Review

GODZILLA No. 12

FRANKENSTEINS HÖLLENBRUT

(CHIKYÛ KÔGEKI MEIREI: GOJIRA TAI GAIGAN)

Jun Fukuda, Japan 1972

Vorsicht – das folgende Review enthält SPOILER!

Im Jahr 1969 hatte die die Godzilla-Reihe der Tōhō Kabushiki Kaisha mit dem beschämenden Kinder-Abenteuer Godzilla: Attack All Monsters ihre Talsohle durchschritten, aber wirklich erholt hatte sie sich auch mit dem Nachfolger Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster noch nicht von diesem Debakel – im Gegenteil: Yoshimitsu Bannos psychedelischer Öko-Matschmonstermumpitz hatte für weiteren Unmut sowohl unter den Freunden des Großen Grünen als auch in den oberen Etagen der Tōhō gesorgt. Um wieder etwas Stabilität in Godzillas Leinwandauftritte zu bringen, wurde nun mit Jun Fukuda ein erfahrener und zuverlässiger Mann verpflichtet, der mit Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer und Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn auch schon zwei Godzilla-Abenteuer in Szene gesetzt hatte. Dass diese beiden „Insel-Filme“ nun auch nicht gerade zu den Vorzeigewerken des Kaijū Eiga im Allgemeinen und der Godzilla-Reihe im Besonderen gehören, steht auf einem anderen Blatt – schließlich hat uns Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn kein geringeres Übel als Minilla aka Minya beschert. Von dem werden wir in Frankensteins Höllenbrut jedoch nicht belästigt (ebenso wenig wie von irgendeinem „Frankenstein“ – hier gibt es übrigens in der Synchro nicht einmal den Versuch, eine Verbindung zu diesem Namen aufzubauen): Was Fukuda mit seinem dritten Godzilla-Streifen abliefert, mag zwar immer noch schön bekloppt sein, ist aber bis auf zwei, drei Ausrutscher definitiv nicht mehr infantil und kann sogar richtig grob werden. Vorhang auf für Frankensteins Höllenbrut (besser Godzilla vs. Gigan, im Original Chikyû kôgeki meirei: Gojira tai Gaigan, also in etwa „Befehl zur Zerstörung der Erde: Godzilla gegen Gaigan“, wenn mein Japanisch noch funktioniert).

Irgendwo in Japan ...Hier lebt unser Protagonist Gengo Kotaka, ein Mangaka, dessen Arbeiten keinen rechten Anklang finden – zumindest nicht bei den Verantwortlichen diverser Verlage, die an seinen Entwürfen und den von ihm erfundenen Monstern „Schuka“ und „Mamagon“ („Schulaufgaben“- und „Mütter“-Monster) kein Interesse und ihm den Weg nach draußen zeigen. Im vierzehnten Bewerbungsanlauf versucht es Gengo beim „Weltkinderland“ – einer Art Freizeitpark mit Bildungsmission, der zwar noch nicht fertig ist, aber Mitarbeiter sucht, die ein paar Ideen haben. Das Gespräch mit einem gewissen Kubota, dem Leiter des Freizeitparks (dessen Highlight eine lebensgroße Godzilla-Nachbildung ist, deren Kopf einmal ein kleines Museum beherbergen soll) verläuft gut: Gengo wird offenbar angenommen (direkt ausgesprochen wird es nicht) und macht sich zufrieden auf den Heimweg. Bald darauf begibt er sich mit ein paar Ideen zur Zentrale der Kinderland-Stiftung in Tokio, wo ihn an der Eingangstür eine junge Frau fast über den Haufen rennt – sie ist unverkennbar auf der Flucht, und zwar vor Gengos neuen Arbeitgebern, die ihr hinterherstürzen, aber von Gengo in die falsche Richtung geschickt werden. Vorher hat er allerdings noch heimlich ein Tonband eingesteckt, das der Flüchtenden aus der Tasche gefallen ist. Gengo fährt ungeachtet dieses Vorfalls und der erwiesenen Abwesenheit des gerade durch die Stadt hetzenden Kubotas hoch in die oberste Etage des Gebäudes, wo er in der Kinderland-Zentrale scheinbar leere Räume vorfindet, dann aber per Lautsprecher in ein Zimmer gerufen und vom obersten Kinderland-Boss empfangen wird. Der faselt viel vom Frieden, dem das Kinderland verpflichtet sei und kommt sowohl Gengo als auch uns sehr jung vor. Gengos Ideen nimmt er ohne großes Interesse entgegen. Sehr verdächtig, das alles.

