Review

GODZILLA No. 15

DIE BRUT DES TEUFELS

(MEKAGOJIRA NO GYAKUSHÛ)

Ishirô Honda, Japan 1975

Vorsicht – das folgende Review enthält SPOILER!

Weiter geht’s mit den Godzilla-Filmen der Tōhō-Studios, und damit bin ich auch schon beim letzten Streifen aus der Shōwa-Ära des Großen Grünen. Die Reihe war seinerzeit so schwer ins Trudeln geraten, dass man sie eigentlich kaum noch retten konnte – ihre offensive Hinwendung zu einem sehr jungen Publikum hatte möglicherweise mehr alte Fans gekostet als neue rekrutiert, einen radikalen Kurswechsel wagte niemand in Angriff zu nehmen, die Würde des Titelmonsters und seiner Berufskollegen war angeschlagen und die Konkurrenz durch das neue Medium Fernsehen bereitete den Produzenten nach wie vor erhebliche wirtschaftliche Sorgen. Nichtdestotrotz war man Anfang 1975 im Hause Tōhō noch recht zuversichtlich: Der im Jahr zuvor erschienene Godzilla gegen Mechagodzilla aka King Kong gegen Godzilla hatte sehr wohl ein paar Yen eingespielt, und nun glaubte man nachlegen zu können, indem man Altmeister Ishirô Honda persönlich auf den Regiestuhl beorderte (wo er nach dem allseits verachteten Godzilla: Attack All Monsters noch etwas gutzumachen hatte) und sich ein weiteres Stück zurück in ernsthafte Gefilde begab. Aber das sollte nicht mehr funktionieren.

Wiedersehen macht Freude ... und so sehen wir zu den ausgedehnten Opening Credits eine Vielzahl von Ausschnitten aus dem Finale des Vorgängerfilms Godzilla gegen Mechagodzilla – das nimmt man gern mit. Im Übrigen ist es sogar absolut legitim, denn Die Brut des Teufels (verblüffenderweise ohne Betrugsversuche mit den Namen „Frankenstein“ oder „King Kong“ im deutschen Titel, im Original Mekagojira no gyakushû, sprich „Mechagodzillas Gegenattacke“), Die Brut des Teufels also versteht sich als direkte Fortsetzung von Godzilla gegen Mechagodzilla und knüpft auch sofort an diesen Streifen an. Und zwar so: Das U-Boot „Akazuki“ beziehungsweise seine Besatzung ist auf der Suche nach den Überresten von Mechagodzilla, die nach seiner Niederlage gegen Godzilla im Meer gelandet waren. Die Mission wird jedoch zum vollendeten Misserfolg – zunächst sind null Überreste zu finden, obwohl man an der richtigen Stelle sucht, und dann kreuzt auch noch ein bislang unbekannter urzeitlicher Saurier auf und zerlegt das U-Boot samt Besatzung. Die Verantwortlichen, die hier von Interpol (!!) gestellt werden, sind ratlos. Hilfe verspricht man sich vom hinzugezogenen Biologen Akira Ichinose, aber der kann auch erst einmal nicht mehr tun, als sich an einen gewissen Dr. Shinzô Mafune zu erinnern. Mafune war einst ein gefeierter Wissenschaftler, wurde aber verlacht, gefeuert und verstoßen, als er die Entdeckung eines im Meer lebenden Untiers namens „Titanosaurus“, über das er auch noch die Kontrolle haben wollte, bekannt gegeben hatte. Seither ward nie wieder von ihm gehört. Untätig war er jedoch nicht: Auf einer einsamen Insel hat er seine Forschungen fortgeführt, um eines Tages Rache an der Menschheit nehmen zu können. Und dieser Tag steht schon vor der Tür: Dank der Hilfe eines geheimnisvollen Sponsors glaubt sich Doktor Mafune am Ziel seiner Wünsche und will den Titanosaurus auf einen Vernichtungsfeldzug schicken. Nun aber geben sich seine Sponsoren zu erkennen: Es sind ... Außerirdische! (Stöhn – wir hatten es geahnt.) Genau genommen sind es aber noch immer die gleichen Außerirdischen, die schon im Vorgängerfilm die Weltherrschaft übernehmen wollten und nun in einer neuen, irgendwo im Ödland versteckten Höhle das „Hauptquartier“ ihres Vorkommandos eingerichtet haben. Ihr nunmehriger Chef, der fiese Mugal, klärt Doktor Mafune und uns auch gleich über ein paar Einzelheiten auf: Die Aliens kommen vom Planeten „The Black Hole“ (!), der bereits „im Anflug“ sei (!! – Himmel, was für ein Unsinn!), und wollen unsere Erde nach der Ausrottung der Menschheit etwas schöner und freundlicher gestalten. Das „Dilemma“ dieser Menschheit bringt Mugal dabei kurz und knapp auf den Punkt: „Verunreinigung und Verwirrung.“ (!) Um die Erde möglichst gründlich reinigen und entwirren zu können, haben die Aliens inzwischen einen neuen Mechagodzilla gebaut (nun wissen wir auch, wer den Schrott des alten vom Meeresboden aufgesammelt hat), der allerdings noch nicht einsatzfähig ist – um ihn „beleben“ zu können, benötigt man noch das von Doktor Mafune für seinen Titanosaurus entwickelte „Tierkontrollsystem“ (mein Gott – was sind denn das für traurige Welteroberer ...?). Doktor Mafune findet’s aber prima und freut sich über die mechanische Unterstützung, die seinem Dino beim Feldzug gegen die Menschen in Aussicht steht. Und so hilft er fleißig bei der Fertigstellung des neuen Mechagodzillas mit.

