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Regie- und auch Drehbuchdebüt von Kim Kwang-bin, der mit gutem Start Anfang Februar gesegnet trotz der folgend noch schwieriger werdenden Zeiten 1.27 Millionen Zuschauer in die einheimischen Kinos locken konnte; hätte man sich mit der Postproduktion etwas mehr beeilt – der Film war schon Dezember 2018 abgedreht – wären sicherlich noch mehr drin gewesen, wenn man sich die prominente Besetzung betrachtet und auch das Umfeld des Horrorfilmes, der belebenden Konkurrenz um Svaha: The Sixth Finger, Metamorphosis, The Divine Fury und den steten Zuspruch an den Kinokassen ansieht.

Nach dem Unfalltod seiner Ehefrau Seung-hee [ Shin Hyun-bin ] hat der Architekt Sang-won [ Ha Jung-woo ] das Problem, dass er neben all der auch bei ihm vorhandenen Trauer sich auch noch um die gemeinsame zehnjährige Tochter I-na [ Heo Yool ] kümmern muss. Ein Umzug auf das Land soll zumindest durch die neue Umgebung und den Ortswechsel Besserung bringen, allerdings ist der Arbeitsweg in die Stadt zu den Baustellen weit und die Konkurrenz stark, außerdem kommt das Kind dennoch viel zu kurz. Als sie sich erst verändert und plötzlich wie vom Erdboden verschwunden ist, nimmt der bald auch unter Verdacht geratene verzweifelte Vater das Angebot des selbsterklärten Exorzisten Kyeong-hoon [ Kim Nam-gil ] an, ihm zu helfen.

Trotz der Möglichkeiten, dies zu tun gibt der Film dem Zuschauer keine Chance auf eine Idylle und kein Ansatz einer zumindest anfänglichen Friedlich- und Friedfertigkeit. Vielmehr werden schon in den ersten Minuten die Gefährlichkeit der Umgebung beschworen und das Ende eines oder auch mehrerer Leben und die Existenz mit geringer Haltbarkeit. Der schnelle Tod aus 'eigener Hand' oder auch letale Unfälle auf den Straßen sind dabei nur die Spitzen der hier herrschenden Ungemütlichkeit, indem sich mit mehreren Variationen des Horrors ebenso beschäftigt wird wie mit einer insgesamt negativen Beständigkeit. Eine oder eher gleich zwei Schreckenstaten in der Vergangenheit, Trauma, Trauer, Träume in der Gegenwart, die Vorbelastungen von früher und noch keine Aussicht auf Hoffnung oder Besserung zukünftig aufweist.

Das Haus für sich allein gesehen soll schon eine positive Veränderung sein, der Wechsel der Örtlichkeit als erster Schritt hinaus aus dem Sog in die Hölle, als Fels in der Brandung quasi und Refugium der Seele; wobei das Gebäude selber mit seinem braunen Holzvertäfelungen und leidlich dekorativer Schnitzkunst durchaus seine Behaglichkeit zeigt, aber in einer gottverlassen trüben Gegend ist und weitab der Zivilisation und gleich mehrere Lebewesen um ihre verloren gegangenen Mitglieder trauern lässt. Eine Familie, die keine mehr ist, ein Vater und ein Kind, die beide allein und beide auch für sich allein am Kämpfen sind. Ein eingeschränkter Zugang zueinander und auch die Unvereinbarkeit der realen Welt mit der übernatürlichen; all dies als Elemente der Handlung, mit denen Filmemacher Kim seine Attacken auf das Nervenkostüm einspeist.

Das Dasein hier als Kompromiss, als Notlösung auch, in der Elternteil-Kind-Beziehung, die eingangs noch den letzten Rahmen einer Sicherheit antäuscht, aber diesen auch bald verliert, in der Übereinkunft zwischen beruflich und privat, die nicht klappt, jetzt nicht und so wie jetzt auch niemals nicht, in dem Suchen eines Ausweges, der direkt in die nächste Malaise, vom Regen in die Traufe, von der Pest zur Cholera führt. In dem sich Stellen von Halluzinationen und Obsessionen und Possessionen, die aus der Wirklichkeit gespeist sind und auch wieder darin übergehen und aus dem Hier und Jetzt die Kraft des Grauens nehmen und wahr gewordenen Alb wieder zurückgeben. Mit einer hakelig stotternden Videoaufnahme von vor zwei Dekaden, dem Festhalten eines versuchten und horrend scheiternden Exorzismus wird begonnen, die Bilder folgend sind edler und offener, wenn auch im Braun und Grau und Schwarz gefangen gehalten, und weiterhin mit Angst und Isolation belegt.

Ab dem zweiten Drittel tritt nicht nur eine entscheidende Veränderung im Film ein, sondern dadurch auch in diesem selber, wird von der bisherigen Bestandsaufnahme zu etwas übergangen, was gleichzeitig mehr Aktion der dann involvierten Beteiligten – interessanterweise eben ein Vater auf der Suche nach der Tochter und ein Sohn, der seine Mutter verloren hat; beides erwachsene Männer, die sich aber puzzleartig ergänzen – erfordert als auch gleichzeitig mehr Erklärungen liefert und eine Passivität, nämlich eine Art Observation erfordert und vom bisherigen Psychothrill mit Horroreinschüben in ein kommerzieller geratenes Ghostbuster-Szenario, hier mit direkten verbalen Verweisen auf bspw. den Blockbuster-Zweiteiler Along with the Gods übergeht. Zum ersten Mal kommt dort auch etwas wie leiser Humor zum Tragen, als Erleichterung des bisherigen Trüben und als Auflockerung eines Grauens, welches nicht nur Eltern nahegeht, wobei im letzten Drittel noch zusätzlich eine emotionale und auch gesellschaftlich nicht gänzlich unwichtige Komponente hinzukommt, die dem späteren Finale mit seinem 'Geisterbahn' – Geschehen und dem Abstieg in die Unterwelt plus der dortigen Höllenvision eigentlich den meisten Belang mit und dem ganzen Film überhaupt Bewandtnis gibt.

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