und Beleuchtung, nicht besonders gut steht, auch wenn er mit unausgesprochenen Subtexten und dem Suspense einer uneingeweihten Protagonistin ein gewisses Maß an Spannung erzeugen kann. Dabei weist schmückendes Dekor unter den hohen Decken des ungewöhnlichen Altbaus durchaus auf den Regisseur hin, auch das in den Teufelsfarben schwarz und rot aus dem Bild stechende Telefon sorgt für Akzente und eine übergreifende Verknüpfung. Allerdings bleibt dieses erste „Gesicht der Furcht“ ein abstraktes; es steht noch nicht für die unaussprechliche Sage aus dem Reich des Übernatürlichen, die der schrill ausgeleuchtete Karloff als Moderator im Prolog mit Augenzwinkern ankündigt.
Ganz anders sieht es mit den anderen beiden Episoden aus. „Der Wurdalak“ geht schon aufgrund seiner Laufzeit und der ausholenden Narration als Herzstück durch und erhebt sich als Mittelstück zum besten Beitrag des Dreiteilers. Bava zieht nun endlich alle Register und macht die russische Fauna zum geisterhaften Ödland mit einer verzerrt ausgeleuchteten Hütte in ihrem Zentrum, die wie der Vorhof zu einer Hölle der Untoten erscheint. Moderator Karloff wird hier zum Hauptdarsteller transformiert und tauscht seinen ironisch-flapsigen Unterton gegen die wahrhaft beängstigende Darstellung einer Schauergestalt, bei der die vertrauten Züge eines Großvaters in etwas Monströses verzerrt werden. Mit Karloffs wirrem Haar, seinen tiefen Falten und dem leeren Ausdruck in seinen Augen stellt Bava Dinge an, die sich so schnell nicht mehr aus dem Kopf vertreiben lassen; die Einstellung, in der er mit dem Enkel in die Nacht hinausreitet und nur sein tot grinsendes Gesicht beleuchtet ist, brennt sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein, ebenso wie viele der malerischen Kulissen, die ebenso unheimliche Schatten werfen.
Die Abschlussepisode „Der Wassertropfen“ kommt weiterhin der im gleichen Jahr abgedrehten Schuld-und-Sühne-Erzählung „La Frusta E Il Corpo“ in Sachen Thematik und Stimmung noch am nächsten und ist an verstörender Wirkung selbst dem „Wurdalak“ noch überlegen, weil die Bedrohung aus dem Schattenreich direkt in die bodenständige Realität eingreift, die mit dem Diebstahl eines Ringes das Profane zum Aufhänger macht, derweil „Der Wurdalak“ noch bis zum Schopf in Mythologie versunken ist. Sie funktioniert hauptsächlich über die Präsentation einer grässlich entstellten und ebenso effektiv ausgeleuchteten Totenfratze, diesmal derjenigen einer verstorbenen alten Frau. Damit strebt „Drei Gesichter der Furcht“ am Ende doch noch zur Geschlossenheit und bindet zumindest die letzten beiden Teile unmittelbar, den ersten Teil nur indirekt. Inhaltlich erscheint das Triptychon ausbalanciert, inszenatorisch überrumpelt es mit einem irritierenden, im besten Fall aufreizenden Bruch. Hätte man „Das Telefon“ mit ähnlicher Ausrichtung umgesetzt, böte das Gesamtwerk zwar eine geringere stilistische Bandbreite, dafür aber eine beispiellose Homogenität.
Am Ende gleitet Karloff, während er immer noch in eingangs beschriebener Reiterfratze posiert, in die Rolle des Moderators zurück, derweil ein Zoom Out alles als Possenspiel entlarvt. Noch ein gewagter Bruch, diesmal durch die Vierte Wand, der den somit zum Spiel erklärten Inhalten jedoch nichts von ihrem Grusel nimmt.