Ichinose und der Interpol-Agent Jiro Murakoshi begeben sich nun zu Doktor Mafunes Anwesen, um mit ihm über seine einstige Entdeckung, der man die Vernichtung des eingangs erwähnten U-Boots zuschreiben könnte, zu reden. Sie treffen aber nur des Doktors Tochter Katsura an, die kurz angebunden mitteilt, dass ihr Vater bereits vor fünf Jahren verstorben sei. Das ist, wie wir wissen, erstens dreist gelogen, hindert zweitens Ichinose aber nicht daran, sich sofort in Katsura zu verlieben. Nachdem ein zweites Treffen mit ihr weder in der einen noch in der anderen Sache zu einem nennenswerten Ergebnis geführt hat, macht sich Interpol an den Bau und die Entsendung eines neuen U-Boots, damit man den mysteriösen Saurier einmal persönlich kennenlernen kann. Immerhin meldet sich Katsura, die sehr wohl in das Treiben ihres Vaters involviert ist, nun bei Ichinose, um ihn vor der geplanten Tauchfahrt zu warnen. Aber darauf hört er natürlich nicht. Da Katsura auch etwas für ihn zu empfinden scheint, versucht sie’s noch ein weiteres Mal, wird aber gewaltsam vom stellvertretenden Alien-Chef daran gehindert – ein guter Zeitpunkt, um noch etwas mehr über sie zu erfahren: Einst ist sie nämlich während der familiären Forschungen von einem Stromschlag dahingerafft, anschließend aber von den Aliens mit ein paar Ersatzteilen versehen und reanimiert worden. Katsura ist also ein Cyborg. Interpol und Ichinose unternehmen nunmehr ihren Tauchgang, begegnen in der Tat dem Titanosaurus persönlich und geraten prompt in höchste Not (dass das Unternehmen nicht gut ausgehen kann, hätte man aufgrund des zerlegten ersten U-Boots eigentlich wissen sollen ...). Nur ein Zufall rettet sie: Die Töne beziehungsweise Schallimpulse des Sonars vertreiben den Dino – er mag sie nicht. Nun hat man zumindest eine Waffe gegen ihn entdeckt und macht sich sogleich an den Bau eines „Supersonars“.

