Review

GODZILLA No. 11

FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELSMONSTER

(GOJIRA TAI HEDORA)

Yoshimitsu Banno, Japan 1971

Vorsicht – das folgende Review enthält SPOILER!

Und damit zum denkwürdigen elften Film der Tōhō-Godzilla-Reihe, der sowohl aus der Sicht des „Fachpublikums“ als auch meiner eigenen Kenntnis zufolge der absonderlichste Godzilla-Streifen ist und zudem von allen dämlichen deutschen „Frankenstein“-Titeln den allerdämlichsten führen muss – natürlich kämpft hier kein „Frankenstein“ (was für ein Quatsch!), und wenn er kämpfen würde, dann nur gegen das und nicht gegen die „Teufelsmonster“, denn in Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster gibt es neben Godzilla nur ein anderes Monster (obgleich dies am Ende infrage gestellt wird). So heißt der Film im Original auch ganz humorlos Gojira tai Hedora und wird international korrekt als Godzilla vs. Hedorah geführt (streiten wir uns nicht über das angehängte „h“) – auch der Alternativtitel Godzilla vs. the Smog Monster ist okay. Umso bemerkenswerter ist daher der Versuch, den idiotischen „Frankenstein“-Titel in der deutschen Synchronisation zu rechtfertigen. Als nämlich in einer Diskothek ... aber der Reihe nach:

Kaum ist der Vorspann, in dem eine junge Frau mit Kurzhaarfrisur zu psychedelischen Lichteffekten ein ziemlich scheußliches Lied trällert, vorüber, kommt der Schock: Die Umwelt ist im Eimer! Wir sehen Bilder von vollkommen zugemüllten „Gewässern“, in denen Citarum-mäßig gar kein Wasser mehr auszumachen ist, sondern nur noch herumschwappender Unrat. Highlights in dieser Brühe sind eine halb zerbrochene Schaufensterpuppe und eine kleine Standuhr, die uns (natürlich ...) symbolisch das letzte Stündlein schlägt. Die Umwelt war also schon vor über fünfzig Jahren im Eimer, und zwar den Bildern nach zu urteilen so sehr, dass es sie inzwischen gar nicht mehr geben dürfte. Sei’s drum – die Aufnahmen sind eindrucksvoll und wir haben ihre Botschaft verstanden. Es war nicht schwer. 

Nun aber zur Sache, sprich zur Kaijū-Eiga-Sache: Unser Held und Protagonist ist der Wissenschaftler Doktor Tori Yano (auch wenn er in der deutschen Synchro von seiner Frau mit „Yano“ angesprochen wird – ganz sattelfest war man hierbei nicht), wobei ... Eigentlich ist gar nicht er unser Protagonist, sondern sein etwa acht- bis zehnjähriger Sohn Ken (arrrgh – da haben wir’s wieder), aber als Erziehungsberechtigter darf der Doktor die Liste des Personals anführen. Diesem Toru Yano wird nun von einem Fischer ein seltsames, aus dem nahen Meer geborgenes Wesen überreicht – eine Art tiefschwarze, etwa fünfzehn Zentimeter lange Kaulquappe. Der Doktor untersucht sie ohne nennenswertes Ergebnis und will dann selbst einmal im Meer nach dem Rechten sehen, begleitet von seinem Sohn. Während er taucht und sich unter Wasser umschaut, springt etwas großes Braunes aus dem Wasser und über den am Strand wartenden Ken hinweg, dessen Hand es berührt. Mehr sehen wir nicht. Im Wasser ist jedoch kurzzeitig etwas mehr zu sehen: Doktor Yano begegnet einem seltsamen, großen, braunen und lebendigen Schlammklumpen mit riesigen, albern leuchtenden roten Augen, von dem er offenbar angegriffen wird – Näheres zu erkennen verhindert aber der nächste schnelle Schnitt.

