Review
von Leimbacher-Mario
Blutiger Bandsalat
Meine fünf liebsten Subgenres? Oder auch Guilty Pleasure-Kategorien? Slasher. Katastrophenfilme. Bodyhorror. Found Footage. Und Horroranthologien! Und wegen Letzterem ließ ich „Scare Package“ nicht lange warten - denn allein Poster, Trailer und Konzept machten mich heiss genug um Spiegeleier zu braten! In dem brandneuen Horrorkomödiensammelsurium folgen wir ein paar Nerds und Horrorfans in der wohl letzten Videothek der Welt, wo sie immer wieder Kassetten und Geschichten auspacken, die dann unsere kurzen, abwechslungsreichen Episoden bilden - und da ist von Slasherparodien über Werwolfaction bis zu durchgängigen Metakommentaren auf unser liebstes Genre fast alles mit dabei...
Normalerweise bewerte ich bei „Omnibushorror“ immer die einzelnen Kapitel bzw. Kurzfilme - hier ist das mir eher weniger möglich, scheint mir das kaum sinnvoll. Zu sehr verschwimmen hier die Linien, zu kurz, knackig und bizarr sind manche Einschübe, zu wichtig ist (im Gegensatz zu vielen anderen Filmen dieser Art) auch die Rahmenhandlung. Ich würde sogar sagen, sie ist die Pumpe der Sache, was an sich schon Alleinstellungsmerkmal genug wäre. Gerade wenn man sich die oft lieblosen Wrap Arounds anderer Anthologien anguckt. Doch die witzigen Fans und Freaks im Videoshop sind nicht die einzigen Pluspunkte, die „Scare Package“ sammelt. Insgesamt ganze sieben (!) Stories und Vignetten packt man in die 100 Minuten, das Tempo ist waghalsig und es reiht sich quasi ein Höhepunkt an den nächsten. Und selbst wenn einem mal eine Story nicht zusagt - kaum geblinzelt, wird diese schon gebrochen, gekippt oder es geht ganz woanders weiter. Das hat schon was und mir oft genug ein breites Grinsen ins Gesicht getrieben. Mit einer bierfesten Festivalmeute im Rücken wäre der Spaß sicher sogar noch größer gewesen. Vielleicht schlägt beispielsweise das Fantasy Filmfest ja noch zu. Passen würde es perfekt. Doch auch so ist „Scare Package“ ein tolles Paket. Von Fans, für Fans. Da kann man nicht meckern. Und wer es doch tut, sollte mal arg überlegen, ob ihm das Genre und junge Filmemacher und Fans wie wir, überhaupt (noch) am Herzen liegen.
Highlights: die extrem matschige Mischmaschepisode im Wald. Das lange Finale der Rahmenhandlung, dem eigentlichen Kern der Sache. Joe Bob Briggs Gastauftritt. Das auf die Spitze treiben und Verarschen etlicher Horrorklischees. Und die unzähligen handgemachten, super derben Splattereffekte. Ich sage nur: Schmelzmann!!!
Lowlights: manche Episoden waren einfach zu kurz oder höchstens nur angedacht. Der zu glatte Look und manche Schauspieler wirken doch arg dilettantisch - selbst wenn zumindest Letzteres zur Stimmung passt. Hätte mir eher einen Retrolook gewünscht.
Fazit: eine der spaßigeren und cheesigeren Horroranthologien aller Zeiten. Als ob „V/H/S“ auf „The Final Girls“ mit einem Schuss „Cabin In The Woods“ trifft. Rotzig, launig, nicht so flach, wie er zuerst den Eindruck macht. „Scare Package“ ist sicher nicht fehlerfrei und eher ein oberflächliches Snippet-Paket - hat aber dennoch ziemlich meine Bude gerockt!