Review

<!--StartFragment -->Zwar hüpft schon vor dem Vorspann der High Grow Film Distributors Produktion ein Vampir aus dem dunklen Nichts direkt in die Kamera hinein, tauchen die eigentlichen Spezies dann allerdings erst eine Weile später und dann auch nur in Miniaturausgabe davon auf. Getreu dem Titel treiben hier keine Ausgewachsenen Exemplare des Chinesischen Blutsaugers ihr Unwesen, sondern wie weiland in der taiwanesischen Hello Dracula Reihe oder Aloha Little Vampire Story die Sprösslinge, die Nachkommen. Entsprechend dessen sind auch die menschlichen Opfer im Zielvisier diesmal keine ernst zunehmenden Gegner, sondern der entkoppelte Grundstock der intellektuellen Elite, der Terror der Modernisierung, namentlich Billy Lau, Sandra Ng, Amy Yip und Frankie Chan Chi-Leung.

Da allesamt über Bord gegangen und nach einer missglückten Kreuzfahrt zusammen mit fünf weiteren Mitstreitern auf einer scheinbar einsamen Insel gestrandet sind, entwickelt sich auch für den geneigten Zuschauer der Rückstau in ein Überbleibsel der Vor-Zivilisation. Aus dem ursprünglichen Ausflugsverkehr Erholungssuchender vor dem Alltag wird ein Survivaltrip in der unerforschten Natur, auf einem Ödland, ohne Überlebenshandbuch. Dass man die Geschichte in eine Nichtexistenz ohne feststellbaren Zeit und Raum und aus der Gesellschaft hinaus in einen weitgehend undefinierbaren Außenposten fern von Milieudominanz verlagert, kommt sowohl dem Budget des sichtlich nicht überdimensional proportionierten Werkes dabei ebenso zugute, wie man den Schleichweg für eine mal etwas andere Umgebung sonstiger Vorstellungen um und mit den Jumping Corpses nutzt:

Während des unfreiwilligen Landgangs entdecken "Nephew" [ William Cheng Wai-Ming ], "Sister" [ Daan Gwai-Chi ] und "Uncle" [ Wong Siu-Lung ] in der einzigen anwesenden Hütte sowohl ein merkwürdiges Büchlein mit Warnungen als auch die weiteren längst verstaubten Relikte eines einstmals japanischen Residuums. Als unter dem Schutt plötzlich auch ein Diamant gefunden und heimlich an sich genommen wird, erweckt man damit einen in die Mauern geketteten King of Ghost auf, der zur vollendeten Wiederbelebung das frische Menschenblut benötigt und fünf unfreie Vampirkinder mit der Beschaffung dessen beauftragt. Währenddessen wird Skinny [ Law Ching-Ho ] und seine Freundin [ Ngai Suet ] im unheildrohenden Gehölz von einer Schlange angegriffen.

Die sichtlich dünne Handlung um die übernatürlichen Wesen wird hierbei in mehrfacher Vermittlung mit einem Fluch angereichert, mit einer okkulten Besessenheit von Körper und Geist und der schwarzmagischen Staffage eines Voodoozaubers; die fortwährende Raffinierung des ein und desselben symbolischen Ausdrucks parapsychologischer Deutung, die jede gegenständliche Realität von vornherein verhindert.
Die undeutliche und auf jeden Fall auch unkultivierte Bekanntmachung ähnelt hierbei mehr einem verschwommenen Phantasiegebilde im Traumzustand als sonstig auch fiktiver Schaustellung. Die verschwommene Einsicht auf die Herkunft aller Figuren, ihre Schwäche und Abhängigkeit von höheren Kräften, die weitgehend leblose Buschwerknatur, der nicht vorhandene Organisationsplan, der sich gleichfalls auf die fehlende Ordnung und Übereinstimmung des interdisziplinären Drehbuchs niederschlagen lässt; all dies sorgt im indirekten Zusammenhang mit einer lange zurückliegenden WWII - Geschichte und dem direkten mit dämonologischen Sagen für einen gewissen eskapistischen Sog, im Versuch, einen verlorenen Zustand zurückzugewinnen. Eine reiselustige Freizeitgesellschaft, der die Möglichkeit einer weiteren Ortsveränderung genommen wurde, und die sich nun mit seinem Gegenüber beschäftigen muss, was rasch auch zu erwarteten Aversionen führt: "I'm scared, will you hold me ?" – "No, holding you, like holding a toilet bowl. You are stinker than my armpit."

Allmählich schauernd ist so weniger die gattungstypologische Einbringung der Vampire als Brauchrequisit oder somit auch nicht der Vorgang der Mystifizierung und Mythisierung in diesem entgrenzten Areal, sondern eher die Darstellung sozialer Verhältnisse, in der der Mensch angesichts einer zurückliegenden Katastrophe [das Schiffsunglück] und einer bevorstehenden Krise [die Verlorenheit in der Wildnis] in rationaler Amoral auf seine niedersten Triebe zurückfällt. Fressen und Ficken. Nahrung und Sex ! Die Humorversuche durch die Regisseure Lee Paak-Ling und den zumindest etwas, wenn auch nur geringfügig bekannteren Kenny Ha zielen bei der versammelten Truppe auch gerechterweise auf beiden Bedürfnissen zu gleichen Anteilen und zuweilen auch zur gleichen Zeit ab; da wird zur großen Freude der Umstehenden beim Früchte pflücken schon mal die Hose verloren, sich um die Frauen genauso zerstritten wie um die herangeschafften Lebensmitteln und fällt im Einzelbeispiel die Qual der Entscheidung zwischen Kokosnüssen und Brüsten den doppelt Ausgehungerten offenkundig schwer. Und da nach Elio Vittorini Vampirismus bedeudet, dass "ein Wesen einem anderen das Leben aussaugt: es schwätzt und schwätzt, es erkennt und verbraucht und schlägt sich den Bauch voll und singt" ist es nur stimmig, dass sich das Häuflein Mensch hier – sämtlichst verkörpert mit Feindbildern und Warnfiguren – nach all dem Gelage in einer ausfallenden Szene auch selber durch vergiftete Beeren vorübergehend in eine Art Ghul verwandelt.

Blutsinneslust wird dabei nicht bedient, und auch die Spezialeffekte des Dummlingsmärchens bleiben in der Ein- und Unterzahl, in auffallend längeren als üblicherweise nur auf den einzelnen Witz abzielenden Sketchen dar gebracht gelingt es den Beteiligten allerdings, trotz ihrer durchweg vorhandenen Taktlosigkeit im Spiel, eine abstoßende Penetranz oder anderweitig nervende Entgleisung zu vermeiden; etwas, das bei den anwesenden Humorgranaten wie die leider eng im Genre verflochteten Lau und Ng so selbstverständlich gar nicht ist.
Auch der Film selber ist ein Wiedergänger und Nachzehrer, in der definierenden Eigenschaft des Überarbeitens, auf der ständigen Flucht vor sich selbst, eingepfercht zwischen Baumbestand und Heidefläche, wo man zu mehr als einem Abschluss des Eingangssatzes – der Vampir, der in die Kamera hüpft – trotz aller Bemühungen auch nicht kommt.

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