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Allzu viele gruselige Plätze in einem durchschnittlich eingerichteten Kinderzimmer gibt es nicht. Der Klassiker: Unterm Bett, sofern kein integrierter Bettkasten vorhanden und der Kleiderschrank, beziehungsweise der titelgebende Wandschrank, welcher die kindliche Fantasie gerne Falltüren oder Geheimgänge anzudichten weiß. Der südkoreanische Regisseur Kwang-bin Kim nutzt „The Closet“ als Tor zur Zwischenwelt und stützt sich im Kern auf eine Problematik, die in einigen asiatischen Gefilden weitreichende Probleme mit sich bringen könnte.

Nach dem Unfalltod seiner Frau zieht sich Architekt Sang-won (Jung-woo Ha) mit seiner elfjährigen Tochter Yi Na (Yool Heo) aufs Land zurück. Yi Na kapselt sich zunehmend von ihrem Vater ab, bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Nach einem Monat taucht der vermeintliche Exorzist Kyung-hoon (Nam-gil Kim) auf, der von einer Reihe verschwundener Kinder zu berichten weiß…

Die Vernachlässigung von Kindern ist ein weitreichendes, globales Problem und in einigen asiatischen Gebieten ist der Leistungsdruck auf allen Ebenen so hoch, dass für Zwischenmenschliches erst gar kein Platz mehr bleibt. Einsamkeit, Gefühlskälte und Isolation können die Folgen sein, was sich anhand der Vater/Tochter-Beziehung im ersten Drittel herauskristallisiert. Dazu das Fehldeuten einiger böser Vorzeichen, wenn düstere Kinderzeichnungen im Notenheft landen oder das nächtliche Gefiedel auf der Geige rasch zu nerven beginnt. Der Schrecken kommt schleichend und er umfasst verschiedene Ebenen.

Nach dem Verschwinden der Tochter lässt sich die Geschichte allerdings etwas zuviel Zeit und vernachlässigt bis dato sorgsam eingebettete Erschreckmomente. Etwas zuviel Recherche, einige nicht notwendige Auflockerungen durch den Exorzisten und einige breit erklärende Rückblenden sorgen hier und da für kleine Durchhänger. Dafür trumpft Regisseur Kwang-bin Kim zum Finale ordentlich auf, denn ein nebeliger Spielplatz mit Geisterkindern zündet ebenso wie das parallel ablaufende Ritual.

Überhaupt präsentiert sich die Inszenierung recht stilsicher: Saubere Kamera, versierter Schnitt und ein virtuoser, fast schon überladener Score und nicht zuletzt durch die Bank überzeugende Mimen. Wobei die ganz jungen in den intensiveren Momenten allen anderen die Show stehlen. Effekttechnisch findet sich nicht allzu viel, das Make-up der paranormalen Erscheinungen ist zumindest zweckdienlich und die wenigen Gewalteinlagen wie Messer im Hals sehen okay aus.

Vielleicht hätte die eine oder andere Wendung letztlich ein wenig mehr gerissen, - so bleibt es ein gelungenes Debüt, dem es unterm Strich an frischen Ideen mangelt, während die Kernaussage durchaus löblich ist. Diverse Geistererscheinungen liefern wenig Innovatives, dennoch sorgen einige surreal anmutende Szenen in der zweiten Hälfte für wohligen Schauer und der titelgebende Wandschrank schaut zumindest wie etwas aus, das man nicht unbedingt betreten möchte.
6 von 10

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