Nun liegt Yano im Bett, weil er eine verätzte beziehungsweise mit Schleim überzogene rechte Gesichtshälfte hat – die Folge einer Berührung des rotäugigen Etwas. Auch Kens Hand wurde in Mitleidenschaft gezogen, aber so etwas steckt der Junge locker weg. Im Fernsehen laufen derweil Schreckensmeldungen über Schiffe, die von einem noch unbekannten Monster angegriffen und zerstört wurden. Als sich Yano einige Zeit später kurz vom Krankenlager erhebt und die Kaulquappe untersuchen will, ist diese versteinert oder hat sich besser gesagt in kristallisierten Kohlenstoff verwandelt. Der Doktor untersucht aber dennoch fleißig weiter, und als er zwei kleine Stückchen der Kohlenstoffquappe oder besser des Quappenkohlenstoffs in schmutziges Wasser wirft, werden sie wieder quicklebendig und vereinigen sich sogar zu einer größeren Quappe nunmehr unbekannter Beschaffenheit. Eigentlich ist damit aber schon alles klar: Es gibt ein Monster, das sein Dasein verdrecktem Wasser verdankt und sich gegebenenfalls, also mit genügend verdrecktem Wasser, vergrößern kann. Und da ohne jeden Zweifel, wir haben’s selbst gesehen, genügend verdrecktes Wasser zur Verfügung steht, stellt dieses Monster, das Ken spontan auf den von aller Welt ohne Gegenwehr akzeptierten Namen „Hydrox“ getauft hat, eine echte Bedrohung dar.

Ungeachtet dessen wird anderenorts fleißig gefeiert, und zwar in einer Disco, wo die Sängerin Miki gerade albern angemalt ein eher unerfreuliches Lied singt (vermutlich das aus dem Vorspann – ich wollte es um Himmels willen nicht überprüfen) und ein gewisser Yukio, der in der Folge warum auch immer der Familie des Doktors unter die Arme greift, in Ruhe seine Drogen konsumiert und den Tänzern Fischköpfe herbeihalluziniert (in welcher Beziehung er zu den Yanos steht, wird übrigens auch weiterhin unklar bleiben – Schwamm drüber). Wiederum anderenorts geschieht inzwischen jedoch etwas Aufregendes: Hedorah (nein, ich werde nicht den von einem Kind erfundenen Namen „Hydrox“ verwenden), eine Art grauer, mit Fransen behängter Riesenklumpen, der bei aller Unförmigkeit aber eindeutig auch Arme und Beine hat, ist zu einem nächtlichen Landgang angetreten, wälzt sich über ein paar Schornsteine und atmet tief und genüsslich den schwarzen Qualm ein, den sie reichlich ausstoßen. Ein friedliches und faszinierendes Bild. Mit dem Frieden ist es aber bald vorbei: Godzilla taucht auf – warum auch immer. Er liefert sich einen Kampf mit Hedorah und schleudert Letzteren (Letztere? Letzteres?) ein paarmal schwungvoll herum, sodass sich Schlammbatzen aus seiner grauen Masse lösen und kreuz und quer durch die Gegend fliegen. Ein paar davon treffen eine Runde Mahjong-Spieler, die daraufhin in Windeseile versterben, und etwas Schlamm fließt ferner in der genannten Diskothek die Treppe herunter, schaut sich kurz um und fließt dann wieder zurück. Panik bricht aus, und im Hintergrund hören wir (wohlgemerkt: beim Anblick von Schlamm, der die Treppe herunterfließt) einen der Anwesenden rufen: „Ein Teufelsmonster!“ Und ein weiterer ergänzt: „Frankensteins Teufelsmonster!“ (!) Da haben wir ihn also, unseren deutschen Filmtitel, wobei es in ihm eigentlich nicht um Frankensteins Teufelsmonster geht, sondern um Frankensteins Kampf gegen irgendwelche Teufelsmonster ... OmG.

