Alucarda (1977)
Alucarda ist eine Mischung aus Okkulthorror und Nunsploitation und wird in gewissen Kreisen auch gerne als satanistischer Kultfilm bezeichnet. Eine Tatsache ist zumindest, dass sich Alucarda im Laufe der Jahrzehnte an einer steigenden Zahl positiver Kritiken erfreuen kann, was mich persönlich etwas verwundert.
Regie führte Juan López Moctezuma der in Alucarda zum dritten mal auf dem Regiestuhl saß und damit auch seinen größten Erfolg verbuchen konnte. Die Vorlage lieferte Sheridan Le Fanu mit seinem "Carmilla" aus dem Jahr 1872, und da verwundert es nicht, das, wenn man Alucarda rückwärts ließt a Dracula bei rauskommt.
Die Story ist schlicht, aber durchaus funktionell. Hauptprotagonisten sind Alucarda (Tina Romero) und Justine (Susana Kamini).
Alucarda wurde eines Nachts in der Krypta eines alten Kolonialpalastes geboren. Gleich nach ihrer Geburt wurde sie aber auf Wunsch ihrer vom Satan besessenen Mutter von einer Zigeunerin fort in Sicherheit vor ihr gebracht. Als Ort wählte sie das nahe gelegene katholische Kloster, wo Alucarda aufgrund ihres Verhaltens als Außenseiterin aufwuchs. Eines Tages traf die vor kurzem zum Waisen gewordenen Justine im Kloster ein und es dauerte nicht lange, bis nicht nur eine innige Freundschaft zwischen den beiden entstand, sondern sie sich auch einander verliebten. Seit dem wurde die Divergenz zwischen der Ordensgemeinschaft und den beiden immer größer und das diabolische Treiben begann ...
Stelle man sich nun noch ein bisschen Der Exorzist (1973) und ein bisschen Carrie (1976) vor und Alucarda kommt als Ergebnis raus. Allerdings wesentlich nostalgischer und schlichter als die beiden Genannten. - Ohne Witz, das ganze erinnert vom Aussehen her stellenweise ein wenig an ein altes Märchen, das in den tiefen mystischen Wäldern spielt. Die alte Krypta, Gruft mit Gargoyles und anderen dämonischen Gestallten, ein grottenähnlichen Kloster mit Nonnen, die in merkwürdigen Gewändern gewickelt sind und aussehen wie wandelnde ägyptische Mumien usw.
Neben der schlichten Story und märchenhaft wirkenden Optik, die besonders in der ersten Hälfte sichtbar ist, kann man noch ein wenig in die tiefere Botschaft des Films schauen, die gar nicht so verborgen liegt. Im Prinzip zeigt Alucarda zunächst und erstaunlich offen die Kritik an der dogmatisch geprägten katholischen Kirche und zeigt sich deutlich antiklerikal. Erst mit der Zeit wendet sich dann die Sicht ins Gegenteilige, was mit Glauben und Hoffnung in das Gute (göttliche) mündet. Entweder oder lautet also das bilaterale Konstrukt und das ist aus heutiger Perspektive zwar funktionell in der Dramaturgie aber auch etwas bescheiden und daher ist der kleine Hype um Alucarda, vielleicht eine Prise zu hoch gegriffen. Viel Gekreische und Hysterie, die in Harmonie des Guten Enden soll, getreu dem Motto das Gute existiert nur aufgrund der Existenz des Bösen ist philosophisch betrachtet, leider als Erklärungsversuch nicht befriedigend genug. Aber vielleicht wollte das Juan López Moctezuma auch gar nicht erst.
Was sehr gut ist, sind die erkennbaren unterschiedlichen Charaktere, besonders von Alucarda (Tina Romero), Pather Lázaro (David Silva) und Dr. Oszek (Claudio Brook). Sie verkörpern schön die drei unterschiedlichen Interessen und Ideologien.
Unterm Strich ist Alucarda ein schlichter, aber sehenswerter Okkulthorror mit nostalgischem Charme, der alles bietet, was man von solch einem Film auch erwartet. Telekinese, Pyrokinese, Exorzismus, Hexen Stigmaprobe, Blut, Rituale usw. Wer die Erwartungen nicht zu hoch setzt, könnte gut unterhalten werden. Bewertung: 6 / 10 Punkte.