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Lehrbuch S. 154: späte Sequels


Ich war immer eher der „Bill & Ted“-Fan als der „Waynes World“-Typ. Dennoch stand ich mit gehörig Skepsis da, als es hieß, dass „Bill & Ted 3“ nun wirklich passiert. Und erste Bilder und Trailer ließen das jetzt nicht direkt in Begeisterung umschlagen. Außerdem sind (zu) späte Fortsetzungen und Reboots, die (in letzter Zeit) richtig in den Sand gesetzt wurden, einfach erschreckend in der Überzahl, wirken überholt und unnötig. Aber ich kann alle Anhänger der zwei trotteligen Dudes aus San Dimas beruhigen: „Bill & Ted Face The Music“ ist eine würdige Fortführung der Saga, sogar ein starker Abschluss der Reihe und ein sehr spaßiger Trip in simplere Zeiten... Handlung: der Erfolg der Wyld Stallyns hielt nur kurz an und nun, Jahrzehnte nach ihren ersten Abenteuern durch Zeit und Raum, stehen Bill und Ted zwar immer noch Seite an Seite (inklusive ihrer zwei mittelalterlichen Prinzessinnen und mittlerweile zwei ihnen sehr ähnlichen Töchtern), doch ebenso noch immer vor der überlebensgroßen Aufgabe, nun endlich das Lied zu schreiben und auf die Beine zu stellen, das die Menschheit vereinen und „in tune“ bringen soll. Doch als sie es wieder einmal nicht hinbekommen, die Zeitebenen schon zu schwanken beginnen und nur noch wenige Minuten übrig sind, kommt ihnen DIE Idee: sie wollen den Song einfach von ihren zukünftigen Ichs „stehlen“ und so die Prophezeiung erfüllen...

„Bill & Ted 3“ hätte richtig in die Hose gehen können, tanzten doch sogar schon die beiden Vorgänger geschmacklich zu ihrer Zeit auf mehreren messerscharfen Rasierklingen und schien der Humor immer sehr „aus der damaligen Zeit“. Zudem sind Reeves und Winter nun wirklich schon deutlich älter, hatten lange nichts mehr mit ihren Rollen zu tun und eigentlich fand „Bogus Journey“ schon einen durchaus runden Abschluss in seinen Credits. Aber all diesen Hindernissen zum Trotz: das Ding funktioniert. Und es rockt sogar. Bam! Da bin ich baff. Aber positiv. Sehr sogar. Keanu und Alex können's noch immer, wirken etwas geerdeter und weiser, vielleicht sogar sympathischer denn je. William Sadler ist wieder todschick und hat ebenfalls nichts verlernt. Samara Weaving und Brigette Lundy-Paine sind als die beiden Töchter grandiose Neuzugänge. Die Laufzeit ist knackig-zackig wie eh und je, die Riffs und Tunes laufen heiss und insgesamt hievt das Ding ein paar der besten Momente und Komponenten in die Jetztzeit bzw. stülpt sie auf eine sinnvolle Fortsetzung. Und es gibt wieder etliche verrückte Ideen und Witze, von banal-naiv über strunzdumm bis zu überraschend clever. Es rockt eine neue Generation, es wird durch die Zeit gereist inklusive etlicher berühmter Persönlichkeiten/Musiker, es geht wieder Richtung Jenseits und es sind sogar richtig erfreulich einige alte Bekannte und kleinere Säulen des Franchises mit dabei. Von Insidern und Easter Eggs will ich gar nicht erst anfangen. All das lässt mich als langjährigen Fan mehr als nur ein paar mal mehr als nur schmunzeln. Mir gefällt Nummer 3 sogar glaube ich besser als „Bogus Journey“. Und die positive Energie und Stimmung, mit der diese gelungene Nummernrevue übersprudelt, lässt sich einfach nicht ignorieren oder wegreden. Und gerade in einer solchen oft scheinbar sehr hasserfüllten, geteilten Zeit und Gesellschaft, kann man zwei Typen wie Bill und Ted einfach nicht hoch genug schätzen. Sie sind echte, gutherzige Vorbilder - vielleicht gleichzeitig die dümmsten und besten, die man haben kann. 

Fazit: unverhofft kommt oft! „Bill & Ted Face The Music“ nimmt viele geliebte Elemente seiner Vorgänger zusammen, modernisiert sie und bringt die Trilogie zu einem wunderbaren Abschluss. Sehr süß. Naiv, bunt, lustig. Genau das, was Fans wollen. Und gerade momentan mehr denn je brauchen. Macht die Welt ein Stückchen besser :) Be excellent to each other! 

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