Der Kampf zwischen Godzilla und Hedorah endet derweil remis, Hedorah verkrümelt sich ins Meer und Godzilla folgt ihm mit kühnem Sprung. Mehr als sinnlos das Wasser mit seinem atomaren Strahl zu, ähm ... bestrahlen fällt ihm aber auch nicht mehr ein. Die Klopperei hat allerdings Folgen: Die TV-Nachrichten werden später 35 Todesopfer vermelden. Tags darauf erhebt sich Doktor Yano kurz von seinem Krankenlager und untersucht noch einmal ein paar versteinerte oder besser verkohlenstoffte Hedorah-Stückchen und stellt fest, dass das Monster sein „Leben“ einer bestimmten mineralischen Substanz verdankt – es sei kristallisierter Kohlenstoff. Das hatten wir zwar schon (!), aber mehr scheint dem Skript hierzu nicht einzufallen. Dafür fällt Ken etwas ein: Er verkündet, dass er „schon einen Namen“ (man beachte das „schon“!) für diese Substanz hat, nämlich „Hydranium“. Und ja, auch dieser Name wird von aller Welt übernommen. Später ist Ken mit Yukio und Miki auf dem Rummelplatz, sieht in der Ferne eine grauenvoll getrickste kohlpechrabenschwarze Rückprojektions-Silhouette von Godzilla und rennt seinen beiden Begleitern erst einmal davon, um seinen Vater anzurufen und diesem mitzuteilen, dass er eine kohlpechrabenschwarze Rückprojektions-Silhouette von Godzilla gesehen hat. Eine lohnende Aktion – der Vater rät ihm, schnell nach Hause zu kommen ...

Indes naht echter Ärger: Hedorah kreuzt wieder auf, und nun fliegt endlich eine Ölraffinerie in die Luft – ein unabdingbarer Vorgang in jedem Godzilla-Film, der etwas auf sich hält. Dann aber setzt oder legt sich der Schlammklumpen Hedorah auf die Autos, die auf einer Straße herumstehen, und saugt sie gewissermaßen ein. Yukio und Miki, die (ohne den davongelaufenen Ken) in einem dieser Autos sitzen, können sich gerade noch retten. Wo Hedorah ist, kann freilich irgendwie auch Godzilla nicht weit weg sein, und so erscheint der Große Grüne und prügelt sich wieder eine Runde mit ihm (mit ihr?) – ohne nennenswerten Erfolg, denn das Schlammmonster verwandelt sich jetzt in seine dritte Entwicklungsstufe und fliegt in UFO-Form davon (Stufe eins waren die Kaulquappen). Wo es entlangfliegt, wächst jedoch kein Gras mehr – durch seine Schwefelsäure-Ausdünstungen werden zahlreiche Passanten binnen weniger Sekunden (und mit grausigen Trickeffekten) skelettiert. Das ist heftig, und die TV-Nachrichten vermelden im Anschluss 1.600 Tote und 30.000 Verletzte. Nun wird es wirklich Zeit, etwas zu unternehmen, und so muss sich Doktor Yano wieder kurz von seinem Krankenlager erheben und etwas forschen (ist er eigentlich der Einzige auf der Welt, der sich in dieser Sache betätigt?). Mehr als die (woher auch immer gewonnene) Erkenntnis, dass Hedorah mit Kernenergie (!!) fliegt, hat er allerdings nicht vorzuweisen. Aber wir haben ja Ken, der auf dem Heimweg nicht skelettiert wurde und natürlich weiß, was zu tun ist: Man müsse Hedorah einfach nur trocknen, auf dass er zu Kohlenstoff- respektive Hydranium-Staub zerfalle. Und gut. Schöner Einfall – und schon bald macht man sich unter Federführung des Militärs an den Bau eines Schlammmonstertrockners, bestehend aus zwei riesigen „Elektroden“-Wänden, zwischen denen eine Spannung von 3 Millionen Volt erzeugt werden soll.