Katsura, die inzwischen wieder voll auf den Alien-Kurs programmiert wurde, trifft sich derweil mit Ichinose, um ihn ein wenig auszuhorchen, und ja, er berichtet sogleich von der neuen Wunderwaffe. So unternimmt Katsura bald darauf einen weiteren Ausflug und macht den kurz vor seiner Fertigstellung stehenden Supersonar unschädlich. Genau den hätten die Menschen jetzt aber dringend benötigt: Doktor Mafune hat nämlich ohne Rücksprache mit seinen Alien-Kompagnons den Titanosaurus von der Leine gelassen, und der beginnt munter und unbeeindruckt vom Beschuss durch die japanische Spielzeug-Armee Tokio zu zerlegen. Dann aber kreuzt ohne gesonderte Einladung Godzilla auf – mit dem finstersten Blick seiner gesamten Karriere. Zu einem echten Kampf zwischen ihm und dem Titanosaurus kommt es jedoch nicht, da wenige Augenblicke später Katsura im Zuge ihrer Nacht-und-Nebel-Aktion von patrouillierenden Soldaten erschossen wird, was den (wohl über sie gesteuerten) Titano zur Ruhe bringt. Die Monster machen erst einmal Pause.

Katsura aber kann gar nicht erschossen genug sein, um nicht erneut von den Aliens zurück ins Leben geholt werden zu können – nur ist der Eingriff, den man jetzt an ihr vornimmt, noch etwas umfangreicher als bei der ersten Revitalisierung. Damit der neue Mechagodzilla endlich einmal in Aktion treten kann, benötigt er nämlich ein „intaktes menschliches Gehirn“ (!), und da sich Katsura in dieser Sache gerade nicht abschlägig äußern kann (ihren Vater fragt man erst gar nicht), wird nicht nur ihr Brustkorb mit allerlei frischer Grobmechanik versorgt, sondern auch ihr Gehirn zum „Kontrollzentrum“ des Mechagodzilla-Neubaus umfunktioniert.

Und dann kann’s endlich losgehen – Mechagodzilla Nummer zwei und der Titano machen sich daran, Tokio den Rest zu geben, geraten aber schnell an Godzilla, der sich pflichtschuldig und mies gelaunt zum Dienst meldet. Zunächst ist er allerdings der Übermacht zweier Gegner nicht wirklich gewachsen und gerät schwer in Bedrängnis – an dieser Stelle müssen auch die Menschen ausnahmsweise einmal mit anpacken. Sie tun’s, indem sie dem Titano einen Sonarwellen-Empfänger in den Kopf schießen und dann mit dem inzwischen einsatzfähigen Supersonar ebendiese Wellen beziehungsweise Schallimpulse aussenden, woraufhin der Beschallte auf lange Sicht andere Sorgen hat, als sich mit Godzilla zu prügeln. Während der Titano genervt durch die Gegend hüpft, wird’s zwischen Godzilla und seinem zweiten mechanischen Ebenbild jedoch wieder richtig brachial – wenn der Letztere sein ganzes Gadget-Arsenal abruft, brennt der Bildschirm oder die Leinwand wieder genauso atemberaubend wie im Finale des Vorgängerstreifens. Die Menschen dürfen aber immer noch mithelfen: Murakoshi dringt in die Alien-Zentrale ein, wo sich der inzwischen durch eigenes Verschulden von den Aliens gefangen genommene Ichinose gerade befreien kann, und Katsura hat noch genügend menschliche Regungen, um die Verwerflichkeit ihres Mechagodzillakontrollzentrumsdaseins zu erfassen ... Chaos und Drama: Katsura bittet Ichinose, sie zu erschießen, um dem Mecha-Spuk ein Ende zu bereiten, dieser weigert sich selbstredend, Interpol und Invasoren geraten aneinander, in den entstandenen Wirren wird Doktor Mafune versehentlich erschossen (da ist das Skript ganz konservativ) und Ober-Alien Mugal kann hämisch lachend fliehen.

Katsura aber muss die Sache respektive die Waffe schließlich selbst in die Hand nehmen und sich erschießen, woraufhin der Mecha sein Kontrollzentrum einbüßt und daher praktisch schrottreif ist. Mit dem weiterhin schwer sonargeschädigten Titanosaurus hat Godzilla hernach erwartungsgemäß keine Probleme mehr, und noch einfacher ist es für ihn, dem Invasionsvorkommandoleiter Mugal das hämische Lachen auszutreiben: Der Fiesling kann zwar in einem von drei sehr plötzlich aufgetauchten Flucht-UFOs unterkommen, aber die werden schon nach wenigen Flugmetern von Godzillas nuklearem Atemstrahl in den Orkus gepustet. Ruhe kehrt ein, die Menschheit muss sich weiterhin mit „Verunreinigung und Verwirrung“ herumplagen und der Große Grüne watet entspannt ins Meer, das von der untergehenden Sonne in wehmütig goldenes Licht getaucht wird ...

