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Die letzten verbliebenen Bruce Willis Fans können im sonstigen Krisenjahr 2020 ihr Glück wahrscheinlich kaum fassen und kommen kaum mit dem Leihen und/oder Kaufen von neuen Produktionen ihres seligen Lieblingshelden und Actionstars nach; Hard Kill als die dritte Kollaboration von Willis mit Regisseur Matt Eskandari nach (dem kurz vor Weihnachten 2019) erschienenen Trauma Center und dem (Ende Mai) veröffentlichten Survive the Night, der dritte Beweis des Fleißbewusstseins beider, einer eher mehr und der andere mit seinem halben Drehtag je Film eher weniger. (Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es waren derer zwei.)  Geld dafür wird eher der Mann vor der Kamera bekommen haben als der dahinter, den 'Ruhm' müssen sie sich teilen, die Häme über die Erzeugnisse und die schon länger andauernden Buhrufe wird der Mann aus Hollywood abbekommen, der schon länger eher außen vor und meist nur noch in DtV Erzeugnissen vom berüchtigten EFO zu sichten und blink or you'll miss ist:

Der Technik-Magnat und CEO Donovan Chalmers [ Bruce Willis ] bittet durch seinen Sicherheitsbeauftragten und rechte Hand Nick Fox [ Texas Battle ] dessen ehemaligen Kollegen und Freund Derek Miller [ Jesse Metcalfe ] um einen besonderen Auftrag, soll dieser doch mit seiner Crew bestehend aus Sasha Zindel [ Natalie Eva Marie ], ihrem Bruder Harrison Zindel [ Jon Galanis ] und Dash Hawkins [ Swen Temmel ] den Milliardär kurzfristig bzw. bei einem speziellen Anlass beschützen. Was der Trupp noch nicht weiss ist, dass ihr Erzfeind namens "The Pardoner" [ Sergio Rizzuto ] die Tochter des Auftraggebers, Eva Chalmers [ Lala Kent ] im Gewahrsam hat und über dieses Druckmittel an ein Passwort des Tycoon herankommen will, welches ein höchst gefährliches Instrument zum Missbrauch freischalten kann. Außerdem ist der "Pardoner" mit einer Überzahl an Söldner zum Treffpunkt angereist und nimmt Miller und seine Leute schnell in Beschlag.

"When you have an A-list star like this in the movie, the studio has a mandate that he has to appear in at least 25 minutes of the movie; otherwise, the studio can’t sell the film to international buyers. So you have to have him in 25 pages and those 25 pages need to be shot in two days over the course of 8 hours each. It’s REALLY tight. Those two Bruce days are the toughest days, without a doubt the most stressful. You have to prepare every minute, and when I say every minute I mean it literally. 10:45 to 11:02, Bruce is shooting this. 11:05 to 11:11, we’re shooting this many takes of this one shot. And then we’re gonna turn around and have the gun ready for him to shoot toward the camera. Literally every minute has to be blocked out because if you run out of time with Bruce and you don’t get a scene, you’re not getting him back for an extra day."

Was man den Werken von EFO zugutehalten kann, nicht muss, ist: Dies sind alles amerikanische Mittelschichtsfilme, die Hauptfiguren und ihr Umfeld sind wie hier eher abseits der großen bestimmenden Metropolen hinverlegt, außerhalb des Epizentrums, dazu meist normale Tagelöhner, die ihrem 9 to 5 Job nachgehen und von dort aus mehr oder minder unverschuldet in die Bredouille geraten oder beim ersten Abkommen vom konventionellen Wege auf die falsche Spur geraten. Der Wecker wird meist zeitig früh gestellt, bräuchte man noch mehr Schlaf, bekommt diesen aber nicht, die Arbeit selber ist eine, die gemacht werden muss, aber nicht so richtig glücklich macht und auch nicht das große Geld. Zum Leben oder eher zum Überleben reicht es, zu mehr dann nicht. Die Leute sind auch alles eher Einzelgänger, wenig bis keine Familie, das Zuhause ist karg und das Zuhause ist leer. Die Leute tragen Karo, und sie haben "business to discuss."

Dabei ist der Film hier zu Beginn vor allem auch ordentlich waffenaffin, die NRA lässt grüßen, werden allein in den ersten vier unabhängigen Szenen jeweils die Schusswaffen gezückt, gezeigt, oder auch mal abgefeuert, zwischendurch auch geputzt und getragen, als stetes Utensil, das dabei ist und das dazugehört. Geschossen wird im Intro, welches mit einer bleihaltigen Stürmung in einer Lagerhalle bzw. einem Standoff zwischen Gut und Böse offensichtlich den Showdown und dabei das Ende anteasert und vorwegnimmt, sowie in einer Rückblende zu weit früher, in der in einem Kriegsgebiet ein beruflicher Einsatz für das Land schiefzugehen scheint und dieses Trauma und die Vorwegnahme des Schicksals und das Porträt des beginnenden Morgens der Hauptperson diese die erste Identifikation beigibt.

Winter wird geschrieben, die Stadt ist weiß, manchmal zumindest, der Schnee kommt zwar vom Himmel herunter, bleibt aber nicht liegen. Schöner wird die Gegend mit dem klammen 'Schnee'kleid so nicht, geht es aber sowieso hinaus in die 'Wildnis', in das Brachland vor den Toren, in eine leerstehende, da längst verlassene und bis auf die Grundmauern ausgeräumte oder auch geplünderte Ruine von Gebäude, das für den Rest des Tages und für den Rest des Filmes als 'Schau'platz und Kulisse zugleich herhält; ein weiteres Merkmal der letzten Werke von EFO, die zuvor ein Krankenhaus (bzw. einen abgeriegelten Trakt davon), ein Farmhaus und ein Wohnblock zu den Sehenswürdigkeiten ihrer Actionfilme zählten. 7 Mio. USD soll der Film hier gekostet haben, nicht mal die Hälfte von bspw. The Prince (2014); ein karges Produktionsvolumen, dass mit der Gage für Willis für seine zwei Drehtage nochmal deutlich geschrumpft sein dürfte und wo entsprechend auch nur ganze 10 Tage Drehzeit insgesamt und bei den Darstellern ein halbes Dutzend solide No Names zu zählen sind.

Eskandari, der anders als die Kollegen Brian A. Miller und Steven C. Miller unauffälliger, d. h. weniger mit dem bemühten Popanz an aufgedrehten Farbfiltern und dem Höchsteinsatz von Lens Flares und damit auch bodenständiger, rustikaler, bisschen langweiliger vielleicht, aber auch zeitlos filmt. Zeitlos auch der Plot, eine Belagerungssituation steht an, der Kampf um ein Gimmick, einer greift an und einer verteidigt, ein alter Storyhut, den man anders aufziehen muss oder was anderes dafür als Ersatz bieten muss, mehr Raffinesse etwa, Überraschungen, oder eine Überwältigung in Sachen Action, was allesamt hier natürlich so nicht auftritt und so bis auf leicht gesteigerter Körperlichkeit gen Ende hin nicht passiert. Zugutehalten muss man oder kann man, wenn man denn generös ist, dass der Film tatsächlich zum Actiongenre gehört, es wird tatsächlich viel und oft die Munition verfeuert, nur nicht so richtig inspirierend, ohne Akzentuierungen, ein Draufhalten und Bebildern der Kamera und ein simpler Schuss-Gegenschuss im Schnitt.

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