Apropos Millionen: Yukio ist inzwischen völlig durchgeknallt – er hält das Weltende für unausweichlich und organisiert eine riesige „Abschiedsparty“ an den Hängen des Fujiyamas, zu der eine Million Gäste erscheinen sollen. Eine ungewisse Zahl von Tagen später startet die Party tatsächlich – nur mit der Million hat’s nicht ganz geklappt: Es sind kaum hundert Leute erschienen. Die lassen sich’s aber gut gehen, tanzen ums Lagerfeuer herum und singen nervige Lieder zur Gitarre. Neben Yukio sind auch Miki und der kleine Ken (was zum Geier hat der dort zu suchen??) mit von der Party-Partie. Die Feier wird jedoch recht schnell gestört, und zwar von Hedorah, der (die, das – betrachten wir das Monster im Folgenden einfach als maskulin) auf zwei Beinen angelaufen kommt. Der durchgeknallte Yukio knallt angesichts dessen noch mehr durch und bläst zum Angriff (!), gefolgt von den anderen Partygästen: Man bewirft den monströsen Störenfried mit Fackeln ... was für den Attackierten freilich kaum mehr als eine milde Belästigung darstellt. Er zeigt den lästigen Fackelwerfen daher auch gleich, wie ein richtiger Angriff aussieht – und tötet sie allesamt in Sekundenschnelle mit einem kurzen und knackigen Schwefelsäure-Hauch. Oder sagen wir fast allesamt, denn mindestens zwei Weltuntergangspartygäste kommen mit dem Leben davon, obwohl sie kaum fünf Meter neben den anderen herumstehen, und ja, es sind Miki (die’s eigentlich schon aufgrund ihrer scheußlichen Klamotten nicht verdient hat) und selbstredend Ken. Der ebenfalls aufkreuzende Godzilla und Hedorah prügeln sich dann ein weiteres Mal ohne klaren Sieger und das Militär bemüht sich ebenso fieber- wie stümperhaft um die Fertigstellung des Riesenschlammmonstertrockners. Als wissenschaftlicher Beistand erscheint nun auch Doktor Yano – samt Krankenlager, das vollständig im hinteren Teil seines Autos eingerichtet wurde (!). Er liegt also immer noch unter seiner Zudecke, während er das Militär berät und die Weltrettung überwacht (jetzt mal ernsthaft: Er hat eine verätzte Gesichtshälfte – das ist gewiss nicht schön, aber auf Lebenszeit ans Bett gefesselt sein sollte man dadurch nicht). Egal. Hedorah jedenfalls latscht sehr langsam auf das Gebiet zwischen den Riesen-Elektroden zu ... und die Armee-Elektriker kämpfen weiter mit allerlei Komplikationen bei der Stromerzeugung (so haben die Monster bei ihrem letzten Kampf ein paar Hochspannungsmasten umgerammelt). Tatsächlich schaffen sie es nicht, die Anlage rechtzeitig in Gang zu bringen ... aber wozu gibt’s Godzilla? Der feuert den Riesenschlammmonstertrockner ganz einfach mit seinem atomaren Atem an, als Hedorah im Zielgebiet steht – und schon wird das Schlammmonster zu Stein oder besser zu kristallisiertem Hydranium-Kohlenstoffstaub geröstet.

Schluss und vorbei? Noch lange nicht! Wirklich hart sind nämlich nicht alle Überreste von Hedorah. Als Godzilla an ihnen herumfummelt, greift er in eine glibberige Masse und holt ... zwei Eier hervor (Himmel, wo kommen auf einmal Eier beim „lebenden Mineral“ her??), die allerdings nicht mehr lange Eier sind, sondern vom Großen Grünen im Riesenschlammmonstertrockner zu Staub geröstet und dann in alle Winde verstreut werden (wonach vielleicht viele Körnchen in schmutzigem Wasser landen und ...). So.

Schluss und vorbei? Noch lange nicht! Aus Hedorahs matschig-kristallinen Überresten fliegt nämlich plötzlich ... Hedorah oder ein zweiter Hedorah oder ein neuer Hedorah hervor und macht sich (wortwörtlich) aus dem Staub! Aber nicht mit Godzilla, denn der setzt sofort hinterher ... und wie er das tut, ist wirklich denkwürdig und katapultiert Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster schon im Alleingang in die Geschichtsbücher des Trash-Kinos: Er wendet vermittelst seines nuklearen Atemstrahls das Rückstoßprinzip an und fliegt Hedorah rückwärts hinterher. Man muss das einfach gesehen haben, um’s glauben zu können – ehrlich. Natürlich kann er Hedorah beziehungsweise den neuen beziehungsweise den zweiten Hedorah auf diese Weise locker einholen und es kommt zum großen Abschlusskampf, den ... natürlich Godzilla für sich entscheidet, indem er den neuen oder zweiten Hedorah in den Riesenschlammmonstertrockner befördert, röstet und danach gründlich in kleine Kristallkohlenstoffeinzelteile zerlegt.