Noch wehmütiger könnte das sein, wenn es sich als ein wirkliches Ende empfinden ließe, aber Leute wie ich, die erst nach den mittleren Achtzigern die Bekanntschaft des japanischen Kultmonsters machen durften, wissen, dass es irgendwann weitergeht, und Leute, die es unmittelbar erlebt haben, konnten noch nicht wissen, dass es (zumindest für neun lange Jahre) nicht weitergeht. Geplant war dies bekanntermaßen keineswegs (obgleich möglicherweise schon vorsichtig angedacht) – erst die schlechten Einspielergebnisse der vorliegenden Arbeit ließen Tomoyuki Tanaka und die weiteren Entscheidungsträger der Tōhō Company Ltd. einen Schlussstrich ziehen. So sollte es nicht weitergehen.

Das ist bedauerlich, denn gerade Die Brut des Teufels gehört vor allem aus objektiver Sicht ganz eindeutig zu den besseren, wenn nicht gar besten Filmen der gesamten Shōwa-Ära. Andererseits war die Reihe natürlich auch hoffnungslos auserzählt – Film für Film wurde ein neues Monster eingeführt, das sich ohne die geringste Chance auf einen Sieg mit Godzilla herumprügeln durfte, und für die Einbindung dieser Monster fand man immer weniger vernünftige Lösungen (wobei der Begriff „vernünftig“ hier in einem sehr speziellen Kontext steht ...). Bestes Beispiel ist an dieser Stelle just Die Brut des Teufels – auch hier wird wieder die maßlos ausgeleierte Idee von den Außerirdischen, deren Invasions-Vorkommando sich irgendwo in Japan versteckt und Monsterhilfe organisiert, aufgegriffen. Und obgleich das durch den Fortsetzungs-Charakter des Streifens weitgehend legitimiert ist, bleibt es, sorry, armselig. Dabei war die Tōhō, nachdem selbst ihr Stammautor Shin‘ichi Sekizawa das Handtuch geworfen hatte, um einen interessanten Lösungsansatz nicht verlegen: Man schrieb einen landesweiten Wettbewerb um das beste Skript aus. Als Gewinnerin ging mit Yukiko Takayama tatsächlich eine Frau hervor (es sollte das erste und letzte Mal sein, dass ein Godzilla-Skript weiblicher Inspiration entsprang), aber die serviert uns eben auch wieder die Aliens, was keineswegs dadurch besser wird, dass die Autorin einen Sammelbezug zu allen jemals in den Godzilla-Filmen aufgekreuzten Aliens herstellt, sprich postuliert, dass es letztlich immer die gleichen waren, die unseren Planeten übernehmen wollten. Das ist Quatsch – die früheren Invasoren waren (großzügig abgesehen vom Vorgängerfilm Godzilla gegen Mechagodzilla) anderer Natur und hatten ihre eigenen, ähm ... „Hintergrundgeschichten“. Was man Yukiko Takayama indes anrechnen muss, ist das ehrliche Bemühen um die menschlichen Akteure ihrer Geschichte und damit um Emotionalität. Mit Letzterer war es in der Reihe bislang wirklich nicht weit her – in der Regel verlief sich das Treiben der Menschen irgendwann im Nichts, das heißt, gegen Ende saßen die Helden hinter einem Busch und haben den Monstern dabei zugeschaut, wie sie sich gegenseitig durch diverse Modellbauten prügeln. Hier ist das anders, vor allem mit Blick auf die unglückliche Katsura (die freilich gegen Ende auch schon ziemlich mechanisch ist ...) – mag sein, dass ihr Schicksal auch nur aus dem Drama-Baukasten für Einsteiger zusammengebastelt ist, aber immerhin wohnt ihm eine für Kaijū-Eiga-Verhältnisse ungewohnt ernst zu nehmende Tragik inne. Dumm, wirklich dumm ist dabei nur, dass man so etwas in einem alten Shōwa-Riesenmonsterheuler eben nicht ernst nehmen kann, weil es schlichtweg in viel zu viel Unfug eingebettet ist. Schade um die fehlinvestierte Mühe, möchte man sagen, aber die Anerkennung ihrer Ambitionen sollte Frau Takayama nicht verwehrt werden.

