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Mechagodzillas zweiter Leinwandauftritt sorgt in vielerlei Hinsicht für eine Zäsur innerhalb der Franchise. Es sollte der letzte Eintrag in die Shōwa-Ära werden, die sich über 15 Filme und mehr als zwei Dekaden erstreckte. Ferner sollte es der letzte Auftritt Godzillas für volle neun Jahre sein. Es war auch der letzte Godzilla-Beitrag von Urvater Ishirō Honda sowie seine letzte vollwertige Regiearbeit überhaupt. Und nicht zuletzt hat es seit King Ghidorah in „Befehl aus dem Dunkel“ (1965) kein Monster mehr gegeben, das in zwei Filmen hintereinander die behütete kleine Welt der Japaner und ihrer liebsten Riesenechse aufgemischt hat.

Vielleicht gab es auch keinen Film, der sich deutlicher zum Sequel-Prinzip bekannt hat als dieser. Freunde der „Rocky“-Saga werden sich jedenfalls gleich heimisch fühlen. Wo deren Fortsetzungen gerne mal eine Montage mit allen Highlights aus dem Finalkampf des jeweiligen Vorgängers unter den Vorspann legten, um die Emotionen des Zuschauers vom Start weg aufzukochen, da bekommen wir bei „Die Brut des Teufels“ in gleicher Manier einen Zusammenschnitt der zerstörerischsten Momente aus Jun Fukudas Vorgänger geboten. Dramatische Musik, Freeze Frames und Farbverfremdungen lassen das hitzige Aufeinandertreffen der Kolosse noch einmal Revue passieren, mit all der ungedämpften Brutalität, mit der sich das Blech-Ungeheuer seinem Gummi-Zwilling vor einem Jahr in die Bahn warf. Und als Kaiju weißt du: Wenn Ishirō Honda höchstpersönlich deine jüngste Zerstörungsorgie für die Eröffnung seines neuesten Godzilla-Abenteuers wiederverwertet, dann hast du es wohl in den Kanon der wichtigsten Antagonisten geschafft. In Mechagodzilla hat Godzilla ab sofort einen neuen Erzfeind.

Für Honda jedenfalls bedeutet der von Minute 1 an verhältnismäßig düstere Anstrich eine Rückkehr zum Publikum der (kindlichen) Erwachsenen, hatte er doch zuletzt mit „Attack All Monsters“ (1969) noch ein waschechtes Kindermärchen für eine völlig andere Zielgruppe inszeniert. Der Abschied fällt nun vergleichsweise grimmig aus, was wohl auch an den kleinen Menschlein liegt, die im Hintergrund der Story ihr Drama auswalzen, das im Kern allerbester Bühnenstoff wäre: Liebe, Täuschung und Verrat mit einem Dressing aus Science-Fiction. Ungewöhnlich ambitioniert gibt sich das Drehbuch dabei, indem es Mensch-Maschine-Philosophie auf den Plan bringt und das Schicksal der halb mechanischen, halb organischen Riesen unmittelbar mit dem Schicksal derer verknüpft, die aus der Distanz Zeuge ihrer Zerstörung werden. In der Folge begreift man die Monster-Action als das voluminöse Schattenspiel kleiner Schausteller, die vor einer Lichtquelle mit vergrößernder Wirkung eine humanistische Tragödie vortragen von Menschen, die mit dem Menschsein hadern und Nicht-Menschen, die das Menschliche nicht zu begreifen imstande sind. Erwartet hätte man in dieser Reihe weder solche Diskurse, auch wenn sie recht einfach vorgetragen werden, noch übrigens die Präsentation eines Paars weiblicher Brüste, auch wenn es sich dabei augenscheinlich bloß um Prothesen handelt – seltene Ausblicke in einer Reihe, die sich normalerweise mit dem primitiven Vergnügen abfindet, Godzilla immer wieder gegen neue Rivalen antreten zu lassen und dabei möglichst viele Miniatur-Landstriche zu zerstören.