Schluss und vorbei? Fast, denn zum Abschluss fragt uns eine Schrifttafel: „Und der andere?“

Tja – ich weiß es auch nicht. Es wird wohl auch kaum ein anderer wissen, denn Yoshimitsu Bannos Plan, die Geschichte in Afrika fortzusetzen, konnte nicht verwirklicht werden: Der bewährte Godzilla-Produzent Tomoyuki Tanaka, der zur Drehzeit im Krankenhaus lag und bei seiner Entlassung vor vollendeten Tatsachen stand, war außer sich, als er Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster erstmals in voller Pracht zu Gesicht bekam und sorgte dafür, dass Yoshimitsu Banno nie wieder mit Regieaufgaben betraut wurde – weder für einen Godzilla- noch für einen anderen Spielfilm. Das ist traurig, weil Banno natürlich bescheinigt werden muss, dass er’s gut gemeint hat, aber man kann auch Tanaka verstehen, der seine schöne Godzilla-Reihe schwer beschädigt sah (dass sie gerade erst mit Godzilla: Attack All Monsters aka Godzilla‘s Revenge um ein Haar völlig exterminiert wurde, wäre natürlich auch zu bedenken gewesen). Tatsächlich erweist sich Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster als äußerst seltsamer, mitunter nachgerade bizarrer Film, der über die Hälfte seiner Laufzeit hinweg in einem wild wuchernden Gewirr aus Anliegen und Einfällen sowohl inhaltlicher als auch visueller Natur hin und her torkelt und dabei irgendwie alles, aber auch nichts ist. Zumindest kein „klassischer“ Kaijū Eiga. Was uns (der übrigens sehr sympathisch wirkende) Yoshimitsu Banno zuvorderst und nicht selten etwas zu aufdringlich um die Ohren haut, ist eine Öko-Botschaft. Grundsätzlich ist daran natürlich nichts auszusetzen, und es stimmt durchaus nachdenklich, wie aktuell das Thema Umweltverschmutzung schon vor über fünfzig Jahren war und mit welcher Ignoranz ihm seither von denen begegnet wurde, in deren Händen letztlich das Schicksal unserer Welt liegt. Banno findet in dieser Sache auch immer wieder sehr eindrückliche Bilder – mögen sie nun plakativ sein oder nicht: Die Schaufensterpuppe oder die Uhr im schwimmenden Unrat seien genannt, und ein Stillleben, das zahlreiche aus einem Nebelmeer herausragende Schornsteine zeigt, kann man sich eingerahmt an die Wand hängen. Sehr schön ist in diesem Zusammenhang auch die Sequenz, in der sich Hedorah am dichten schwarzen Qualm labt, der diversen Fabrikschloten entweicht. In die gleiche Kerbe, aber das schon auf echt irritierende Weise, schlagen vier oder fünf Zeichentrick-Einschübe, die ehrlich gesagt hier nicht hergehören und von Mal zu Mal sinnloser werden – das ist schlimm, wenn schon der erste kaum einen verwertbaren Sinn hat. Daneben kann Banno einen gewissen Hang zu, ähm ... alternativen Lebensentwürfen nicht verbergen – so erinnert er uns gern an die Hippiebewegung (die Lagerfeuer-Weltuntergangsparty, Mikis grausige Kleidung) und liefert einige krass psychedelisch visualisierte Szenen (die Disko und auch schon die Opening Credits). Auch hierbei kann man gut darüber streiten, inwieweit zum Beispiel halluzinierte Fischköpfe in einen Kaijū Eiga gehören. Darüber hinaus hören wir ein paar populärwissenschaftliche, für den Schulunterricht oder die Sendung mit der Maus geeignete Erklärungen und dürfen sogar bis in den Bereich der aufkeimenden Video-Kunst vordringen: Banno teilt das Bild innerhalb einer längeren Sequenz in bis zu 36 weitgehend verschiedene Einzelbilder auf, was schon nicht mehr der Splitscreen-Technik zugerechnet werden kann, sondern eher wie eine Installation für die documenta wirkt. In den Bereich der visuellen Zügellosigkeit Bannos fällt auch der Start in die Weltuntergangsparty – die entsprechende, ziemlich lange Sequenz präsentiert sich in reinen Sepiafarben, was zunächst auch erst einmal verwirrend ist.

