Ein Reihum mit den Ausbruchs- und Ausdrucksversuchen im fernöstichen Martial Arts- und Actionfilm der asiatischen Länder abseits der Tigerstaaten geht es anscheinend, darf jedes Land einmal selber und wird dann die nächste Erprobung über die Grenzen zum Nachbarn und der nächste Kandidat mit seinen hoffentlich Groß- und Glanztaten zum globalen Test in die gestrenge Runde der Öffentlichkeit gelegt. Nach Indonesien mit den zwischenzeitlichen Spitzenreitern um Iko Uwais und Co., Vietnam mit Furie und The Foggy Mountain, Kambodscha mit Jailbreak und den Philippinen mit Buybust und Maria ist nun erstmals seit längerem wieder Malaysia am Start und an der Reihe, ist der vorliegende gelungene Wira mit seinen Eckdaten natürlich auch gleich vom Streaminggiganten und Abonnentenkraken Netflix aufgekauft und (im Bewusstsein der meisten Zuschauer wie die meisten anderen Titel nicht bloß) akquiriert (sondern auch produziert, was nicht stimmt, aber letztlich das Gelegenheits- und Bingepublikum sowieso nicht interessiert):
Nach mehreren Jahren Armeedienst kehrt der Soldat Hassan [ Hairul Azreen ] zu seinem Vater und seiner Schwester Zain [ Fify Azmi ] zurück, vornehmlich wegen Zain, die kurz zuvor einen getürkten Kampf gegen Vee [ Ismi Melinda ], der Tochter des lokalen Gangsterbosses Raja [ Dain Said ] verloren hat. Raja kontrolliert die ganze Gegend, wodurch er auch seinen besten Mann Ifrit [ Yayan Ruhian ] und dessen Gefolge, aber vor allem auch die ökonomische und soziale Situation nutzt, ist er doch der einzige große Arbeitgeber in der Nähe und gehört ihm auch der den meisten Arbeitern zur Verfügung stehende Wohnkomplex. Der örtliche Inspector Boon Hua [ Henley Hii ], ein Jugendfreund von Hassan, ist zwar durchaus an einer Beseitigung dieses Zustands interessiert, braucht für die illegalen Machenschaften von Raja aber erstmal stichhaltige Beweise, und bald benötigt er auch Hassan selber und dessen Kampfkünste.
Der Hauptdarsteller der Geschichte ist ein Mann, müssen oder dürfen eingangs aber die Damen der Schöpfung zur Sache und in den Ring gehen und in einem furiosen Catfight ran; ein wilder Kampf vor johlenden Publikum, in dem sich nichts geschenkt wird und mit Athletik, Kondition und Brutalität nicht gegeizt. Eine Gewinnerin steht lange nicht fest, wird emsig und heftig ausgeschenkt und auch eingesteckt, die Kamera immer dicht und dennoch übersichtlich dran an den Kombattanten und die Körperkunst jederzeit sichtbar und einsatzbereit. Gesiegt wird letztlich mit dem Einsatz aller zur Verfügung stehender Mittel, hier auch mal das Nutzen unfairer Methoden, zum Leben und Überleben, was sich letztlich durch den gesamten Film und seinem Einsatz von Stahlrohren, Macheten, Baseballschlägern bis hin zu Blumentöpfen als Schlag- und Hiebwaffen und Verlängerung der Fäuste so zieht.
Eine Rückkehr steht an, zurück zu den Wurzeln, sowohl vom Inhalt her, der als Antwort auf eine Schandtat gleich den Protagonisten von außerhalb, den ehemals Gegangenen und nun an die frühere Werkstätte wiederkehrenden Helden der Geschichte vorstellt, als auch von den Grundzügen der Handlung her, die die Traditionen bedient und die Konventionalität. Malaysia selber hat sogar Erfahrung mit dem Kampfsportkino, einzählig sicherlich, beginnend mit Kinta 1881 (2007) und fort folgend Werke von Michael Chuah wie Fist of Dragon (2011) und Syamsul Yusof mit dem KL Gangster Zweiteiler (2011 & 2013); dort wie hier wird das Subgenre nicht neu erfunden und sich nicht außerhalb der Regeln derlei Filme, sondern an bekannten Begebenheiten und über den Jahrzehnten geschaffenen und etablierten Gewissheiten, hier allerdings auch mit kenntnis- und effekt- und affektreicher Choreografie orientiert.
Der Ort selber, wo diese aufgewärmte und dennoch in guter alter Hausmannskost nahrhafte Geschichte spielt, ist eher ein Rattenloch, ein Wohnblock des Grauens, von Stacheldraht umzäunt, eine Geisterstadt, wie es der Protagonist bei der Ankunft nennt und uns erzählt, eine unruhige Ortschaft, in der überall die Konfrontation und die Aggression herrscht und schon zum Alltag und entsprechend auch im toten Blickwinkel der Gesetzeshüter gehört. Ein paar rudimentäre Bauten zum Wohnen in der Natur, davor das zerstörte und schon schwelende Fahrzeug, Eigentum und Privatsphäre und Sicherheit zählen hier nicht, nur das Recht des Stärkeren ist alles, auf was man hört. Ein Slum, ein Ghetto, auf illegalen Land gebaut, wo man vor sich hinsiecht und dem Tode näher ist als dem Leben, und wo man mangels Strom mit Kerzenschein die Wohnung füllt.
Eine (Kondom)Fabrik steht da in der Nähe, ein rostiges Monstrum, als Mittelpunkt des Ganzen und als Unheil allen Übels, die Höhle des Löwen quasi, die nach ca. einer halben Stunde auch zur ersten Demonstration des Könnens vom ehemaligen Taekwondo-Spezialisten Azreen und dies in einer längeren Plan- und One Shot Sequence über mehrere Ebenen und gegen mehrerer Angreifer führt; ein kleiner Appetizer, der schon etwas gestellt und gestelzt und eher durch kleinere Details wie ein plötzlich vorbeifliegendes Messer oder den Sprung herab aus luftigen Höhen und der Landung auf Zementsäcken wirkt. Dass die Geschichte eher slow-burning ist, eingangs oftmals mit Dialogen 'vorangetrieben' und auch familiär aufgeheizt ist, schadet aufgrund der durchaus sorgfältigen Behandlung und dem etwas mehr an Tiefe übrigens nicht; Regisseur und Ideenlieferant Teh, der zwar zuletzt den Militär-Aktionfilm Paskal gedreht hat, aber von der Komödie kommt, wirft sich hier schon mehr in die Bresche als andere Genrekollegen und konzentriert sich eingangs auf die Umstände und dann erst und daraus resultierend auf die brachialen Folgen und letalen Ergebnisse. Mittig gibt es einen Doppelkampf zweier Geschwister gegeneinander, den die Guten in der Geschichte zwar gewinnen, dies aber erst der Anfang vom Schrecken ist. Ein Messer-Massaker in einem vollbesetzten Minibus schließt sich an, bald wird das Haus mit seinen engen Treppen und verwinkelten Gängen zum Schlachtfeld erklärt.