Review

Staffel 1 - 7/10

Staffel 1


Viren haben keinen Zeitdruck

Draußen grassiert Corona, drinnen werden Serien geguckt wie noch nie zuvor - sind halt nicht alle Verlierer in dieser schweren Krisenzeit. Und mittenrein kam mit „Sløborn“ eine neue ZDF-Serie geplatzt, die nicht akuter und passender sein könnte... Es grassiert nämlich auch dort ein neuartiger Virus, der jedoch um ein Vielfaches gefährlicher und tödlicher ist, als was wir gerade in echt durchmachen. Und mitten in dieser anrollenden Katastrophe folgen wir etlichen Figuren der titelgebenden, fiktiven Inselgemeinschaft zwischen Angst, Kampf und Katastrophe...

Was mir an der gruselig pünktlichen und passenden Serie bzw. ihrer ersten Staffel gut gefällt und was mir noch etwas Bauchschmerzen macht?! 

TAUBENGRIPPE
+ solide Jungdarsteller
+ zeigt sehr gut unverantwortliches, egoistisches und unüberlegtes Verhalten
+ aktueller und „realistischer“ könnte das Thema kaum sein 
+ etliche Aspekte einer Pandemie vorausgesehen; unfassbare Parallelen zur Realität (von Leugnern über Horder bis zu Masken, Abstand, Lockdown)
+ verschiedene Meinungen und Ansichten werden widerspiegelt
+ hochwertiger, düsterer Look
+ imaginäre Insel wirkt echt und denkbar 
+ gute Kamerarbeit 
+ nicht zu gestelzte Dialoge 
+ nahezu internationales Niveau 
+ „Sløborn“ = (effektiver) Slowburn?!
+ hochkarätige Darsteller 
+ internationaler Appeal (wirkt selten wie eine typische Serie der Öffentlich-Rechtlichen)
+ durchaus denkbar, durchaus angsteinflössend 
+ nicht zu lange Staffel und Folgen
+ scheut sich nicht mal härter zu werden 
+ Alexander Scheer bzw. seine erfrischende Figur
+ beeindruckende Beteiligung der echten Polizei und Bundeswehr 
+ wertet kaum, lässt einen eigene Schlüsse ziehen 
+ schöne Landschaftsaufnahmen 

CORONA
— manchmal etwas plakativ und oberflächlich 
— oft frustrierendes Figurenverhalten (gerade gegen Ende) 
— ziemlich kritisch und streitbar gegenüber Politik und Wissenschaft, aber auch dem Volk und den Figuren selbst
— oft dann doch Klischees (Badboy, Schreiberling, Rebellin, gewalttätiger Vater usw.)
— man muss langsamen Aufbau mögen; wirkt oft etwas auf der Stelle tretend 
— letzten Episoden werden schwächer und wirken etwas antiklimaktisch
— massiv große Neugier auf eine zweite Staffel ist bei mir jetzt nicht da 
— manche Darsteller und Dialoge wirken leider doch etwas steif 
— einige Figuren und Nebenschicksale noch komplett im Dunkeln/in der Luft 

Fazit: durch den angsteinflössend idealen Zeitpunkt gewinnt „Sløborn“ natürlich nochmal extrem. Aber auch sonst ist die deutsche Serienentdeckung ein solide spannender Ausflug in das innerliche wie äußerliche Inselleben während der virale Ausnahmezustand bzw. vielleicht sogar die Apokalypse anbricht... Absolut nicht Spitzenklasse, gerade die letzten Folgen sorgen für einiges an Frust und Unverständnis, aber insgesamt doch ein aktueller und fast schon bizarr prophetischer Must-Watch des Corona-Sommers! (7/10)

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