Doch auch jenseits des Katsura- oder im erweiterten Sinn gar Katsura-Ichinose-Dramas gibt sich Die Brut des Teufels deutlich ernster als die Vorgänger – neben einigen echten Härten (wie die eiskalte, gleich an Ort und Stelle vorgenommene Exekution eines auf der Flucht gefassten Gefangenen der Aliens) und der völligen Abwesenheit von intendiertem Humor (hier gibt es nicht einmal ein paar lockere Sprüche) belegen das vor allem die Monsterkämpfe, bei denen weitgehend auf die längst gewohnten Albereien verzichtet wird (am ehesten fällt ein Fußtritt des Titanos, der Godzilla ungefähr 300 Meter weit durch die Luft schleudert, in diese Kategorie). Erfreulicherweise findet die Monsteraction zumindest in Teilen auch endlich wieder einmal ohne Stock-Footage-Betrug in einem urbanen Umfeld statt – Godzilla, sein Mecha-Nachbau und der Titano dürfen also nach allen Regeln der Kaijū-Kunst ein paar stattliche Wohnblocks zerlegen. Und das sieht wieder einmal so eindrucksvoll aus, dass man sich nicht einmal über den mehrfachen Gebrauch einer besonders aufwendigen Szene echauffieren möchte. Zum Finale allerdings stehen sich die Monster mir nichts, dir nichts wieder in der freien Natur gegenüber – dort kann man sich dann doch etwas unbeschwerter mit Strahlen einheizen und die Birnen einschlagen (oder abdrehen ...). Toll anzusehen ist das freilich auch im Ödland, zumal sich SFX-Department-Chef Teruyoshi Nakano wieder nach Herzenslust in Sachen Pyrotechnik austobt. Kritisiert werden könnte hinsichtlich des essenziellen Krawalls lediglich, dass man recht lange auf ihn warten muss: Bevor es an den Schlusskampf geht, hat nur der Titanosaurus einen kurzen Verwüstungs-Auftritt einschließlich des obligatorischen Ärgers mit der Armee. Schuld an der Verzögerung sind natürlich die unfähigen „Black Hole“-Invasoren, die bis zum Eingreifen des Zufalls einfach kein menschliches Hirn für ihren Mechagodzilla Nummer 2 auftreiben können (ehrlich gesagt war Frau Takayama beim Erfinden von Schwachsinn auch nicht gerade kleinlich ...). Egal – auch hier gilt wieder „Klasse vor Masse“, und die Zeit vor und zwischen den Monsterauftritten kann das normale, sprich menschliche, semikybernetische und extraterrestrische Personal allemal kurzweilig genug gestalten. Dass diesem Personal (mit Ausnahme einer sinnfreien Zwanzig-Sekunden-Sequenz) keine Kinder angehören, soll schließlich auch noch einmal gewürdigt werden – darauf zu achten, war Ishirô Honda nach dem sechs Jahre zuvor von ihm verbockten Infantilitäts-Overkill Godzilla: Attack All Monsters (der nicht zuletzt seiner eigenen Ursprungs-Intention Hohn sprach) seinem guten Ruf freilich mehr als schuldig.

