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Eine recht unterschiedliche Vita haben die beiden Schwestern Ida (Moa Gammel) und Tuva (Madeleine Martin), als sie sich nach einigen Jahren in Norwegen wiedertreffen: Während die blonde Ida von der Mutter stiefmütterlich behandelt, später nach Schweden gezogen ist und dort eine Familie gegründet hat, konnte die dunkelhaarige Tuva eine weitgehend unbeschwerte Kindheit verleben und ihr Tauch-Hobby zum Beruf machen. Beide Frauen sind um die 30, und nachdem das Wiedersehen mit der gemeinsamen Mutter nicht ganz konfliktfrei verläuft, lädt Tuva ihre Schwester auf einen Tauchtrip in den nahegelegenen,  malerischen norwegischen Fjorden ein. Ida, die schon lange nicht mehr tauchen war, ist ein wenig skeptisch, aber die quirlige Tuva überredet sie, an einer einsamen Stelle ins Wasser zu gehen. Als die beiden Schwestern einige Meter hinabgetaucht sind, löst sich ein Felsbrocken von einem der steil aufragenden Berge, klatscht ins Wasser und zieht Tuva mit nach unten. In 33 Metern Tiefe endet dieser Felssturz vorerst: Die routiniertere der beiden sitzt nun mit eingeklemmtem Bein dort im Dunklen, muß ihre unerfahrene Schwester erst zu sich lotsen und ihr dann Anweisungen geben, wie sie versuchen könnten, den Felsbrocken anzuheben. Doch während ihrer Bemühungen wird der Sauerstoff knapp...

Breaking Surface kommt nach einer nicht sonderlich spannenden Einführung der beiden Hauptcharaktäre recht schnell auf den Punkt: Ein Unterwasser-Survival, das den Zuschauer in Atem hält - die erfahrenere der beiden Taucherinnen kann sich nicht selbst befreien und muß unter Zeitnot die zunehmend hektischer werdende andere Taucherin dirigieren. Die kann sich zwar frei bewegen, taucht auch wieder zur Oberfläche, macht in der Folge jedoch nahezu alles falsch, was man falsch machen kann. Bewußt setzt Regisseur Joachim Hedén auf konfuse, zeitweise sinnlose Aktionen der blonden Schwester, die den mitfiebernden  Zuseher nicht nur einmal zur Verzweiflung treiben.

Kameratechnisch ist der Thriller tadellos abgedreht, vom Steinschlag bis hin zu Makroaufnahmen bizarrer Steinformationen am Meeresboden im Schein der Taucherlampe passen die Unterwasseraufnahmen hervorragend zum Geschehen, und die norwegische Steilküste vermittelt ein eindrückliches Bild von den Naturgewalten, denen die beiden Taucherinnen ausgesetzt sind.
Abstriche muß man bei manchen ins Leere laufenden Aktionen an Land hinnehmen, wo ein Geländewagen unnötigerweise demoliert wird (um in den Kofferraum zu gelangen - ob man dazu nicht einfacher die Rückbank hätte umklappen können?) oder auch ein Einbruch, der den dort Wache haltenden Schäferhund das Leben kostet (überflüssig) oder aber zu erwarten, daß ein zufällig vorbeifliegendes Flugzeug einen winzigen winkenden Menschen inmitten der tosenden Brandung wahrnimmt. 

Einen Pluspunkt verdient sich Breaking Surface jedoch durch eine einzelne Szene, die einem noch lange im Gedächtnis bleibt: um die unerschrockene Tuva zu charakterisieren, wird schon zu Beginn deren Arbeitsalltag gezeigt, als sie ein verklemmtes Bugstrahlruder von Netzen und Tang befreien muß, dazu in die engen Röhre taucht und sich die Schraube plötzlich zu drehen beginnt...

Insgesamt ein unterhaltsamer Thriller, der mit einem Minimum an Schauspielern/Equipment auskommt, plottechnisch zwar keine allzu große Überraschungen parat hat, trotz einiger Ungereimtheiten seine Spannung dennoch über die volle Distanz zu halten vermag. 7 Punkte.

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