Als Gengo abends nach Hause kommt, wird er vor seinem Haus von zwei Personen „überfallen“, die von ihm die Herausgabe des eingesteckten Tonbands fordern – es sind Machiko, die aus der Kinderland-Zentrale geflüchtete und mit einem superkurzen Kleid herumturnende junge Frau, und ihr gleichermaßen rundlicher wie netter Hippie-Freund Shosaku. Gengo wird vor Schreck ohnmächtig und erwacht in der Wohnung der beiden. Nachdem sie sich für den „Überfall“ entschuldigt haben, berichtet Machiko, dass ihr Bruder Takashi als Wissenschaftler im Freizeitpark eingestellt wurde, seit drei Tagen aber verschwunden sei und möglicherweise eingesperrt wurde. Als sie in der Kinderland-Zentrale eine Erklärung dafür einfordern wollte, sei ihr das mysteriöse Tonband in die Hände gefallen, dem man vermutlich nähere Informationen entnehmen könne. Als die drei das Band später abspielen, ertönen jedoch nur kryptische Fiepgeräusche. Nichts zu machen.

Auf der Monsterinsel jedoch, wo die irdischen Riesenungeheuer getreu der in Frankenstein und die Monster aus dem All etablierten Maßgaben weiterhin friedlich zusammenleben, werden diese Geräusche von Godzilla und Angilas wahrgenommen und offenkundig als beunruhigend eingeschätzt. Grund genug für Godzilla, seinen stacheligen Kumpel loszuschicken, damit er einmal nach dem Rechten sieht. Und dies tut er tatsächlich im Dialog (!!!), der in der vorliegenden japanischen Originalfassung durch Sprechblasen visualisiert wurde und hier ruhig einmal in voller Länge wiedergegeben werden soll:

