"X-Men 2" dürfte neben "Sin City", "The Punisher", "Daredevil" und "Blade" wohl mit Abstand eine der besten Comic-Verfilmungen der letzten zehn Jahre sein. Dabei wird der Vorgänger nochmal mit einer größeren Mutantenanzahl, ausgefeilteren Story, besseren Effekten und ebenso genialen Kämpfen getoppt. Zudem schafft hier Regisseur Bryan Singer (Superman Returns) perfekt den Spagat zwischen bombastischer Effekte-Show und unterhaltsamer Handlung inklusive interessanter Charaktere.
Mutant Nightcrawler (Alan Cummings) verübt ein Attentat auf den US-Präsidenten. Damit hat Militärführer Stryker (Brian Cox) freie Hand für seine Mutantenjagd. Er will alle Mutanten töten - auch die X-Men, obwohl die sich für das Wohl der Menschheit einsetzen. Anführer Wolverine (Hugh Jackman) und seinen Gefolgsleuten gelingt knapp die Flucht vor Strykers Männern - doch ihr Mentor Professor Xavier (Patrick Stewart) geht ihnen ins Netz. Indessen gelingt Xaviers Widersacher Magneto (Ian McKellen) die Flucht aus seiner Hochsicherheitszelle. Viel Zeit, um seinen Kampf gegen die X-Men weiterzuführen hat er dennoch nicht, da Stryker auch ihn im Visier hat. Gezwungenermaßen müssen die X-Men nun mit Magneto zusammen arbeiten, um Stryker aufzuhalten...
"X-Men 2" fährt ein Staraufgebot auf, mit dem es bezüglich Comic-Verfilmungen nur "Sin City" aufnehmen kann. Allen voran natürlich Hugh Jackman (Van Helsing) als Einzelgänger Wolverine, der mir bisher am besten von den X-Men gefallen hat. Auch die erfahreneren Kollegen Patrick Stewart (Gunmen) und Ian McKellen (The Da Vinci Code) sind wieder mit von der Partie. Eine weitere wichtige Rolle innerhalb der X-Men nimmt dann noch Famke Janssen (City of Industry) ein, wenngleich sich ihr Charakter erst im dritten Teil richtig entfallten wird. Aus dem ersten Teil sind außerdem noch James Marsden (Zoolander), Rebecca Romijn (The Punisher), Anna Paquin (Army Go Home!), Shawn Ashmore (Earthsea) sowie Halle Berry (Last Boy Scout) dabei, die allesamt ihre Charaktere ordentlich verkörpern können. Der lokale Finsterling wird hier von Brian Cox (Troja) gespielt, der als militanter Mutantenjäger einen recht guten Job verrichtet, weshalb McKellen unter den Bösen in diesem Streifen nur die Nummer Zwei spielt, obwohl auch er ein doppeltes Spiel treibt. Als eine Art Bodyguard Strykers gesellt sich dann noch Kelly Hu (The Scorpion King) als scheinbar unzerstörbare Lady Deathstrike hinzu, die für Wolverine nicht nur eine ebenbürtige Gegnerin ist, sondern auch über die gleichen Fähigkeiten verfügt. Zu den weiteren Neuzugängen gehören noch Aaron Stanford (The Hills Have Eyes) als Pyro und Alan Cumming (007 - Goldeneye) als deutscher (!) Mutant Nightcrawler.
Die Effekte und Kämpfe in "X-Men 2" sind einfach der Hammer und stahlen Anno 2003 sogar den beiden "Matrix"-Sequels locker die Show. Und im Gegensatz zum Vorgänger stellt dies so was wie einen Quantensprung da, da die Effekte noch eine Nummer spektakulärer geraten und die Kämpfe noch ausgefeilter sind. Bezüglich der Effekte sind die Highligts hier bei der Invasion des X-Hauptqartiers, der Wirbelsturm-Verfolgungsjagd in der Luft und dem Finale am Staudamm zu vermelden. Was die Kämpfe angeht, so sind diese teilweise noch eine Nummer härter geworden, was sich vor allem in der finalen Konfrontation zwischen Wolverine und Lady Deathstrike bemerkbar macht, was gleichzeitig auch der Höhepunkt der Kämpfe darstellt. Neben dem Duell zwischen den beiden Terminatoren in "T3" wohl der beste Geschlechterkampf aus dem Fortsetzungs-Jahr 2003. Auch die Fähigkeiten der Mutanten kommen richtig zu Geltung. Am besten kommen hier Mystiques Verwandlungskünste, Pyros "heißer" Ausraster, Wetterhexe Storm mit ihren Tornados sowie die stählernen und einschneidenden Kräfte von Wolverine und Deathstrike weg. Von der Atmosphäre her gestaltet sich "X-Men 2" recht düster und hart, auch wenns noch im Rahmen der 12er-Freigabe bleibt. Doch auch tragische, romantische und humorvolle Aspekte findet man hier mehr als genug vor. Die Handlung wird von Bryan Singer geschickt und abwechslungreich erzählt, und lässt sogar politische und rassistische Anspielungen mit einfließen. Zugleich schafft er es perfekt das Sequels mit dem Vorgänger zu vergnüpfen und die Schienen für den dritten Teil zu legen. Außerdem hat "X-Men 2" ein recht hohes Spannungspotential und einige Insider-Gags vorzuweisen. Ein deutlicher Pluspunkt ist dann auch die musikalische Untermalung, da sie für die temporeichen Actionsequenzen den nötigen Drive besitzt, aber sich auch in ruhigere Momente passend einfügt. Auch ist "X-Men 2" keine One-Man-Show a'la "Blade", sondern vielmehr ein großes Starensemble wie "Sin City". Dabei gelingt es Singer das Kunststück keinen der unterschiedlichen Charaktere in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen und den Überblick über diese Ansammlung von Mutanten zu behalten. Freilich erhalten die storytechnisch wichtigeren Figuren (Wolverine, Xavier, Magneto, Jean) mehr Screentime, doch auch die Randfiguren (Bobby, Pyro, Rogue, Colossus) haben ihre Momente.
Somit stellt "X-Men 2" eine der besten Comic-Verfilmungen und zugleich abwechslungreiche Unterhaltung pur da. Da man bei den X-Men auch nicht auf eine einzige Heldenfigur angewiesen ist, wären sogar noch langjährige Fortsetzungen mit sich beständig verändernden Mutantenteams möglich. Demnach also gut möglich, dass die X-Men durchaus eine ernsthafte Konkurrenz zu James Bond, Star Trek und Godzilla, drei der langlebigsten Filmreihen, werden könnten.