Bei alledem müssen wir uns aber auch noch mit einem sehr jungen Semiprotagonisten herumplagen, womit nicht nur böse Erinnerungen an den Vorgängerfilm Godzilla: Attack All Monsters aka Godzilla‘s Revenge heraufbeschworen werden, sondern auch generell wieder das leidige Thema Kinderfreundlichkeit im Kaijū Eiga aufkreuzt. Es ist hierzu überliefert, dass der ausgeprägte Öko-Aspekt des vorliegenden Streifens in erster Linie Teruyoshi Nakano, dem Leiter der Tōhō’schen Trick-Abteilung (Special-Effects-Guru Eiji Tsuburaya war im Vorjahr verstorben), zu verdanken ist – Yoshimitsu Banno wollte sich angeblich noch deutlicher an eine sehr junge Zielgruppe wenden. Wer weiß, welcher Kelch da an uns vorübergegangen ist. Ungeachtet all dessen gibt sich Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster aber auch düster und hart: Die explizite Nennung von Opferzahlen war (und ist) im Kaijū Eiga eigentlich ein Tabu – wie überhaupt der Blick in diesem Genre sehr demonstrativ von den Leidtragenden vor allem innerstädtischer Riesenmonsterbalgereien abgewendet wird. (Und wenn doch einmal irgendein Autor daran gedacht hat, wird dem Zuschauer mitgeteilt, dass alle Einwohner rechtzeitig evakuiert wurden ... sehr witzig: Man evakuiere mal eben schnell Tokio, wenn plötzlich ein Riesenmonster um die Ecke kommt.) In dieser Beziehung ist Banno also durchaus humorlos, was auch die dahingeraffte Mahjong-Runde oder skelettierte Passanten unterstreichen. Dem gegenüber steht nun aber wieder vollendeter Schwachsinn wie Godzillas Rückstoß-Flugeinlage, die wirklich einzigartig ist – ich habe heute Nacht feststellen dürfen, dass man sie im Prinzip endlos oft ansehen kann und jedes Mal aufs Neue für ein Weilchen die Sprache verliert. Und wer möchte, darf sich sogar noch mit übersinnlichem Firlefanz beschäftigen – über die zwei- oder dreimal angedeutete telepathische Verbindung zwischen Godzilla und dem nervenden Ken will ich allerdings gar nicht nachdenken und stelle mich in diesem Punkt dumm. In einigen, nein, in vielen Punkten bleibt man hier freilich auch gezwungenermaßen dumm: Das von Yoshimitsu Banno persönlich und Takeshi Kimura (als Kaoru Mabuchi) verfasste Skript wirkt selbst im Kontext eines alten Riesenmonsterheulers erschreckend undurchdacht – Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster hangelt sich im Prinzip nur von einem riesigen Logikloch zum nächsten. Da geht selbst der ganze Kohlenstoffkristallisierungsquark als Kleinigkeit durch.

Dieses Desinteresse an einigen wichtigen Maßgaben der Autorentätigkeit zeigt sich auch beim Personal respektive der Figurenzeichnung. Allein wo Yukio herkommt oder wozu Miki gebraucht wird ... ach, lassen wir’s. Den neunmalklugen Ken und seine Heldentaten sollte man dem Skript allerdings sehr wohl übel nehmen – da darf es keine Gnade geben. Als Lacher für sich und unbeabsichtigter Running Gag geht derweil der missmutige Doktor Yano durch, der sich nicht nur von seinem achtjährigen Sohn vorführen lassen, sondern auch bis zum Ende das Bett hüten muss – und wenn’s im Kofferraum seines Autos ist ... Immerhin hat sich Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster nach gut der Hälfte seiner Laufzeit langsam ausgetobt und artikuliert sich hinreichend als Kaijū Eiga: Die letzte halbe Stunde gehört, und das ist zunächst zu würdigen, fast ausschließlich den beiden Monstern (ja, es bleiben nur zwei). Die bewegen sich freilich so behäbig (Hedorah) und geben sich so ausgiebig dem Posing hin (Godzilla), dass für ihre reinen Kloppereien auch die halbe Zeit gereicht hätte. Andererseits: Es ist natürlich zum Brüllen, Godzillas stark vermenschlichte „Mimik“ und Gestik zu beobachten (wenigstens in diesen Momenten lässt Banno etwas Humor erkennen), und Hedorahs Geschleiche, das durch den provozierend trägen Score noch langsamer wirkt, hat auch schon wieder etwas sehr Atmosphärisches, wenn nicht gar Kontemplatives. Ohnehin liegt eine ganz eigenwillige Stimmung über dem ganzen, des Nachts in einer schmuck- und endlosen Ödnis ausgetragenen Finale. Sonderbar ist das ... aber am sonderbarsten sind Riesenechsen, die vom eigenen Atem angetrieben rückwärts durch die Luft fliegen.