Optisch macht Die Brut des Teufels genau den guten bis hervorragenden Eindruck, den man von einer Anolis-Veröffentlichung erwarten darf – mir persönlich liegt (übrigens unter dem Titel Mechagodzillas Terror) die nachproduzierte Blu-ray der „Kaijū Classics“-Reihe vor, und die begeistert mit ebenso liebevoll wie kompetent restaurierten, also klaren und absolut verschmutzungsfreien Tohoscope-Bildern. (Dabei fällt mir doch gerade ein, dass ich ja auch noch die alte deutsche DVD von Astro respektive Best Entertainment besitze – in die werde ich zu Vergleichszwecken umgehend einmal hineinschauen. Wie konnte ich das vergessen?) Woran man bei Anolis indes nichts mehr ändern konnte, sind ein paar stark blaustichige „Nacht“- oder Abendaufnahmen und mehrere in frühwinterlicher Braun-Grau-Trostlosigkeit versinkende Schauplätze im japanischen Hinterland. Tricktechnisch bewegt sich Hondas „Wiedergutmachungsarbeit“ genau auf dem Niveau ihres Vorgängerfilms Godzilla gegen Mechagodzilla, was eher gut als schlecht ist. Sehen wir uns die Monster an: Godzilla wird zum dritten Mal mithilfe seines Megaro-Anzugs zum Leben erweckt, der mir hier warum auch immer besser gefallen hat als in den beiden Vorgängern Godzilla gegen Mechagodzilla und Godzilla gegen Megalon aka King Kong – Dämonen aus dem Weltall. Allein der ultragrimmige Blick, mit dem sich der Große Grüne zum Kampf gegen den Titanosaurus einfindet, ist ein Fest. Der Mechagodzilla (eigentlich „Mechagodzilla 2“, aber es ist natürlich das gleiche Modell) sieht derweil haargenau so aus wie bei seinem ersten Leinwandauftritt – man könnte Soloaufnahmen mit ihm ohne Weiteres gegen solche aus Godzilla gegen Mechagodzilla austauschen. Mmh ... jetzt, wo ich das schreibe, halte ich es gar nicht für unmöglich, dass man tatsächlich ... Die Frage ist, ob es sich lohnt, das einmal zu überprüfen – ich denke nein. Lassen wir den Mechagodzilla also Mechagodzilla sein. Bis zum nächsten Auftritt. Damit bleibt noch der Titanosaurus. Der ist nicht jedermanns Sache und wird von vielen als langweilig empfunden, nicht zuletzt, weil er keine spektakulären Kampftechniken oder Gadgets mitbringt – seine einzige spezielle „Waffe“ ist eine Schwanzflosse, mit der er heftigen Wind erzeugen kann. Das aber kennt man erstens schon von Rodan und zweitens ist es ziemlich umständlich, weil sich der Titano dazu immer erst einmal schwerfällig umdrehen muss. Ich fand ihn auf seine Weise dennoch sehr beeindruckend und sein sonderbares Seepferdchen-Gesicht in manchen Einstellungen sogar echt gruselig. Überdies gefiel mir sein Schrei – für mich gehört er definitiv zu den besten Monstern der ganzen Reihe. Es ist bedauerlich, dass er in keinem weiteren Film mehr mitwirken durfte.

Erfreulich ist hingegen, dass die Modellbauer wie schon angemerkt wieder einmal ein paar Gebäude zum Kaputtkloppen spendiert haben – darauf musste man in vielen der vergangenen Shōwa-Streifen verzichten. Wenn man etwas genauer hinschaut, fällt auf, dass die Häuser eher detailarm gestaltet wurden – aber nach wenigen Sekunden werden sie ohnehin von Strahlen oder in sie hineinstürzende Monster in Kleinteile zerlegt. Das absolute Highlight der innerstädtischen Monsterauftritte ist eine Szene, in der Mechagodzilla mit seinen Raketen einen ganzen Straßenzug regelrecht aushebt, was selbst in dieser Modellbau-Ausführung eine atemberaubende Wucht vermittelt. Reichlich misslungen sind hingegen traditionell einige Rückprojektionen, die überdeutlich als solche erkennbar sind und zudem mit den Größenverhältnissen ihre liebe Not haben – Vordergrund und Hintergrund wollen da mitunter nicht glaubhaft korrespondieren. Darüber hinaus kommt natürlich auch unübersehbar wieder allerlei Spielzeug zum Einsatz – bei den Panzern und Düsenjägern, mit denen dem Titano zu Leibe gerückt wird, zeigt sich das aus zahllosen anderen Kaijū Eiga vertraute Bild, aber mit dem kleinen rot-weißen Plastik-U-Boot „Akazuki“ gibt’s noch einen echten Leckerbissen obendrauf – es sieht derartig anrührend aus, dass man den Leuten, die es einem als echt verkaufen wollen, gar nicht böse sein kann. Die in den Kämpfen einkopierten Strahlen kann man derweil schlucken, und Teruyoshi Nakanos massiv eingesetzte Pyrotechnik ist sogar des Öfteren einen ehrlichen Applaus wert. Schlechthin lächerlich, und damit soll’s dann auch genug zu Optik und Ausstattung sein, sind jedoch die, ähm ... schlechthin lächerlichen Hörner-Antennen-Helme, mit denen Mugal und seine extraterrestrischen Handlanger herumturnen.

