Review
von Leimbacher-Mario
Brei is the Limit
Großspuriges Heimkino, währenddessen man ohne Gewissensbisse seine Steuererklärung machen kann. In diese Kategorie fällt Netflix' „Project Power“. Leider. Ehrlich gesagt für mich sogar ein milder Kandidat für die „Worst of“-Liste des Jahres. Und das ist dann wirklich böse und enttäuschend - selbst wenn die Erwartungen schnell runtergedrosselt wurden... In „Project Power“ gerät eine Pille/Droge in den Umlauf, die einem für 5 Minuten unfassbare Fähigkeiten und Kräfte verleiht. Von undurchdringlicher Haut über extreme Kraft bis hin zu thermaler Anpassung (a la der menschlichen Flamme oder Elsa) kann alles dabei sein, nicht selten auch mit tödlichen Auswirkungen oder Nebenwirkungen...
„Project Power“ wirkt von seiner Art, dem Marketing und den Vibes ähnlich wie „Bright“ oder „6 Underground“ - groß, laut, teuer. Typischer Netflix-Blockbuster halt. Nur leider ist der neue „Superkräfte-Actioner“ irgendwo zwischen „X-Men“ und „Limitless“ das perfekte Beispiel, dass diese Gattung oft leider weder die Massen an Cash der Produzenten noch die Zeit der Zuschauer wert ist. Selbst wenn das böse und verallgemeinernd klingt - „Project Power“ ist in jeder seiner Poren eine Enttäuschung. Erst recht, wenn man die Idee und Prämisse eigentlich ganz geil findet. Wie ich. Das gesamte Endprodukt wird dadurch dann nur noch ärgerlicher und frustrierender. Jamie Foxx hat Charisma und kann das natürlich auch in einem solchen seelenlosen Autopilot-Projekt nicht abstellen. JGL mag ich ebenso, die Neuentdeckung Dominique Fishback darf gerne mehr machen. Außerdem werden die meisten Effekte dem Budget und Anspruch gerecht, der urbane Soundtrack rollt manchmal gut los und als stumpfer Actioner, der im Verlauf immer dümmer und goofier wird, kann man sich das geben. Wenn gerade Leerlauf ist oder man Hintergrundberieselung braucht. Guckt man aber nur minimal genau hin und lässt seine Ansprüche nicht ausschließlich in Bodennähe, dann kann dieses kraftlose Projekt alles andere als überzeugen. Alles wirkt arg artifiziell und unausgeglichen, wirklich unübersehbar ein Film eines Komitees, quasi ein Anti-Leidenschaftsprojekt. Die Figuren bleiben blass, die Fähigkeiten und deren Zufälligkeit passen irgendwann einfach nicht mehr und werden nach Belieben genutzt, die Handlung ist einem egal, die Rapeinlagen darf man durchaus peinlich (oder neudeutsch: cringy) nennen, die Schnitte sind hektisch, der Showdown ist nur Schein, null Sein, fast schon lächerlich, wenn's nicht auch traurig wäre. „Project Power“ ist eine einzige große vergebene Chance. Und ich hatte echt keine gute Zeit.
Fazit: eine coole Idee, ein möchtegern-cooler Film. Schneller vergessen als man über „Netflix muss mehr Qualität statt Quantität machen“ nachdenken kann. „Project Power“ ist seichteste und gleichzeitig sauteure Unterhaltung, die für einen Freitagabend nach einer anstrengenden Woche noch gerade ebenso klar geht und nie tödlich weh tut. Dafür aber erstaunlich öde geworden ist. Und insgesamt ist das dann doch ziemlich deutlich zu wenig. Für all die Ressourcen und Beteiligten erst recht. Das kann doch diesen Leuten nicht reichen, oder!?