GODZILLA: „Geh sofort nachsehen, was los ist!“

ANGILAS: „Okay!“

GODZILLA: „Beeil dich gefälligst!“

Freundlich ist das nicht gerade vom Großen Grünen, aber Angilas tut wie ihm so grob geheißen und macht sich schwimmend auf den Weg zum Festland. Aus unseren drei Helden Gengo, Machiko und Shosaku werden derweil vier, da von nun an auch Gengos Freundin Tomoko immer mit von der Partie ist. Sie beginnen zu recherchieren und finden heraus, dass die beiden Personen, deren Gestalt der unmäßig junge Kinderland-Boss und der Freizeitpark-Chef Kubota haben, bereits seit einem Jahr verstorben sind. Nun steht endgültig fest, dass an der Kinderland-Friedensgeschichte etwas faul ist. Bald bekommen die vier in Gengos Wohnung auch Besuch von Kubota und einigen seiner Handlanger, die mit Waffengewalt die Herausgabe des Tonbands fordern und offene Mordlust signalisieren. Dumm für sie, dass Gengos Freundin Tomoko eine vorzügliche Karatekämpferin ist – nach ein paar kurzen Handkantenschlägen ergreifen die Eindringlinge die Flucht. Derweil erreicht Angilas das Festland, wird aber vom gefühlt bis auf den letzten Mann versammelten japanischen Militär empfangen und massiv unter Feuer genommen. Da bleibt ihm nur der Rückzug. Der ist aber temporär, denn Angilas holt sich Verstärkung und kehrt nun mit Godzilla persönlich zurück – alles muss der Große Grüne selber machen ... Gegen beide zusammen ist das Militär nun traditionell machtlos, und so machen sich die Monsterkumpels beträchtliche Sachschäden hinterlassend auf den Weg ins Landesinnere beziehungsweise zum Freizeitpark, wo die störenden Geräusche ihren Ursprung haben. Inzwischen wird dort nämlich auch ein zweites Band abgespielt, und das soll zwei ganz unangenehme Besucher aus dem Weltall heranrufen. Die feinen Herren von der Kinderland-Stiftung sind nämlich, wer hätte das gedacht – Außerirdische! Die suchen sich natürlich auf der Erde ein neues Zuhause, denn ihr Heimatplanet ist infolge fortschreitender Umweltverschmutzung langsam, aber sicher unbewohnbar geworden, obwohl sie, wie ihr Boss ausführt, zur Rasse gehören, die unter den schlechtesten Bedingungen leben kann. Verhandlungen mit den Erdenbewohnern sind in diesem Fall nicht vorgesehen – die fiesen Aliens, die sich zur Tarnung der Gestalten verstorbener Menschen bedienen, gehen streng nach einem aggressiven Plan vor: Godzilla soll als einziger von ihnen ernst genommener Gegner in den Freizeitpark gelockt und mit einer dort installierten Strahlenwaffe getötet werden, während die restliche Schmutzarbeit für die beiden herangerufenen Besucher aus ihrer Heimat verbleibt. Und die düsen auch schon mit einer Geschwindigkeit von 5.000 Kilometern pro Sekunde (!!) aus dem Weltall herbei und machen sich befehlsgemäß (sie werden über die Bänder „gesteuert“) ans Werk – es sind die niederträchtigen Riesenmonster King Ghidorah (wieder einmal ...) und Gigan (im Original Gaigan). Das „Werk“ ist hier zunächst die Vernichtung von Tokio, und es wird sehr gründlich vollbracht, bis es nach der obligatorischen Ölraffinerie-Zerstörung zum unausweichlichen Showdown zwischen den beiden Invasorenbüttelmonstern auf der einen und den beiden menschenfreundlichen Ungeheuern auf der anderen Seite kommt. Während dabei richtig die Fetzen fliegen, wollen die Menschen natürlich auch noch ihren Teil zur Weltrettung beitragen – am besten wäre es da, wenn man die Tonband-Steuerung von Ghidorah und Gigan unterbrechen könnte. Da man ohnehin noch Machikos tatsächlich eingesperrten Bruder Takeshi aus dem „Godzilla-Turm“ im Freizeitpark befreien muss und sich dort auch die Zentrale der Invasoren oder besser des Invasoren-Vorkommandos befindet, lassen sich gleich zwei Fliegen mit zwei Klappen schlagen: Zunächst wird Takashi von unserem Heldenquartett mithilfe eines kleinen Ballons auf, ähm ... nicht wirklich glaubwürdige Weise befreit und danach deponiert das nunmehrige Quintett kistenweise (ruck, zuck irgendwo aufgetriebenes) TNT im Fahrstuhl des Turms und lässt diesen nach oben fahren. Den Rest erledigen die unterbelichteten Hilfskräfte der beiden Chef-Invasoren selbst – eine gewaltige Explosion vernichtet den Turm und rafft die Außerirdischen dahin, die sich kurz vor dem Ableben in ihre wahre Gestalt verwandeln – es sind oder waren vielmehr menschengroße Kakerlaken. Die Monster aber prügeln sich auf weitgehend unbebautem und unbewachsenem Gelände munter weiter ... und weiter ... und wollen schier gar nicht mehr aufhören.