Für die mitwirkenden Schauspieler gilt wie immer im Kaijū Eiga, dass man keine Wunderdinge von ihnen erwarten sollte. Da sich Die Brut des Teufels wie geschildert aber auch ein Stück weit als Drama versteht, sind zumindest zwei Teilnehmer über das vertraute Maß hinaus gefordert – Katsuhiko Sasaki als Biologe Ichinose und mehr noch Tomoko Ai, die als Katsura zu sehen ist. Katsuhiko Sasaki durfte bereits in Godzilla gegen Megalon eine Hauptrolle bekleiden und ist dort als Erfinder Goro Ibuki sehr, sehr blass geblieben. Etwas Besseres kann man leider auch im vorliegenden Fall nicht über ihn sagen – sein vergleichsweise einprägsames Gesicht ändert nichts daran, dass man ihm den renommierten Wissenschaftler nie und nimmer abkauft und die Liebesnöte seiner Figur kaum wahrnehmbar sind. Tomoko Ai bemüht sich sichtlich, die Tragik ihrer teilmechanischen Katsura zum Ausdruck zu bringen, übertreibt’s aber ein wenig damit beziehungsweise bleibt mit ihren gespensterhaften Bewegungen und einem regelrecht eingefrorenen depressiv-entrückten Gesichtsausdruck ermüdend eindimensional. Ich habe sie gern gesehen, dabei aber keinen Nachweis schauspielerischen Talents entdeckt. Einen solchen musste der routinierte Kaijū-Eiga-Veteran Akihiko Hirata, der schon seit mehr als zwanzig Jahren im Genre unterwegs war, nicht mehr erbringen. Nach Auftritten als Dr. Serizawa im Ur-Godzilla, als Dr. Shigezawa in Die Rückkehr des King Kong, als stellvertretender Forschungsgruppenleiter Fujisaki in Frankensteins Ungeheuer jagen Godzillas Sohn, als „Red Bamboo“-Captain Yamoto in Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer und als Nobelpreisträger Professor Miyajima in Godzilla gegen Mechagodzilla sowie in den parallel zur Godzilla-Reihe entstandenen Tōhō-Produktionen Rodan, UFOs zerstören die Erde, Mothra bedroht die Welt, U 2000 – Tauchfahrt des Grauens, U 4000 – Panik unter dem Ozean, Weltraumbestien und Varan ist er als verbitterter Doktor Shinzô Mafune auch hier in vorderster Front und gewohnt zuverlässig mit von der Partie – wenn auch aufgrund seiner weißen Haare nicht auf den allerersten Blick erkennbar. Darüber hinaus hat mir der leicht „westlich“ wirkende Katsumasa Uchida als Interpol-Agent Murakoshi gut gefallen, während Gorô Mutsumi als fieser und gern hämisch lachender Chef-Alien Mugal mindestens genauso eifrig am Overacten ist wie im Vorgängerfilm Godzilla gegen Mechagodzilla, in dem er gleichfalls den Invasoren-Boss verkörpert hat, dort allerdings als Affen-Alien Kuronuma. So fies wie möglich versucht sich schließlich auch Yoshio Kirishima als Mugals Stellvertreter zu geben, wofür ihm eine ganze Menge Screentime zur Verfügung steht – viel mehr als beispielsweise Masaaki Daimon, der in Godzilla gegen Mechagodzilla als Keisuke Shimizu noch in der Hauptrolle zu sehen war, hier jedoch als Kapitän des eingangs vernichteten Spielzeug-U-Boots einen sehr schnellen Abschied feiern muss. Noch mehr Screentime als Yoshio Kirishima haben jedoch die Monster, deren Darsteller und Suit-Träger wieder einen besonderen Dank verdient haben. In Godzillas Anzug steckt Toru Kawai, Mechagodzilla 2, nennen wir einmal den korrekten Namen, wird wie das Erstmodell im Vorgängerfilm von Ise Mori verkörpert und als Titanosaurus (im Original „Chitanozaurusu“) ist Katsumi Nimiamoto unterwegs. Der Score stammt schließlich ein allerletztes Mal vom großen Akira Ifukube – und liefert, was man von ihm ebenso erhoffen wie erwarten durfte, nämlich immer wieder prominent eingesetzte Passagen des legendären Godzilla-Leitmotivs. Ob überhaupt etwas eigens für diesen Film komponiert wurde, ist fraglich, aber auch egal.

