Review

Ferienhome Invasion


Während der Bruder James mit solchen Flops wie „Future World“ sein Talent noch deutlich „versteckt“ (trotz des tollen „The Disaster Artist“), startet nun der kleinere Franco vielleicht sogar eher richtig durch. Mit „The Rental“ liefert er jedenfalls einen gruppendynamischen, psychologischen Horrorthriller und modernen Home Invasion-Schocker, der sich sehen lassen kann. Die nebelgetränkten Bilder sind fein, Darsteller wie Stevens, Brie und White („Shameless“) stehen bei mir schon seit Jahren ganz weit oben und vor allem die Themen der Privatsphäre, der gefährlichen Geheimnisse und des scheinbar erschütterten Vertrauen zu deinen Mitmenschen und sogar Nahestendsten im heutigen Amerika, in der heutigen Welt (gerade im bizarren Gegensatz zu unserem leichtsinnigen Verhalten bei Airbnbs und Co.!) heben „The Rental“ in durchaus empfehlsame Regiedebütregionen! Dave Franco weiß definitiv was er tut und wohin er will. Das kann man bei seinem großen Bruder bisher noch nicht so deutlich und konzentriert erkennen.

In „The Rental“ folgen wir zwei Pärchen in ein luxuriöses, abgeschiedenes Wochenendhaus an der Küste. Die Jungs sind Brüder, arbeitstechnisch ist das eine Mädel auch noch die Kollegin von dem anderen Herrn und allgemein liegen ein paar Spannungen, Sünden und Geheimnisse in der Luft. In etwa kann man sich schon sehr früh (um nicht zu sagen direkt!) denken, wohin das Ganze führen und eskalieren wird. Dennoch wird das Wochenende z.B. durch einen unfreundlichen Vermieter noch wesentlich düsterer, als es sich die Vier wohl je hätten bitter erträumen können... „The Rental“ zieht erstaunlich lange die Spannung und unser Interesse nahezu ausschließlich aus den Konflikten der kleinen Gruppe - was reicht und funktioniert. Selbst wenn es gerade im späteren Verlauf durch dümmste Entscheidungen arg frustrieren kann. Es ist in etwa „Body“ meets „The Strangers“. Denn wenn es dann final doch noch auf die blutige Zielgerade geht, nutzt der Eindringling eigentlich nur die Feigheit, Fehler, Lügen und das fehlende Vertrauen in diesem (metaphorisch für größere Gruppen stehenden) Kosmos, um fast schon längst überfällig nur noch letzte Todesstöße zu verteilen - denn bis an die Klippe hatten sich alle Beteiligten schon längst vor seinem Eingreifen bewegt. Wie unsere angerissene Welt, wie es sich manchmal anfühlt, eben auch. Wir sollten es nicht dazu kommen lassen, dass „ein maskierter Killer“ oder grober gesagt böse Kräfte uns endgültig erschlagen und endlich zusammenstehen, zusammenhalten, Tacheles reden. Selbst wenn das auch sehr schmerzen kann. 

Fazit: Airbnb goes Alptraum - „The Rental“ sieht gut aus, bietet Darsteller die ich richtig mag, liegt in vielerlei Hinsicht im Trend und schießt den kleineren Franco mit einem Streich weitaus eher ins Regierampenlicht und Genrefach als es sein großer Bruder bisher geschafft hat. Dennoch: unsympathische Figuren, dumme Entscheidungen, eine dreiste Fortsetzungstaktik und viele offene Fragen halten mich deutlich vom „Lieben“ dieses knackigen Paranoiathrillers ab. Selbst wenn die allerletzten Momente (schon über den Credits) schon fies hängen bleiben... 

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