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Folgt man den Motiven der Gebrüder Grimm, dürfte Rapunzel kaum Gründe für einen Fluch gehabt haben. Gut, ihre Kopfhaut könnte nach diversen Klettertouren den Turm hinauf etwas wehgetan haben. Was bis dato allerdings noch keiner wusste: Ein Dämon schien irgendwann in die junge Dame gefahren zu sein, was auch den unnatürlich kräftigen Haarwuchs erklärt. Einen plausibleren Grund hält Regisseur David Brückner zumindest nicht parat, um Geistererscheinungen in einem Schloss zu untermauern.

1697 führt ein Pater ohne Genehmigung des Vatikans einen Exorzismus an einer jungen Frau durch. In der Jetztzeit möchte Filmstudentin Alina einen Horrorfilm in einem Schloss drehen und stößt gemeinsam mit vier weiteren Personen bei Erkundungen auf Aufzeichnungen über eben jenen Exorzismus…

Es ist jammerschade, wenn sich Low Budget Horror aus Deutschland auf den ersten Blick deutlich positiv von ähnlich gelagerten Vertretern abhebt, um dann storytechnisch zu stranden.
Nach dem gelungenen Auftakt macht sich das mangelnde Gespür fürs Timing deutlich bemerkbar, zumal sich 30 Minuten lang wenig bis gar nichts ereignet. Als schließlich ein Dämon in eine der Anwesenden fährt, kulminiert dies in einer unbeholfenen Erotikszene, die kaum leidenschaftsloser hätte inszeniert sein können. Die Körpersprache spielt nicht wirklich mit und wer sich komplett angezogen nach drei Sekunden kurz vorm Höhepunkt wähnt, wirkt nicht allzu glaubhaft.

Unterdes eilen die übrigen Figuren durch Gänge, Flure und Kellergewölbe und machen kehrt, sobald die dämonische Erscheinung, die nicht von ungefähr an schwarzhaarige Pendants aus Asien erinnert, ihnen den Weg versperrt. Mehr ereignet sich nicht. Selbst die Verbindung von Alina zum damaligen Pater wird lediglich angerissen, wogegen der Hintergrund von Rapunzel mit nur zwei Zeilen abgetan wird. Auch der Showdown bietet kaum Nervenkitzel, man wundert sich jedoch, wieso man sich plötzlich an einem Turm im Wald befindet, obgleich sich zuvor alles im Schloss abspielte.

Die wenigen, handgemachten Effekte wie Kehlenschnitt oder Aufspießen können sich derweil sehen lassen und das Make-up arbeitet hinsichtlich des Dämons passabel. Der Score findet einige stimmungsvolle Sequenzen und vermag zwischenzeitlich ordentlich anzutreiben, während darstellerisch ein taugliches Niveau dargeboten wird und selbst komplette Neulinge überzeugend abliefern. Kameratechnisch sind einige Drohnenaufnahmen recht versiert ausgefallen und auch eine Perspektive per Nachtsichtmodus gerät übersichtlich.

Das Drehbuch insgesamt jedoch auch. Denn hier machen sich einige Schwächen breit, die vom mangelnden Mut über Ideenlosigkeit hin zu fehlenden Hintergründen reichen.
Spannung köchelt allenfalls auf Sparflamme vor sich und am Ende darf man entscheiden, welche denkbare Variante die Pointe liefern könnte.
Technisch okay, inhaltlich mau, - es wäre hinsichtlich einer haarigen Angelegenheit deutlich mehr drin gewesen als die xte, lahme Erscheinung eines Geistermädchens.
Knapp
4 von 10

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