So. Das war sie also, die Shōwa-Ära des berühmtesten Filmmonsters ever – 21 Jahre und 15 Filme lang, bis sich die Serie Mitte der Siebziger festgefahren hatte und ihre Produzenten fundamentalen marktwirtschaftlichen Herausforderungen gegenüberstanden. Ich für meinen Teil mag diese alten Nippon-Monsterheuler allesamt, was auch mit meiner Leidenschaft für Trash in jedweder Form zusammenhängt – ich bin also selbst und gerade mit dem Infantilitäts-Tief, dem die Reihe zur Mitte hin unterworfen war, bestens zurechtgekommen und konnte mich sowohl über den bekloppten Minilla als auch über einige grenzdebile Kaspereien während der Monsterprügeleien herzlich beömmeln. Ausgerechnet Die Brut des Teufels ist nun aber ein Film, dem man sehr viel weniger als den meisten seiner Vorgänger vorwerfen kann, dass er den Großen Grünen verharmlost oder gar der Lächerlichkeit preisgibt: Sowohl mit Blick auf die Monster als auch auf das übrige Personal ist er bestrebt, die Würde des Genres zu wahren und gibt sich weitgehend erwachsen, ohne dabei den Unterhaltungswert aus den Augen zu verlieren. Kurzweilig und unterhaltsam ist der Streifen auch in der Tat, aber ganz so ernst, wie’s Ishirô Honda und Yukiko Takayama vermutlich gewünscht haben, kann man ihn dann doch nicht nehmen – dafür sorgt schon der haarsträubend blödsinnige Ansatz rund um die Außerirdischen und ihren Mechagodzilla. Aber ganz ehrlich: Was um Himmels willen wäre ein alter Shōwa-Kaijū-Eiga ohne Blödsinn? Eben.

PS: Auch Ishirô Honda, der Vater des Kaijū Eiga, wenn man so will, nahm hier Abschied: Die Brut des Teufels war seine letzte Regiearbeit – in der Folge hat er sich damit beschieden, als Assistent für seinen Kumpel Akira Kurosawa tätig zu sein.

PPS: Natürlich habe ich sogleich einmal die alte Astro-DVD dieses Streifens in den Player geworfen, und oh je ... das war schon ein heftiger qualitativer Absturz, vor allem deshalb, weil sich das Bildformat nicht korrekt abbilden ließ und nur ein kleines 16:9-Fenster die verzerrungsfreie Wiedergabe auf meinem großen Bildschirm ermöglicht hat. Darüber hinaus haben in dieser Fassung vor allem die Farben schwer gelitten – in einigen Passagen sind sie starken Schwankungen unterworfen und mitunter kaum noch wahrnehmbar. Verschmutzungen und Beschädigungen sind indes bei Weitem nicht im befürchteten Ausmaß zu verzeichnen. Verglichen mit dem Kratzer- und Flecken-Inferno der Media-Target-Fassungen von Godzilla gegen Megalon, Godzilla gegen Mechagodzilla und King Kong – Frankensteins Sohn wirken die hiesigen Bilder regelrecht gepflegt. Immerhin. Aber ich will auch grundsätzlich nicht meckern – seinerzeit war ich heilfroh darüber, dass ich Die Brut des Teufels überhaupt auf einem (noch dazu sehr preiswerten) Datenträger besitzen durfte. Alles hat seine Zeit.

Sichere 8 von 10 Punkten aus persönlicher Sicht, ansonsten sollen’s ruhig 6 von 10 sein.

(04/24)




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