Visuell macht Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster derweil einen überaus unruhigen Eindruck. Die Bilder des vermeintlich im Tohoscope-Format vorliegenden Streifens können sehr schön sein, wenn sie wollen, aber sie wollen nur selten. Im Fall der Fische in Yanos Aquarium oder der Blumen in seiner Wohnung und auch während der Zeichentrick-Sequenzen sind sie gestochen scharf und farbenfroh, ansonsten jedoch wirken sie wie bei den Aktivitäten von Yukio und Miki eher ausgewaschen oder sind, und das betrifft die Mehrzahl von ihnen, von vornherein dazu verdammt, eher düster und dunkel auszusehen – wie in den zahlreichen nächtlichen oder die Umweltverseuchung illustrierenden Aufnahmen. Bei einigen Studio-Sequenzen mit den Monstern sind sie dabei auch schon mal richtig grieselig. Die Bildabmessungen stimmen indes zumindest bei meiner Einzel-DVD aus der „Kaiju Classics“-Reihe von Anolis nicht wirklich mit dem überall genannten 2.35:1-Format überein – ich habe etwa 2.52:1 vermessen. Seltsam, aber mir schien das Bild tatsächlich schon auf den ersten Blick noch breiter zu sein als gewohnt. Sei’s drum – an der Tricktechnik ändert das nichts, und auch in dieser Beziehung macht Bannos Arbeit leider keinen glücklichen Eindruck. Das beginnt schon bei den Monstern, wobei ich an Godzilla nicht herummäkeln möchte, denn er trägt hier wieder seinen Soshingeki-Anzug, der in Frankenstein und die Monster aus dem All eingeweiht wurde und zur fröhlichen Sorte gehört – ich für meinen Teil mag ihn. Aber Hedorah ... Oh je. Man muss sich ernsthaft fragen, was die Verantwortlichen geritten hat, den Zuschauern eine derartig verunglückte Kreatur vorzusetzen. Sicher ist es nicht leicht, sich für ein Schlammmonster eine ordentliche Umsetzung einfallen zu lassen, aber was hier entstanden ist, sieht in seinen besten Momenten bizarr und ansonsten wahlweise peinlich oder lächerlich aus – zum Beispiel wenn der fransenbehangene „Schlammklumpen“ vier Gliedmaßen offenbart und sogar auf zwei Beinen läuft. Der Gipfel sind aber die riesigen rot leuchtenden Augen mit Pupillen, die frappierend an durchgeschnittene Kiwis erinnern. Es ist davon auszugehen, dass sie furchterregend sein sollen, aber Furcht gehört ehrlich gesagt zum Letzten, was durch sie ausgelöst wird. Was aufgrund einer überdurchschnittlich häufigen Verwendung leider ebenfalls stark ins Gewicht fällt, sind jämmerliche Rückprojektionen, und die Lichteffekte, von denen beispielsweise Hedorahs Verwandlungen von der zweiten in die dritte Entwicklungsstufe und zurück begleitet werden, sind gleichfalls keine tricktechnischen Glanztaten. Immerhin geben sich ein paar Explosionen recht eindrucksvoll und ansatzweise sogar glaubwürdig, und wann immer es hier Qualmwolken gibt, dann sehen sie absolut echt, also groß und dicht und nicht nur wie Zigarettendampf im Studio aus. Insgesamt ist der Aufwand, der für Modellbauten (einschließlich der Landschaften) betrieben wurde, jedoch vergleichsweise gering ausgefallen, und die Spielzeugarmee durfte ganz zu Hause beziehungsweise in den Spielzeugkasernen bleiben.