Nicht, dass nicht auch derartige Standards gewahrt blieben. Diesmal darf der mächtige Titanosaurus seine 80 Minuten Ruhm genießen, eine Kreatur, die ähnlich wie der unglückselige Anguirus ausnahmsweise mal wieder seine Inspiration aus dem Reich der Dinosaurier bezieht. Wenn man so möchte, handelt es sich um eine Mischung aus Mosasaurus, Apachosaurus und Spinosaurus, die aus Sicht der Evolutionslehre mit äußerst fragwürdigen Details im Design ausgestattet ist – einer geteilten Schwanzspitze mit integrierter Schwimmhaut etwa, die nicht gerade stark genug aussieht, um den massigen Körper durch das Wasser zu bewegen. Während Drehbuchautorin Yukiko Takayama das banale Alien-Welteroberungs-Originalkonzept von Jun Fukuda mit durchaus interessantem Subtext aufzuladen weiß und dem Mecha 2.0 somit zu einem reichhaltigen Hintergrund verhilft, scheint sie mit dem obligatorischen dritten Monster im Bunde nicht viel anfangen zu können. Recht unmotiviert schiebt es sich immer mal wieder in das Mirror Match der beiden Platzhirsche und macht ein wenig Radau, aber im Grunde ist von Anfang an klar, dass man hier dem dritten Rad am Wagen beim Rollen zuschaut. Kein Vergleich mit King Caesar, der als Wächter der Erde immerhin maßgeblichen Anteil an der spirituellen Atmosphäre in Fukudas Werk hatte. Wer sich dagegen so entbehrlich macht wie Titanosaurus, muss sich nicht wundern, dass er anschließend in der Versenkung verschwindet und allenfalls noch sein Portrait beim Klassentreffen „Final Wars“ kurz durch die Menge gereicht wird.

Da schaut man schon lieber der zweiten Edition der Titanium-Killermaschine zu, die durch ihre Reproduzierbarkeit praktisch eine ganz neue Dimension der Bedrohung in die Serie einbringt: Was zerstört ist, bleibt zerstört, doch solange es Außerirdische gibt mit genug Hass auf die Menschheit und ausreichenden Titanium-Vorräten im Lager, so lange wird Mechagodzilla ein Dorn im Auge seines Lebend-Modells bleiben. Es sind weniger die dezenten Anpassungen in Design und Ausstattung, die ihn interessant bleiben lassen, sondern vielmehr das, was ihm inzwischen ins Oberstübchen eingepflanzt wurde. Es verknüpft ihn auf kognitiver Ebene mit der Tochter des Wissenschaftlers, der sich mit den außerirdischen Invasoren verbrüdert, um seiner eigenen Art eins auszuwischen. Durch seine Steuer- und Modifizierbarkeit erweist sich Mechagodzilla dabei als zukunftssicher genug, um seinem Pendant durch alle Perioden der Reihe zu folgen.

Obwohl im Vergleich mit dem Vorgänger gefühlt mehr Karambolage geboten wird und auch die interessantere Story, bleibt nach dem finalen Triumph des Königs der Monster ein leicht unbefriedigendes Gefühl zurück. Vielleicht, weil retrospektiv für das Ende einer Epoche zu wenig Epochales geboten wird. Vielleicht aber auch, weil die ganz großen Momente des unbeholfenen Humors fehlen. Nur weil ein paar dramatische Töne auf der Klaviatur angeschlagen werden und Fragen zur Selbstidentität gestellt werden, reden wir schließlich immer noch nicht unbedingt über einen Shakespeare. Ein wenig Fisch, ein wenig Fleisch, ein wenig Titanium – „Mechagodzillas Terror“ verabschiedet sich unentschieden in den Winterschlaf und hinterlässt zwiespältige Gefühle, die schließlich zu einer völligen stilistischen Veränderung der Marke führen würden.

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