Sommerliebe, Sommertriebe, Sommerhiebe
Man kann es nicht verleugnen, „Call Me By Your Name“ war ein Mood- und Gamechanger im Bereich der filmischen Liebeleien, nicht nur der schwulen. Doch obwohl er in dieselbe Richtung geht kann „Sommer 85“ des ewig unterschätzten Francois Ozon seine eigenen Wege kerben und erzählt von zwei jungen Männern und eigentlich noch Teenagern in einem Sommer voller stürmischer Gefühle, aufregender Abenteuer, überraschender Entscheidungen und plötzlichem Tod…
„Sommer 85“ fusioniert französisches Flair mit hollywood'schen 80s-Retrovibes zu einer wirklich tauglichen und tragischen Teenage Lovestory. Über Leidenschaft und Feuer, über Gefühle und Triebe, über Hoffnung und Verlust. Ozons Farbpalette reicht weit, die Emotionen stehen dem nicht nach. Beide Jungdarsteller wirken sehr natürlich. Trotz der (Über-)Stilisierung schimmern Echtheit, Schweiss, Unsicherheit und Ungeschöntheit immer durch. Trotz vielen sexuell anrüchigen Szenen hat das immer Klasse und Niveau. Und diese europäischere Art des 80s-Retrochic hat einfach nochmal mehr Magie und Nostalgie als die mittlerweile fast schon totgerittene Amiversion. Der Soundtrack ist wild. Das Küstenflair bezaubernd. Und die Lehren fürs Leben und den Zuschauer jederzeit nachvollziehbar. Selbst wenn die Themen einem enorm bekannt vorkommen. Ozon lässt das in einem frischen, sonnendurchfluteten und teils auch überraschend morbiden (!) Licht erstrahlen. Ebenso auf den Spuren von John Hughes über Eric Rohmer oder Claire Denis bis Luca Guadagnino. Die Bandbreite und Facetten sind mitreißend. Meine Augen konnten und wollten nicht weg von der Leinwand.
Fazit: das Flair der französischen 80er ist sensationell. Die Gesichter wirken frisch und ehrlich. Die Dialoge vielleicht etwas gestelzt. Aber die Emotionen, die Romantik, die Dunkelheit trotz Sommer überall und das gebrochene Testosteron kann man fast schmecken…