„Glück auf!“
Der japanische „Godzilla“-Regisseur Ishirô Honda bediente unterschiedliche Genres, ist jedoch in erster Linie für seine Kreaturenspektakel bekannt. Auf „Godzilla“ folgte ein hierzulande nie ausgewerteter Yeti-Streifen und 1956 schließlich „Rodan“ (der eigentlich „Radon“ hieß) alias „Die fliegenden Monster von Osaka“ (Wiederaufführungstitel, korrekt wäre „von Fukuoka“ gewesen). Es handelt sich um den ersten farbigen Kaiju:
Auf der japanischen Insel Kyushu verunglücken die Arbeiter eines Bergwerks unter ungeklärten Umständen. Als Ursache kristallisieren sich schließlich Riesenraupen, sog. Meganulons, heraus, die, wie Ingenieur Shigeru (Kenji Sahara, „Weltraum-Bestien“) herausfindet, in einem stillgelegten Stollen tief unter der Erde nisten. Die Viecher werden in verlustreichen Schlachten schließlich erfolgreich bekämpft und der Stollen zugeschüttet. Ein Erdbeben jedoch gibt die Kreaturen des Stollens wieder frei – wobei die Meganulons noch wesentlich grausameren Bestien als Futter dienen: Die an Flugsaurier erinnernden Rodans sind aus ihren Eiern geschlüpft, erzeugen Stürme mit ihren Flügelschlägen, Überflutungen beim Wasserbad und drohen, Fukuoka ins Chaos zu stürzen…
War „Godzilla“ eine Allegorie auf die Atombombenabwürfe auf Japan durch das US-Militär und die zerstörerische Kraft des Weltkriegs, fällt „Rodan“ weniger anklagend aus: Die Kreaturen scheinen hier stellvertretend für Naturkatastrophen und deren durch industrielle Eingriffe in die Natur bedingte mögliche Verschlimmerung der Folgen zu stehen. Wer nun Flugungeheuer-Action erwartet und ansonsten noch nichts über den Film weiß, dürfte über die prominenten Auftritte der Meganulons überrascht sein. So dauert es dann auch recht lange, bis die Rodans (zwei an der Zahl) ins Spiel kommen und damit die durch die Raupen verursachten Schäden und Gefahren multiplizieren. Man tat auch gut daran, erst nur wenig von ihnen zu zeigen, bis sie schließlich in voller Pracht erstrahlen.
Die Kreaturen sehen gut aus, insbesondere für die Raupen schneiderte man detailverliebte Kostüme. Die Rodans wirken in den üblichen Miniaturen durchaus mächtig, wenngleich die Spezialeffekte natürlich sehr durchschaubar ausfallen. Über Dialoge und Dramaturgie zu urteilen, fällt angesichts der unterschiedlichen Schnittfassungen schwer. Der von mir gesehenen deutschen Kino-WA-Fassung fehlen anscheinend locker zehn Minuten und ich fürchte, dass manch Textzeile sinnentstellt wurde. Charme haben neben den Action-Anteilen in jedem Fall die Inselbewohner, die ein nonurbanes, dörfliches Japan repräsentieren. In der knackig gekürzten Kinofassung ist „Rodan“ ein kurzweiliges Kaiju-Vergnügen, das aus heutiger Sicht ein schöner, weniger als erwartet trashiger Retrospaß ist – im Gegensatz zu Hondas Original-„Godzilla“ aber auch die Frage aufwirft, inwieweit es bei Erscheinen auf ein jugendliches oder erwachsenes Publikum überhaupt jemals bedrohlich gewirkt hat, oder ob nach „Godzilla“ nicht schon immer der pure Spaß an Kreaturenspektakeln überwog.