Aufgrund seiner weiteren Besetzung mit u.a. Ron Perlman und Malcom McDowell sowie auch (und vor allem?) dem zuständigen Regisseur Scott Wiper und dessen bisherigen Schaffen leidlich aus dem durchaus größeren Angebot an DtV-'Action' während der Sommermonate ab Juni herausstechendes Werk, welches allerdings durch seinen eigentlichen Hauptdarsteller schon wieder Wermutstropfen noch und nöcher und nicht gerade Vorfreude Deluxe erhält. Den (nicht) titelgebenden The Big Ugly gibt nämlich stilecht Vinnie Jones, welcher sich nach einem durchaus guten Beginn der zweiten Karriere als 'Filmschauspieler' auf immer ein und denselben Ausdruck, irgendwie auch den gleichen Charakter und stets schlechter werdenden Filmemacher bzw. deren mehr als mäßigen Produkte ausruht und nicht gerade als verlässliche Bank bei dem sowieso darbenden Actiongenre gilt. 'Dank' Corona und seiner Auswirkungen auch auf das Filmgeschäft ist die Arbeit hier aber sogar als Limited Release in den Kinos gelaufen, in den Top Five; ob die Veränderung der Branche damit auch gute Auswirkungen hat und mal andere Erzeugnisse in die Aufmerksamkeit spült? Oder dieses eine Ergebnis gut für alle Beteiligten, außer dem des Zuschauers ist?:
Im Auftrag des britischen Gangsterbosses Harris [ Malcolm McDowell ] begleitet ihn seine rechte Hand Neelyn [ Vinnie Jones ] mit ins ländliche USA, um dort einen Öldeal mit dem lokalen Preston [ Ron Perlman ] abzuschließen, wobei das Geschäft für den letzteren den dringend benötigten Kredit bedeudet und für den ersteren eher so die Sorte Geldwäsche ist. Neelyn hat seine Freundin Fiona [ Lenora Crichlow ] dabei, die allerdings nach der ersten Nacht verschwunden ist, ihm vorher eine merkwürdige Nachricht in höchsten Angsttönen auf das Mobiltelefon gesprochen hat und auch nur noch tot aufgefunden ist. Zuletzt hat sie Prestons Sohn 'Junior' [ Brandon Sklenar ] gesehen, der zwar auch unter dem Schutz vom Vater steht, aber das Neelyn selber bald nicht mehr interessiert.
McDowell, Perlman und Jones sind alle am Film beteiligt, hinter den Kulissen, als Producer oder Executive Producer, sie haben alle ein Interesse am Gelingen, sie haben alle ein Pferd im Rennen. Im Film selber ist das ähnlich aufgebaut, mehrere Geschäftsstrukturen, mehrere Beteiligte, manche sitzen oben und damit auch in der Verantwortung und in der Gefahr der Aufmerksamkeit anderer, andere weiter unten, machen die Drecksarbeit, für Andere, aber werden und dies Mal zum Vorteil und mal auch zum Nachteil auch gerne mal übersehen. "Good men do bad things. Bad men do good things. Tricky game, tyring to label a bloke with a title."
Dass hier kein freundschaftlicher Besuch gereifter Männer von einem Kontinent zum nächsten ansteht und hier nicht nur die Hände geschüttelt und der Alkohol geschwenkt wird, sieht man schon vor dem Beginn der Geschichte, an ihrem angedeuteten Ende, einer Konfrontation mit Schusswaffen im Dickicht des umgebenden Waldes nämlich. Man hört es bei der Einleitung "God. Land. Oil. It's often said war is waged over just these three. Yet, if war is fought over land, that land usually has something to do with God, or oil. I didn't come here to West Virginia for God.", die schon die Kriegserklärung oder zumindest das Ausstellen der Möglichkeit des Ausbruchs eines Krieges in sich hat. Man ahnt es beim Eintreffen aller Beteiligten, nein, gar schon vorher, bei den Einen bei der nervösen Anreise, bei den Anderen beim Warten am Landeplatz. Und spätestens, wenn dann noch ein anwesender Gesetzeshüter eine Schatulle mit Geld in Empfang nimmt, weiß man, dass das kein gutes Ende nimmt und bald die Hölle hier in diesem gottverlassenen Nest ausbricht. Die Leute sind auch alle drüber, müssen sich und anderen ständig was beweisen, kein Wunder, dass sich schon kurz nach Ankunft in der Bar geprügelt wird und dahinter die Frauen anderer Männer 'beglückt'. Eines der Geschehnisse dort und in und nach der Bar ist dann anders als Land und Gott und Öl auch der Grund, warum eigentlich der Krieg ausbricht.
"In the spectrum, on the far end of where we operate, the bad men, they know the difference between dark shades of grey and pitch black. They see it, smell it, and they feel it. And Junior...he's pitch black.And after all the shit I've done in my life, if I can't stop a beast like him, then what's my purpose?"
Regisseur und Autor Wiper erzählt diese Geschichte als Suche, nicht nach dem Ereignis selber, welches nur einige wenige Minuten ausmacht, sondern dem Andeuten des Lebens davor und des Zeigens des Lebens danach, die Veränderung, die eintritt, das Bewegen eines Mannes von außerhalb in einem Land und einer Gesellschaft, die nicht seines ist und wo er auch nicht dazugehört. Er, der zuvor schnell getötet hat und schnell gewalttätig wurde, wird nun selber und wohl auch das erste Mal überhaupt mit den Auswirkungen und einem Verlust konfrontiert; was ihn einerseits lähmt und andererseits auch vollends loslöst, gibt es nun nichts mehr zu beachten und nichts mehr zu verlieren. Dabei stoßen die Engländer, die Briten, er vor allem auch auf zwei böse Überraschungen: Die Amerikaner sind trinkfester, und sie prügeln auch besser.
Die Amerikaner sind auch diejenigen, denen das Land hier gehört, schön in der Natur, mit vielen weiten grünen Flächen, mit meilenweit Feldern und mit baumsatten Wäldern. Die Gegend selber ist ärmlich, weitab der Zivilisation, in denen das Weltgeschehen vonstattengeht, isoliert fast auch, und so erzählt Wiper auch seine Geschichte und so führt er auch Regie. Action ist das nicht, eher eine Zustandsbeschreibung in Blut, und Schweiß, und Staub und Bourbon, slow-burning, eingangs sogar holpernd und stolpernd, dann mit plötzlich guten und alles verbindenden Momenten und Elementen, mit Worten, mit Gedanken, in Ruhe, als Beschreibung eines Zustandes eben, der schon lange so da (und sogenanntes White Trash mit vielen Karohemden und -blusen) ist und auch so schnell nicht vergeht.