Bryan Singer ließ die Fan-Gemeinde lange 3 Jahre warten und ungeduldig zappeln, bis endlich das lang ersehnte Sequel zu den „X-Men“ vollendet war. Eine lange Zeit, aber betrachtet man das Endergebnis muss man einfach sagen: Das Warten hat sich gelohnt.
Ein Aufschrei der Entrüstung und Verängstigung geht durch die Welt: ein Mutant hat versucht, ein Attentat auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu verüben und konnte nur in letzter Sekunde davor zurückgehalten werden. Der Hass auf und die Angst vor Mutanten hat neuen Antrieb gefunden. Hinter diesem Attentat steckt der Kopf einer Anti-Mutanten-Bewegung – William Stryker (Brian Cox). Er will sämtliches Mutantenleben auf der Erde vernichten…
Ein neuer Gegner, aber im Grunde genommen die gleichen Rahmenbedingungen: Die Mutanten werden als die bösen dargestellt und die X-Men müssen mit aller Kraft versuchen, das Bild über ihre Spezies wieder ins rechte Licht zu rücken. Wer jetzt denkt, dass der zweite Teil im Vergleich zum ersten einiges an dramaturgischem Gehalt einzubüßen hat, täuscht sich. Auch hier haben wir es mit einer durchaus dichten Story zu tun, die von der ersten Minute an zu fesseln weiß. Die in Teil 1 eingeführten Charaktere werden kontinuierlich weitergeführt, weiter entwickelt, sodass man immer tiefer in die Materie der „X-Men“ eintauchen kann. Wie bereits im ersten Teil wird auch in „X-Men 2“ dabei das Hauptaugenmerk auf Wolverine (Hugh Jackman) und dessen mysteriöse Vergangenheit gelegt und es wird letztlich auch aufgelöst, wie er zu dem wurde, was er ist. Eine nette Randgeschichte, die den Film noch ein gutes Stück sehenswerter und interessanter macht. Optisch bleibt Singer seiner Linie treu. Er verzichtet auf hochtrabend neue Spielereien und bleibt beim altbewährten: ordentlich gemachten Effekten, die auch jetzt noch für einen visuellen Hochgenuss sorgen. Der Cast agiert überwiegend auf dem gleichen (hohen) Niveau wie im Vorgänger: Jackman als Wolverine mimt den für den Zuschauer wohl sympathischsten Charakter, den coolen Rebellen; Halle Berry fegt als Storm gewohnt souverän über die Bildfläche; Patrick Stewart (als Xavier) und Ian McKellen (als Magneto) halten sich diesmal etwas im Hintergrund (wenngleich sie auch hier – fast – jederzeit als übermächtige Vertreter ihrer Zunft erscheinen, wenn sie denn mal Leinwandpräsenz haben); James Marsden liefert sich als Cyclops wieder einmal einige witzige Wortgefechte mit seinem ewigen Konkurrenten und Mitstreiter Wolverine und Famke Janssen als Jean Grey kommt auch so langsam aus der Reserve und überzeugt bei weitem mehr als sie es in Teil 1 konnte.
Alles in allem haben wir es hier mit einem mehr als würdigen zweiten Teil zu tun. Das Sequel überzeugt vor allen Dingen durch sein – wieder einmal – erstklassiges Drehbuch und die äußerst gelungene Weiterentwicklung der einzelnen Charaktere. Man darf auf Teil 3 gespannt sein und hoffen, dass die positive Entwicklung der Reihe fortgesetzt wird! „X-Men 2“ ist auf jeden Fall wieder einmal Popcorn-Kino vom Feinsten, das so einige andere Comic-Verfilmungen locker in den Schatten stellt! 9 von 10 Punkten!