Review

iHaveCNit: Der Göttliche Andere (2020)
13.08.2020

Da ein Teil der für mich aus dieser Kinowoche interessanten Filme nur sehr begrenzt veröffentlicht werden und auch ein paar Klassiker die kommenden Tage in meiner Planung stehen, hatte ich etwas Freiraum. Freiraum, bei dem ich mich für einen Film entscheiden konnte. Und da habe ich mich für „Der Göttliche Andere“ entschieden. Die deutsch-italienische romantische Komödie hat eine sehr interessante und witzige Grundidee, die mich sehr gut unterhalten hat.

Gregory ist Journalist und darf obwohl er Atheist ist nach Rom und den Vatikan reisen um über das Konklave zu berichten. Durch Zufall trifft er auf die junge Maria, die ihm im Anschluss nicht mehr aus dem Kopf geht und er sich in sie verliebt. Doch sie steht kurz davor, sich als Ordensschwester zu verpflichten. Gregory versucht daraufhin immer wieder Maria seine Liebe zu gestehen, doch es scheint ihn eine größere Macht immer wieder davon abhalten zu wollen.

„Der Göttliche Andere“ ist mit seinen knapp 90 Minuten relativ kurz, kompakt und auf jeden Fall sehr kuzweilig. Amüsant und sehr charmant werden hier die Regeln und Strukturen von romantischen Komödien sowohl ausgespielt als auch auseinander genommen. Ganz witzig hierbei ist vor allem die Idee, dass viele kleine Zufälle passieren, die Gregory und Maria von ihrem Glück abhalten wollen, die vor allem auf den anderen Mann zurückzuführen sind, dem sich Maria eigentlich verpflichtet hat – Gott selbst. Das führt zu sehr vielen witzigen und skurrilen Situationen in denen auch mit dem Medium Film durch das Durchbrechen der 4. Wand gearbeitet wird. An dieser Stelle ist es für mich wichtig mal darzulegen, wie ich allgemein zum schwierigen Thema „Gott“ und „Glaube“ stehe, um auch den Film für mich selbst zu interpretieren, was zweifelsohne damit definitiv möglich ist. Seit meiner Geburt bin ich evangelisch, größtenteils jedoch aktuell eher Atheist und Agnostiker, aber während des Religionsunterrichts habe ich mich auch mit den Lehren Ludwig Feuerbachs auseinandergesetzt, für den vereinfacht gesagt Gott in jedem von uns steckt und Gott die reflektierte Perfektion von uns selbst darstellt. Wann immer wir zu Gott beten – in Stationen der Trauer und wichtiger Lebensentscheidungen als auch großen Herausforderungen und auch der allgemeinen Kraft im Alltag – dann wissen wir dass Gott uns beisteht, weil er all das selbst bereits geschafft hat. Ist es dann auch nicht so, dass wir in Gott uns selbst hinein reflektieren, wie wir diese Situationen bereits gemeistert haben – ein wenig Optimismus und der Glaube an uns selbst. Genau damit lässt sich der Film auch für mich interpretieren, vor allem wenn es um den Charakter des relativ unsympathischen, beziehungsunfähigen TV-Journalist Gregory geht, der durch die ganzen Hindernisse und Rückschläge immer mehr zu sich selbst findet und gewisse problematische Charakterzüge fallen lässt als eine Art Prüfung, die ihm gestellt wird. Der Charakter wird von Callum Turner relativ gut gespielt, vielleicht etwas hölzern, was aber nicht großartig negativ auffällt. Ihm gegenüber spielt Matilda De Angelis die junge Maria großartig und sehr positiv einnehmend. Für Sie ist es genau wie für Gregory auch eine Reise in die Selbstfindung, wenn durch eine zufällige Begegnung auch der bisher fest geplante Lebensweg auch infrage gestellt wird. Die Chemie von beiden wirkt manchmal etwas holprig, ist aber auch den Situationen selbst geschuldet Darüberhinaus wird das Dou von einer skurrilen Auswahl an Nebencharakteren verstärkt, die alle mal mehr und mal weniger schablonenhaft skizziert sind und ein wenig mehr Feinschliff hätten vertragen können. Großartig ist, wie der Film auch Ideen nicht einfach nur so fallen lässt, sondern auch später wieder aufnimmt um einen Bogen zu schlagen. Da hat jemand auf jeden Fall ein klares und gut durchdachtes Konzept auf die Beine gestellt. Nicht zu vergessen die großartigen Aufnahmen von Rom, die mir irgendwie Lust machen, einmal die Stadt von der Nähe kennenlernen zu wollen.

„Der Göttliche Andere“ - My First Look – 8/10 Punkte.

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