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Nur einmal ergab es sich, dass Mario Bava einen Episodenfilm abdrehte, der zum Pendant der britischen Produktionsschmiede Amicus wurde, die mit Beiträgen wie „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ oder auch „Geschichten aus der Gruft“ recht atmosphärische Anthologien hervorbrachten. Die atmosphärische Dichte ist es letztlich auch, welche die eher durchschnittlich spannenden Geschichten merklich aufwertet.

Die erste Story dreht sich um Rosy (Michèle Mercier), die spät abends Drohanrufe von ihrem Ex erhält, der augenscheinlich aus dem Knast entflohen ist.
Das kammerspielartige Geschehen, welches stark an einen Giallo erinnert, findet ausschließlich in einem Apartment statt, benötigt jedoch nicht viel, um einigermaßen Suspense zu generieren. Eine überaus versierte Kamera und eine fast schon ironische Auflösung der Story runden den gelungenen Einstieg ab, in dem Mercier und Kollegin Lidia Alfonsi ein interessantes Gespann bilden.

Im etwas länger ausgefallenen Mittelteil ist Altmeister Boris Karloff in einer Rolle als Großvater zu sehen, der das Oberhaupt einer Bauernfamilie verkörpert und soeben von einer Reise zurückkehrt. Während dieser konnte er einen Wurdelak, einen Vampir zu Fall bringen, doch seine Familie ist sich unsicher, ob nicht auch er zu einem Blutsauger mutiert ist.
Karloff, mit fetter grauer Schminke und kleiner Lockenglomse auf dem Haupt wertet das Treiben merklich auf und unterstreicht, wie schwach und teils unbeholfen seine Mitstreiter agieren. Die Geschichte selbst zieht sich ein wenig, bringt aber eine tolle Gothic-Atmosphäre mit fantastischer Ausleuchtung, viel Nebel und grandios gestalteten Set-Designs ins Spiel. Immerhin ist die Auflösung konsequent.

Den Abschluss besorgt „Der Wassertropfen“, der sich auf auditiver Ebene gegen Ende immer stärker hervorhebt. Krankenschwester Helen wird zum soeben verstorbenen Medium Madame Perkins gerufen und stibitzt dabei einen Ring der Toten. Wieder zuhause angekommen, scheint sich der Geist der Verstorbenen über den Diebstahl zu echauffieren.
Hier ist mal Terror angesagt, wenn scheinbar kleine Sünden mit nervenaufreibenden Begebenheiten abgestraft werden. Die Totenfratze dürfte sich definitiv ins Gedächtnis des Betrachters einbrennen, auch das Timing ist effektiv. Allerdings performt Jacqueline Pierreux in der Hauptrolle etwas zu theatralisch, wogegen die Pointe kurz und knackig ausfällt.

Sofern man von einer Rahmenhandlung sprechen will, ist dies Aufgabe von Boris Karloff, der das Kinopublikum zunächst auf garstigen Horror einstimmt, während der Abspann im Studio mindestens einen Schmunzler zutage fördert.

Insgesamt sticht hier Bavas inszenatorisches Geschick deutlich hervor. Durch die zuweilen bunte Farbgebung erscheint das jeweilige Geschehen ein wenig surreal, das Spiel mit Licht und Schatten versteht er ebenso wie den versierten Umgang mit der Kamera und auch der Score fällt stimmungsvoll aus. Die Qualität der Geschichten schwankt indes und lässt nicht viel mehr als eine Wertung leicht oberhalb des Durchschnitts zu, Freunde älterer Episodenfilme können allerdings bedenkenlos zugreifen.
6 von 10

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