Review

Wie wäre ein kleines Gruselpaket für den Feierabend?

Gern, aber bitte nicht zu verkopft.

Genau das ist aber das Problem mit „Scare Package“, einem fast schon zu anspruchsvoll konstruierten Fan-Splatter-Meta-Film, der in seinen Episoden und seiner vielschichtigen Rahmenhandlung allerlei Horror Topic durchdekliniert.

Wer so etwas macht und das alles quasi als Splatterkomödie tarnt, der braucht schon ein extrem gutes und lustiges Drehbuch. Das hat Scare Package zwar nicht, aber es ist größtenteils amüsant und nicht langweilig und das ist schon mehr als akzeptabel für so einen kleine Shudder-Veröffentlichung.

Interessant ist gleich der Umgang mit den Klischees und Versatzstücken von Anfang an. Hier wird sogar vor die Rahmenhandlung noch ein „Cold Open“ gesetzt, welches anstelle einer Pre-Title-Sequenz das volle Programm gleich von der Rampe kippt. Da moderiert plötzlich ein No-Name-Background-Charakter, der stetig irgendwelche unverfänglichen Dinge tun muss, die sich dann für andere Figuren in Horrorfilmen als tödlich-fatal herausstellen, eine Szene mit jungen Leuten, die in eine still gelegte Irrenanstalt im Nirgendwo fahren und dort ein schreckliches Zufallsende finden. Und der Typ, der diese Dinge immer tun muss, heißt auch noch Mike Myers.

Man spürt es also schon, hier werden in Sachen Versatzstücke keine Gefangenen gemacht, aber manchmal halten sich die Macher für origineller als sie tatsächlich sind.

Alle folgenden Episoden sind dann meistens weitere Filme, die der Videothekenbesitzer Chad seinem neuen Store-Assi zeigt: da wären ein splattriger Backwoods-Slasher mit einem Killer, der aus einem mysteriösen Schleim besteht, eine Story über eine Werwolf-Selbsthilfegruppe, den Auswirkungen eines Totenkopflollys (wirklich!), dem Kampf gegen den ewig wiederkehrenden Slasher-Killer (natürlich nicht tot zu kriegen) und einer Story über Besessenheit. Angereichert werden diese Episoden alle mit den leicht erkennbaren Zutaten solcher Filme, einfach weil man sie dort erwarten könnte: die üblichen Opfermischungen, Final Girls, Teufelsbeschwörer, Flüche aus anderen Kulturkreisen, eine Kissenschlacht hübscher Mädels und Gore, Gore, Gore.

Die scheinbar sehr offensichtliche Rahmenhandlung wird dann irgendwann im Verlauf der Handlung auf den Kopf gestellt, enorm erweitert und schließlich in eine Meta-Ebene verschoben, wenn die Figuren sich bewusst werden, dass sie eben in einem Horrorfilm sind und dessen seltsamen Slasherregeln (nicht startende Autos, nicht öffnende Türen in Not) unterworfen sind.

Man kann natürlich einwenden, das wäre einerseits humorseitig bereits abgedroschen und kaum originell, aber der Film richtet sich als Zauberwürfel an die Spaßfraktion, die sich bei ihren Erwartungen ein paarmal übertölpeln lassen will, gerade wenn sie glaubt, alles zu wissen.

Die Jungs und Mädels von der FX wissen was sie tun, besonders das „Cold Open“, die Waldepisode und der „ewige Killer“-Fall (der sich natürlich an den Jason-Mechanismen orientiert und diese auf die Essenz einkocht) geben richtig Zunder, wenn es um Gore, Blut, Schmodder und zersägte Körperteile geht.

Da liegt dann auch die Qualität des Film begraben, der sehr viel Tempo braucht, damit das Publikum weiter mit den Bauteilen jonglieren möchte. Dagegen könnte „M.I.S.T.E.R“, die Werwolfepisode auch ein Joke aus „Monsters“ sein und „Girls Night out of Body“ (der Todeslolly) eine „Tales from the Crypt“-Episode. Allein die finale Episode rund um die „gasförmige Possession“ wirkt nicht ganz ausgereift, aber das gibt sich wieder, wenn das Finale dem Meta-Genre-Mix aus „The Cabin in the Woods“ noch einen drauf setzt.

Alles in allem macht „Scare Package“ selten wirklich Angst, transportiert aber mehr Freude und Spaß als so manch anderer Comedy-Horror-Versuch und schleudert einfach die Filmgeschichte in den Ventilator, in der Hoffnung, dass einiges an der Wand hängen bleibt. Gut, 107 Minuten sind vielleicht etwas zu lang, aber es reichte sogar für eine flotte Fortsetzung und Langeweile kommt auch selten auf, was eigentlich alles ist, was Fans mit ihren Zitatepotpourri schaffen müssen. (6/10)









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