Ja, es dauert noch eine Weile und es fließt sogar Blut, bis sich King Ghidorah (wieder einmal ...) und Gigan geschlagen zurück in die Weiten des Weltraums verkrümeln: Sowohl Godzilla als auch Angilas fangen sich im Kampf Wunden ein, aus denen noch hellroter als später in den seligen Shaw-Brothers-Filmen das Blut spritzt. Das ist ungewöhnlich – rotes Monsterblut wurde bislang nur einmal geringfügig von King Ghidorah in Frankenstein und die Monster aus dem All vergossen. Es zeigt aber, dass Fukuda die von ihm ins Bild gesetzten Monsterkämpfe über weite Strecken ernst genommen hat. Auch Frankensteins Höllenbrut gönnt sich dabei ein paar Albernheiten (vornehmlich ein vermenschlichtes Posing Godzillas, dem sich gegen Ende auch der eingangs maschinenhaft humorlose Gigan anschließt, und ein paar Felsbröckchen werden natürlich ebenfalls wieder hin und her geworfen), aber die Mehrzahl der finalen Kampfszenen gibt sich wuchtig und vergleichsweise hart. Es geht freilich auch beides im gleichen Atemzug: Gegen Ende hält Godzilla King Ghidorah mit umgeknickten Hälsen von hinten fest (was echt brutal aussieht!), während Angilas den Dreikopf von vorn und mit dem Stachelrücken voran mehrfach anspringt (was wiederum echt bescheuert aussieht). Während der Zerstörung Tokios durch King Ghidorah und Gigan und auch in den nachfolgenden Sequenzen (Ölraffinerie und Artverwandtes) gibt es allerdings nichts zu lachen, sondern brachiale Bilder von zwei entfesselten Giganten, die inmitten von Flammen, Explosionen und fetten schwarzen Qualmwolken durch die Stadt marschieren und keinen Stein auf dem anderen lassen. Das sieht zutiefst beeindruckend aus – auch wenn man noch so genau weiß, dass hier nur Modellbauten zu Bruch gehen und Männer mit Gummianzügen unterwegs sind. Eine längere Passage, die King Ghidorah und Gigan durch brennende Ruinen ziehend zeigt, wirkt sogar regelrecht apokalyptisch. Im Ernst. Über Kleinigkeiten mag man sich bei alledem nicht aufregen – wie zum Beispiel über die Düsenjäger, von denen bei ihrem Angriff auf die Monster wieder mehr als zehn so sinnlos tief fliegen, dass sie von Gigans Hakenhänden aus der Luft gepickt werden können, oder die Frage, warum Gigan umständlich mit seiner Bauch-Kreissäge an ein paar Häusern herumsägt, wenn er sie doch offenkundig mühelos einfach mit Hakenhänden und Füßen zertrümmern kann. Aber gut – wenn man schon mal so ein Ding hat, dann muss man es auch irgendwann einmal benutzen. Den vielerorts erhobenen Vorwurf, Frankensteins Höllenbrut sei ein weiterer Godzilla-Kinderfilm, kann ich persönlich indes nicht unterstützen – Fukuda mag zwar auch ein jüngeres Publikum im Blick gehabt haben (das ließ sich seinerzeit im Konkurrenzkampf der Tōhō mit Daiei sowieso nicht umgehen), aber Kinder sind hier weitgehend fehl am Platz, was auch schon durch die völlige Abwesenheit von Figuren, die noch nicht die Zwanzig erreicht haben (ein Segen!), signalisiert wird. Umso verstörender wirkt da natürlich wiederum der „Dialog“ zwischen Godzilla und Angilas, mit dem sich Fukuda eine Entgleisung für die Ewigkeit geleistet hat. Die deutsche Kinofassung verzichtet übrigens auf diesen Unfug (allein die Gestik der Monster reicht hier auch vollkommen aus), während Godzilla und Angilas in der amerikanischen Fassung sogar synchronisiert wurden, und zwar laut Ingo Strecker mit „dusseligen Stimmen“ (was besonders Angilas betreffen soll). Aber zurück zur Action: Zwei Probleme müssen mit Blick auf diese noch angesprochen werden – das erste betrifft den Umfang der Monster-Randale und das zweite die Herkunft derselben beziehungsweise von Teilen derselben. Es ist erst einmal hoch erfreulich, dass Frankensteins Höllenbrut den Monstern, ihren Zerstörungsorgien und ihren Kloppereien viel Zeit einräumt, sprich die traditionell den Menschen gehörende Expositionsphase eher knapp hält und es danach praktisch ununterbrochen krachen lässt (der Monster-Mensch-Koeffizient des Streifens dürfte über 1.0 liegen und ist damit höher als bei allen vorangegangenen Filmen der Serie), aber auch bei der schönsten Monsterprügelei stellen sich aufseiten des Zuschauers irgendwann Ermüdungserscheinungen ein – zumal dann, wenn sie wie hier im Finale wieder einmal auf einer freien Felsfläche stattfindet. Ich will nicht sagen, dass dieses Finale langweilig wird, aber von einem gewissen Punkt an folgt man ihm doch mit tendenziell sinkender Aufmerksamkeit, um’s mal mit der gebührenden Vorsicht zu sagen. Im Kern muss es mit Blick auf diesen Aspekt jedoch weiterhin heißen: Lieber zu viel Monster-Screentime als zu wenig. Zum zweiten der oben angesprochenen Probleme: Auch für Frankensteins Höllenbrut ist leider viel Stock Footage aus verschiedenen Vorgängerfilmen verwendet worden, und diesmal sogar aus einem Streifen, der nicht zur Godzilla-Reihe gehört. So darf man zahlreiche Szenen aus Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah (1964), Befehl aus dem Dunkel (1965), Frankenstein und die Monster aus dem All (1968) und sogar Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster (1971, zur Illustration der Umweltverschmutzung auf dem Alien-Planeten) wiedersehen, kräftig unterstützt von Spielzeugarmee-Action aus Ishirô Hondas Non-Godzilla-Kaijū-Eiga Frankenstein – Zweikampf der Giganten (1966). Gerade die hat es freilich in sich: Eine Einstellung zeigt, wie durch heftiges Geschützfeuer eine ganze Reihe von Bäumen in der Mitte durchgemäht wird – das sieht unglaublich stark aus und gehört zu den besten Modell-Tricks des gesamten Tōhō-Schaffens. Auch sonst wurde natürlich nicht irgendein Mist ausgewählt – allein King Ghidorahs Zerstörungs-Rundflug aus seinem ersten Leinwandauftritt ist und bleibt mit seinen spektakulär von „Strahlen“ zersäbelten Modellbauten auf ewig eine Sternstunde der Kaijū-Eiga-Historie. All das lässt sich natürlich immer wieder wunderbar ansehen (zum Glück, denn beispielsweise die Szene, in der eine „Mobiloil“-Tankstelle zerlegt wird, ist vermutlich in jedem Godzilla-Streifen mit King Ghidorah zu finden), und es wurde auch inhaltlich gut in den vorliegenden Film eingefügt, aber im Kern ist ein solches Szenen-Recycling, so hart muss das gesagt werden, eine Art von Betrug. Ein ähnliches Wort kann man für die Handlung des Streifens finden, denn hier wurde wieder einmal auf das serienübliche Alien-Szenario zurückgegriffen: Ein paar wenige Außerirdische agieren versteckt und als Menschen getarnt auf der Erde, um eine Invasion vorzubereiten, wobei sie sich schlussendlich der Hilfe diverser Monster bedienen – am beliebtesten ist dabei natürlich der zu jeder Schandtat bereite Dreikopf King Ghidorah. Allein während der Shōwa-Ära wurde diese Idee sechsmal verwurstet: In Befehl aus dem Dunkel (1965), Frankenstein und die Monster aus dem All (1968), King Kong – Dämonen aus dem Weltall (1973, hier sind es Unterirdische aus „Seetopia“, die den Planeten übernehmen wollen, aber das kommt aufs Gleiche heraus), King Kong gegen Godzilla (1974), Die Brut des Teufels (1975) und eben hier. Das spricht nun wirklich nicht für Ideenreichtum – spätestens mit seinem hiesigen Skript (nach der Story „Gojira tai Uchu Kaijû“, also in etwa „Godzilla gegen die Weltraum-Monster“ von Takeshi Kimura) hat Tōhōs Stammautor Shin‘ichi Sekizawa unübersehbare kreative Abnutzungserscheinungen signalisiert. Immerhin gestaltet er ein menschliches Personal, mit dem man (vor allem im Vergleich mit dem Vorgänger Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster) etwas anfangen kann – die vier zentralen Figuren sind zumindest so konturiert und sympathisch, dass man sie in der Prä-Monster-Phase des Streifens gern begleitet und nicht pausenlos sehnsüchtig darauf wartet, dass endlich eine Riesenechse oder ein dreiköpfiger Drache oder der Kuckuck dazwischenhaut. In der zweiten Hälfte tritt diese „humanoide“ Handlungsebene aber zwangsläufig in den Hintergrund – wie auch ihre Helden, die sich rechtzeitig zum Zuschauen hinter ein Gebüsch zurückziehen und diesen Ort nur noch ein einziges Mal für ihre abstruse Rettungs- und Spreng-Mission verlassen (Himmel – was sollen das für Aliens sein, die interstellare Reisen bewerkstelligen können, sich dann aber von vier dahergelaufenen Erdlingen auf freiem Feld mit einem kleinen Ballon übertölpeln lassen?). Aber nach Logik, Sinn und Verstand wollen wir im Kaijū Eiga natürlich nur ganz, ganz leise fragen. Wenn überhaupt.

