Im Filmgeschäft kann ein eingespieltes Team Gold wert sein, wenn sich die Beteiligten problemlos und beinahe blind die Bälle zuspielen und sogar Raum für Improvisation bleibt. Im Rahmen einer Abschlussarbeit ging Regisseur und Co-Autor Lars Henriks allerdings einen überambitionierten Weg, der seinem Team viele Freiheiten einräumte und das in Ansätzen pfiffige Drehbuch sträflich vernachlässigte.
Sozialarbeiterin Petra (Stefanie Borbe) leitet ein Projekt mit sieben straffällig gewordenen jungen Damen, um im Wald Müll einzusammeln und anschließend zu campen. Kaum jemand nimmt die Sozialstunden ernst, bis sich ein tödlicher Unfall ereignet…
Logischerweise sind mit einem Budget von 5000 Euro keine großen Sprünge zu machen: Ein austauschbarer Wald, Alttagsrequisiten, wenig FX und die Konzentration auf die wesentlichen Figuren müssen es richten. Dabei bietet der Rahmen diverser Einzelverhöre eine gute Gelegenheit, die jungen Damen ein wenig kennen zu lernen. Einige Rückblicke bleiben demgegenüber eher unpointiert und liefern kaum Background.
Entsprechend sticht lediglich Sozialarbeiterin Petra hervor, das Klischee der gutmütigen, jedoch völlig unerfahrenen Leiterin, die in jeder Situation krampfhaft um ein Lächeln bemüht ist, was ab und an für Situationskomik sorgt. Auch die Anekdote über eine viel zu pummelige Ballerina gibt in Sachen politischer Unkorrektheit preis, wohin die Chose bestenfalls hätte hinauslaufen können.
Allerdings ereignet sich die entscheidende Begebenheit erst nach rund einer Stunde, was in Anbetracht einer kurzen Laufzeit von 71 Minuten deutlich zu spät kommt. Zuviel Vorgeplänkel in Form von Drogeneinnahmen, Philosophieren übers Altwerden und kurze Erzählungen über eine Selbstmordsippe, was oftmals ins Leere läuft und selten spannend anmutet. Mit dem Ableben einer Figur kommt eigentlich erst ein wenig Schwung auf, doch bevor nochmal richtig Fahrt aufgenommen wird, läuft bereits der Abspann, der danach immerhin noch eine kleine, zynische Abschlussbemerkung impliziert.
Auf handwerklicher Ebene ist derweil nicht allzu viel anzukreiden. Die Kamera arbeitet größtenteils variabel, bindet insgesamt jedoch zu viele Nahaufnahmen von Gesichtern ein, was trotz hübscher Gesichter auf Dauer etwas penetrant rüberkommt. Der Score hält sich eher zurück, findet jedoch weitgehend die richtige Stimmung, während darstellerisch recht solides Niveau geliefert wird, trotz kleiner Unsicherheiten, mit leichtem Overacting hier und hölzernen Verhaltensweisen dort.
Zuweilen zündet der schwarze Humor („Erotik der Verwesung“), anderweitig wirken einige Anekdoten regelrecht verloren, wobei die ungünstig gesetzten Schwerpunkte der Erzählung das eigentliche Manko darstellen: Zuviel Blabla statt Handlung und als es endlich zum Schlagabtausch übergehen könnte, endet die Chose mit mittelmäßiger Pointe.
Hinsichtlich des kaum vorhandenen Budgets gut verpackt, doch storytechnisch eine verpasste Chance.
4,5 von 10