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Mord vor laufender Kamera: Anno 1976 behauptete ein Verleih, dass ein Mord im Streifen „Big Snuff“ echt sei, was sich im Endeffekt als haltlos erwies. Doch der Begriff Snuff war daraufhin etabliert und sorgt seither in regelmäßigen Abständen für einige cineastische Auseinandersetzungen. Vorliegendes deutsches Machwerk fällt allerdings nicht ansatzweise so reißerisch aus wie der Titel glauben machen könnte.

Berlin im Sommer 2003: Die jungen Männer Tim (Nicolai Tegeler) und Markus (Henning Fischer) sind mit Kameramann Daniel unterwegs, um eine junge Frau für ein kleines Filmprojekt zu gewinnen, in dem eine Maske, ein Messer und Gewalt eine nicht unbedeutende Rolle spielen…

Der Stoff ist im Stil von Found Footage inszeniert, es kommt lediglich eine digitale Handkamera zum Einsatz, welche weitgehend ruckelfreie Bilder liefert, was jedoch daran liegt, dass lange Zeit kaum Bewegung im Spiel ist.
Denn einen Plan haben die drei nicht wirklich, sie fahren recht ziellos durch die Straßen, stellen sich beim Ansprechen entsprechender Damen ungeschickt an oder verpatzen ihre Chance durch unüberlegte Taktiken, was zuweilen ein leichtes Schmunzeln zutage fördert.

Trotz des latent amateurhaften Looks kommen die Figuren glaubhaft rüber, die Dialoge bleiben bodenständig und kaum eine Mimik wirkt aufgesetzt, wodurch eine gewisse Authentizität entsteht, die nur einmal durch den kurzen Einsatz von Filmmusik unterbrochen wird.
Snuff bedeutet letztlich über Grenzen zu gehen, was sich recht anschaulich anhand der Charaktere abzeichnet. Als das Trio schließlich ein vermeintliches Opfer gefunden hat, kristallisiert sich deutlich heraus, wer eigentlich nur andeuten wollte und wer bereit ist, über die Straftat der Freiheitsberaubung hinauszugehen.

Splatterfans sollten hinsichtlich der Gewalteinlagen keine allzu großen Erwartungen haben, denn voyeuristische Impulse werden nur in Ansätzen bedient, alles andere spielt sich komplett im Off ab. Wobei das letzte Drittel durchaus kurze spannende Einlagen und sogar eine kleine Überraschung bereit hält.

Planlos, naiv und unbeholfen kommen zwar die Hobbyfilmer rüber und sorgen in der ersten Hälfte für kleine Aufheiterungen, die erzählerische Herangehensweise ist indes weitgehend durchdacht und entpuppt sich mehr als Drama denn Horror oder gar Gemetzel.
Wer es ruhig und nicht allzu blutig bevorzugt, könnte mit diesem deutschen Indie-Werk einigermaßen glücklich werden.
Knapp
6 von 10

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