Optisch macht Frankensteins Höllenbrut einen guten Eindruck, zumal dann, wenn man wie ich die mit einem Höchstmaß an Können und Liebe überarbeitete Fassung sehen darf, die auf der „Kaiju Classics“-DVD von Anolis zu finden ist. Die im gewohnten Tohoscope-Format vorliegenden Bilder des Streifens wirken deutlich frischer als sie mit ihren nunmehr schon mehr als 50 Lebensjahren sind und weisen kaum Verschmutzungen oder Beschädigungen auf. Spürbar beeinträchtigt wird der Gesamteindruck allerdings wieder einmal durch den massiven Stock-Footage-Einsatz: Die entsprechenden Szenen fallen je nach Ursprung durch einen mehr oder weniger deutlichen Qualitätsverlust auf – in einigen Fällen leider schon aus weiter Ferne. Mitunter bekommt man auch aus unerfindlichen Gründen krass unscharfe Aufnahmen zu sehen, während die bizarre Spielerei, die Fukuda bei zwei kurzen Stadtaufnahmen mit einen Super-Fischaugen-Objektiv veranstaltet, eine bizarre Spielerei bleibt. Insgesamt zeigt sich im visuellen Bereich aber ein positiver Gesamteindruck. Im Besonderen gilt das auch für die Tricktechnik, wobei natürlich gleichsam Licht und Schatten auszumachen sind. Ein paar Schatten gibt es schon bei den Monstern, aber man kann mit ihnen leben. So hat Godzilla beziehungsweise sein Darsteller Haruo Nakajima hier zum vierten Mal das Sôshingeki-Kostüm an, und dessen Abnutzung ist unübersehbar – an vielen Stellen hängen tatsächlich schon die Fetzen herunter. Erschwerend kommt hinzu, dass Godzilla in einigen Altmaterial-Szenen anders aussieht als im eigentlichen Film, weil dort eben ein anderes Kostüm zum Einsatz kam (namentlich betrifft das die Bilder aus Befehl aus dem Dunkel). Eigentlich eine peinliche Geschichte – aber etwas Peinlichkeit war der Tōhō offenbar lieber als vermeidbare Ausgaben. King Ghidorah und auch Angilas zeigen sich indes in frischen Gummianzügen, und besonders der Letztere wirkt damit regelrecht schick. Gigan, nun ja ... ist ein seltsames Monster, über dessen Design man vortrefflich streiten könnte. Es gibt in der Tat viele Kaijū-Eiga-Freunde, die nicht genau wissen, was sie von dieser Kreatur halten sollen, und ich gehöre zu ihnen. Zunächst ist unklar, ob Gigan überhaupt ein echtes Lebewesen oder vielmehr ein Cyborg sein soll – manches spricht für das eine, manches für das andere (die Aliens selbst stellen ihn nur als ihren „besten Kämpfer“ vor). Darüber hinaus kann er, wenn er richtig ins Bild gesetzt wird (am besten als dumpfe Kampfmaschine), trotz oder gerade wegen seines grotesken Aussehens recht eindrücklich und sogar bedrohlich wirken – andererseits aber auch total lächerlich. Das nämlich ist er definitiv, wenn er fliegt (was er zunehmend oft tut), weil er dabei stocksteif durch die Luft gleitet, als würde ein unsichtbares Kind mit einer Plastikpuppe spielen. Die Umsetzung von Flügen war allerdings bereits zu Eiji Tsuburayas Zeiten kein Spezialgebiet der Tōhō-Trickzauberer – sowohl Rodan als auch die Gottesanbeterinnen in Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn und selbst King Ghidorah und Mothra sehen beim Fliegen, ähm ... nicht wirklich glücklich aus. Na ja, und Godzilla selbst schießt natürlich mit seiner Atem-Rückstoß-Einlage in Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster den Vogel ab. Eine gute Figur machen Godzilla und vor allem Angilas im Wasser, sprich beim Schwimmen im „Meer“. Obgleich ihre Schwimmbewegungen nicht so recht funktionieren wollen, sehen die entsprechenden Szenen schon fast hochwertig aus – vornehmlich weil das Meer sowohl in seiner Farbe (ein schönes dunkles Türkis) als auch in der Wellengröße (immer ein Problem bei den Trickaufnahmen) täuschend echt wirkt. Völlig misslungen ist hingegen der Einstand von King Ghidorah und Gigan, die sich vermittelst billiger Lichteffekte im leeren Raum vor einem mittelblauen Hintergrund materialisieren, womit sie sich in dieser Passage weder im Weltraum noch irgendwo auf der Erde befinden können (blauer Himmel sieht fürwahr anders aus). Dafür bekommen die beiden ein paar feine Modellbauten spendiert, die sie kaputthauen dürfen – man konnte schließlich nicht den ganzen Film mit Stock Footage bestreiten (wobei ... warum nicht?). Gespart wurde trotzdem, denn obwohl die Modelle auch hier wieder sehr schön sind, gab es schon filigranere Arbeiten. Bei einem seltsam zerbeulten Modell-Frachter im Hafen wird dies besonders deutlich. Dennoch: Die eigens für den vorliegenden Film gedrehte Monsteraction macht viel Spaß und punktet vor allem mit exquisiten Explosionen und bisweilen tatsächlich maßstabsgerecht aussehenden Flammen – die gibt’s auch nicht aller Tage. Zudem kommt bei diesen Szenen wieder eine fein justierte Zeitlupe zum Einsatz, was die Glaubwürdigkeit von Riesenmonsterbewegungen enorm erhöht. Die Aliens in ihrer finalen und wahren Kakerlakenform werden derweil von echten Kakerlaken gedoubelt – für ihre zwei Einstellungen, während derer sie ohnehin nur sterbend herumliegen, reicht das und sieht auch gar nicht so übel aus. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass es Kakerlaken sind – in der deutschen Synchro ist von Mistkäfern die Rede, aber die sehen meines Wissens anders aus. Sei’s drum – ich will in dieser Sache natürlich nicht noch umständlich nachforschen. Die Aliens und ihre Doubles sind ohnehin seit über fünfzig Jahren mausetot. Unbedingt erwähnenswert ist weiterhin eine Szene, die den Monsterangriff auf Tokio einmal aus der Sicht betroffener Einwohner, also aus einer Wohnung heraus illustrieren soll – hierfür wurden einfach zwei Püppchen in die Modellbau-Wohnung gestellt. Das ist allerliebst, aber auch recht kühn, denn es dürfte auf dieser Welt kaum einen Menschen geben, der in diesen Püppchen nicht auf den ersten Blick Püppchen erkennt. Die im Grunde genommen nahe liegende Idee, Monsterangriffe auch einmal aus dem Inneren betroffener Gebäude heraus zu filmen, hat erst mehr als zwanzig Jahre später Shûsuke Kaneko in Gamera: Revenge of Iris, dem dritten Teil seiner spektakulären Daiei-Monsterschildkröten-Reboot-Trilogie, wieder aufgegriffen und erschreckend wuchtig umgesetzt. Abschließend sei in Sachen Tricktechnik noch einmal auf die Defizite bei der Herstellung von glaubwürdigem Kunstblut hingewiesen, wobei wir hier freilich Monsterblut sehen – vielleicht ist das ja so hell.