Auch darstellerisch zeigt sich ein ziemlich trübes Bild – zuvorderst bei Akira Yamanouchi (unter dem Namen Akira Yamauchi creditiert) als Dr. Toru Yano, der ungefähr ab Minute zehn fast ausschließlich mit einem Kopfverband im Bett herumliegt und eine böse Miene zum bösen Spiel macht. Man möchte fast Beifall klatschen, wenn er sich einmal erhebt. Den „Vater“ des kleinen Ken kauft man ihm übrigens altersbedingt auch keine Sekunde lang ab. Diesen kleinen und neunmalklugen Ken spielt Hiroyuki Kawase, dem man persönlich im Prinzip nichts vorwerfen kann – dass er durchweg zuverlässig nervt, hat er seiner Rolle zu verdanken. Noch schlechter geschrieben ist die Rolle von Yukio, der einfach irgendwann da ist und für ein paar völlig nutzlose Szenen eingesetzt wird (die Disko, der Ausflug in den Vergnügungspark, die Weltuntergangsparty am Fujiyama – nichts davon hätte man gebraucht). Da passt es gut ins Bild, dass sein Darsteller Toshio Shiba durchweg lustlos und ebenfalls mies gelaunt wirkt. Noch weniger als ihn hätte man indes die von Keiko Mari verkörperte Miki gebraucht, die zweimal singen darf und ansonsten lediglich schauderhaft bekleidet und frisiert neben Yukio durch die Gegend latscht. Na ja, und das von ihr gesungene Lied ist zumindest mein Ding wahrlich nicht. Sorry. Die fünfte und letzte auch nur halbwegs nennenswerte Mitwirkende in einer Menschenrolle ist schließlich Toshie Kimura als Doktor Yanos Ehefrau Toshie (tatsächlich), deren Figur freilich so defensiv bleibt, dass auch sie genau genommen überflüssig ist. Dafür hat Toshie Kimura von allen Beteiligten die eindeutig angenehmste Ausstrahlung. Abschließend müssen natürlich noch zwingend die Monster-Darsteller gewürdigt werden: Kenpachirô Satsuma (warum auch immer als Kengo Nakayama geführt) steckt im bekloppten Hedorah-Kostüm und Godzilla wird verlässlich von Haruo Nakajima verkörpert, der zusätzlich auch noch zwei Minirollen als Passant und als Armee-Offizier hat. Der Score stammt zu guter Letzt selbstredend nicht von Akira Ifukube (seine Musik hätte hier herzlich wenig zu suchen), sondern von Riichirô Manabe und präsentiert sich abgesehen von der poppigen On-Music mit karg instrumentierten, mitunter heiteren, mitunter aber auch spröden und behäbigen Klängen, wobei Letztere wie schon erwähnt zumindest im Finale eine gewisse Wirkung hervorrufen können – ob’s die beabsichtigte ist, sei dahingestellt.

So bleibt ein fürwahr sehr merkwürdiger Kaijū Eiga, der nicht selten den Eindruck macht, dass er eigentlich gar kein Kaijū Eiga sein möchte, sondern sowohl inhaltlich als auch optisch und inszenatorisch eher progressivem Gedankengut zugeneigt ist – was unter dem Strich natürlich heftig mit der Tatsache kollidiert, dass die Zuschauer Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster eben doch ausschließlich als Monsterfilm wahrnehmen wollten und wollen. Als solcher ist der Streifen aber eher mäßig geraten und leidet nicht nur unter einem moderat misslungenen neuen Monster, sondern auch unter der idiotischen Postulierung von Heldentaten eines (ungefähr) Achtjährigen, sprich der Anbiederung an ein sehr junges Publikum – was sich freilich wiederum mit psychedelischen Momenten und im Schnellgang skelettierten Menschen beißt ... aber nun dreht sich’s im Kreis. Sagen wir es also kurzerhand anders: Hier passt nicht zusammen, was nicht zusammengehört. Dennoch oder eben genau deshalb habe ich diesen Film aber schon beim ersten Ansehen gemocht und mag ihn nach wie vor, denn gerade aus seinem ungezügelten Gestaltungswillen oder meinetwegen auch seiner Experimentierfreudigkeit und dem entwaffnend naiven Bemühen um das Vermitteln einer Botschaft erwächst doch ein ganz beträchtlicher Reiz – Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster ist ein immer wieder verblüffendes, kurzweiliges und dankenswerterweise auch des Öfteren wunderbar bescheuertes und trashiges Unikat. So es die Zukunft zulässt, werde ich diesen Film wiedersehen.

Gute 8 von 10 Punkten von mir als Freund des Bizarren, objektiv leicht aufgerundet 5 von 10 Punkten.

(02/24)




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