Einen guten, wenn auch nicht memorablen Eindruck machen derweil die mitwirkenden menschlichen Darsteller und Darstellerinnen, die sich in Sachen Ausstrahlung und Schauspiel wenig nehmen: Ob Hiroshi Ishikawa als Gengo Kotaka, Yuriko Hishimi als dessen karatekundige Freundin Tomoko, Tomoko (korrekt) Umeda als Machiko oder Minoru Takashima als Shosaku – sie liefern allesamt angenehme und solide Vorstellungen ab. Viel mehr ist in einem solchen Film freilich auch nicht drin. Keiner von ihnen ist mir übrigens jemals in einem der vorigen Godzilla-Streifen begegnet, zumindest nicht in einer auch nur halbwegs maßgeblichen Rolle. Auf Antagonistenseite ist Toshiaki Nishizawa als Kubota ebenfalls solide unterwegs, während Zan Fujita als oberster Alien-Boss im jungen Körper auch unabhängig vom Charakter seiner Figur leicht unsympathisch wirkt. Sehr schön ist im Übrigen die vorliegende alte deutsche Synchronisation – so wird Gengo von Christian Brückner (!) gesprochen und auch Thomas Danneberg, Wolfgang Völz und viele weitere Spitzenleute sind am Werk – zum Teil noch sehr jung klingend. Von einer solchen Wertschätzung kann zeitgenössischer Monster-Trash nicht einmal träumen. Keinesfalls vergessen darf man schließlich auch hier die Männer in den Gummianzügen: Godzilla wird wie immer von Haruo Nakajima verkörpert, der zudem noch in Kleinstrollen als Mitarbeiter eines Comic-Verlags und als JSDF-Officer zu sehen ist, Gigan lässt sich von Kenpachirô Satsuma (als Kengo Nakayama) zum Leben erwecken, als Dino-Igel-Gürteltier Angilas kriecht (und schwimmt) Kôetsu Ômiya durch die Gegend, der als „Laser-Radar“-Bediener ebenfalls noch eine kleine menschliche Rolle hat, und King Ghidorahs goldener Anzug wird von Kanta Ina getragen. Es kann hierbei übrigens nicht oft genug betont werden, wie schwer die Arbeit dieser Männer war: Kenpachirô Satsuma zum Beispiel, so wird berichtet, musste während der Dreharbeiten so viele Schmerzmittel zu sich nehmen, dass sie später keine Wirkung mehr bei ihm zeigten. Gespart wurde zu guter Letzt auch am Score, bei dem es sich gewissermaßen ebenfalls um Stock Footage aus alten Godzilla-Streifen handelt – Verwendung fand die bewährte Musik von Akira Ifukube. Damit lässt sich indes bestens leben, denn sie hat einen hohen Wiedererkennungswert und geht nicht nur sofort mit Volldampf ins Ohr, sondern wurde auch auf den Punkt genau eingesetzt. Besser als hier hat sie mir in ihrer Gesamtheit noch nie gefallen.

So bleibt ein schöner alter Shōwa-Godzilla-Streifen mit wohltuend viel Monster-Randale und einer Rahmenhandlung, die im Kern zwar traditionell hirnrissig ist, dank eines lebendigen und angenehmen Personals aber mitunter sogar einen winzigen Hauch von Krimi-Spannung transportiert – man hat durchaus das Gefühl, dass hier echte Menschen unterwegs sind und keine Platzhalter für die monsterfreie Zeit. Wie schon zwei seiner Vorgänger muss sich der Film jedoch die zügellose Verwendung von serieninternem Altmaterial vorwerfen lassen – das wiegt schwer, wird aber wenigstens teilweise durch den Umstand abgemildert, dass dieses Altmaterial gleichsam eine Art Best-of ist und man es daher gar nicht oft genug sehen kann. Zieht man ferner in Betracht, dass Produzent Tomoyuki Tanaka hier jeden einzelnen Yen noch ein, zwei Mal öfter als gewohnt umgedreht und Jun Fukuda damit in eine undankbare Position gedrängt hat, kann man mit Frankensteins Höllenbrut sehr zufrieden sein – der Streifen ist nicht nur besser als sein eher zweifelhafter Ruf, sondern bringt auch intensive Action und entwaffnenden Blödsinn so gut unter einen Hut, dass daraus ganz wunderbare, kurzweilige und vergnügliche Kaijū-Unterhaltung erwächst.

PS: Eigentlich war alles ganz anders geplant ... Einem Entwurf von Kaoru Mabuchi entsprechend sollten Außerirdische unter Leitung eines „Gehirnwesens“ namens Miko die Erde bedrohen, unterstützt von King Ghidorah, Gigan und Megalon (einem Monster, das im Nachfolger King Kong – Dämonen aus dem Weltall aka Godzilla gegen Megalon zu seinem Recht kam). Shin‘ichi Sekizawa überarbeitete diesen Entwurf noch einmal und tauschte einige Mitspieler aus – anstelle von Angilas kämpften Rodan und Varan mit Godzilla für die Sache der Erdlinge, während auf der Gegenseite ein neues Monster namens Mogu den Platz von Megalon einnehmen durfte. Als Titel hatte Sekizawa Die Rückkehr von King Ghidorah gewählt – keine schlechte Idee angesichts der Beliebtheit, derer sich der Dreikopf unter Kaijū-Eiga-Fans erfreute. Warum es letztlich doch anders kam, wird wohl am ehesten Produzent Tomoyuki Tanaka gewusst haben.

PPS: Angilas‘ Sprechrolle ist wirklich nicht sehr anspruchsvoll ... Er darf im Verlauf des Geschehens noch ein zweites Mal etwas sagen, und das ist wiederum: „Okay!“ Ein überschaubarer Text, fürwahr ... und doch will ich würdigen, dass sich mein prähistorisches Lieblings-Riesen-Stachel-Gürteltier keinen einzigen Versprecher geleistet hat. Gute Arbeit.

8 von 10 Punkten aus persönlicher Sicht, ansonsten dürfen es hier 6 von 10 sein.

(02/24)



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