Review

kurz angerissen*

Ein Drama ist nicht nur der ungenießbare Kaiserschmarrn aus der Kantine des örtlichen Krankenhauses, in dem sich Rudi von einem selbst verschuldeten Autounfall erholt. Der siebte Teil der Eberhofer-Reihe schlägt in einem Nebenstrang diesmal ungewohnt trübsinnige Töne an, die nicht nur Dramaqueen Rudi aus der Fassung bringen, sondern im Endeffekt das gesamte Kollektiv. Allen voran aber Franz, dessen Nur-die-Ruhe-Schale nie zuvor so gnadenlos aufgeweicht wurde. Ein wenig Sentimentalität gilt es diesmal wohl auszuhalten.

Was nicht bedeuten soll, dass „Kaiserschmarrndrama“ nicht dennoch bis zum Rand gefüllt ist mit herzhafter Komik, die wie gewohnt durch spontane Ausreißer aus der bayerischen Gemütlichkeit zustande kommen. Längst hat sich Ed Herzog sein eigenes provinzielles Universum erschaffen, das Ziegel für Ziegel, beziehungsweise Film für Film, nur reicher an Schauplätzen mit Wiedererkennungswert und Figuren mit Herz wird. Und wenn sich dann in dieser beschaulichen Landschaft mal wieder ein Türchen öffnet, hinter dem gar nicht so christliche Dinge vor sich gehen, freut man sich bereits reflexartig darauf, wie die Niederkaltenkirchener wohl auf diesen Kontrast zu ihrem Alltag reagieren werden.

Der neue Fall um den Mord an einer Joggerin, die in ihrer Dachgeschosswohnung Webcam-Stripshows veranstaltete, eignet sich natürlich ideal für derartige Späße. Wenn Franz am Arbeitsort der Dame mit Dildos herumwedelt und nicht merkt, dass die Kamera live ist, dann ist die Gaudi vorprogrammiert. In den ersten Minuten könnten die Gags teilweise forciert wirken, als würde jemand dem unaufmerksamen Eberhofer die Pistole aus dem Halfter ziehen und uns zum Schmunzeln zwingen. Es dauert aber nicht lange, da findet man wieder in den Flow hinein und kann gar nicht genug kriegen von den liebgewonnenen Eigenarten der etablierten Figuren. Es ist wieder Rudi, der die vielleicht schrillste Szene zu bieten hat, als er unter dem Einfluss von Hasch-Fleischpflanzerln wie ein Revolverheld-Terminator-Zombie auf einen Verdächtigen losgeht, der eine Waffe auf ihn richtet.

Der zweiteilige Mordfall mit einer Teilauflösung nach einer Stunde und dem Hinzufügen des letzten Puzzleteils zwanzig Minuten später gehört nicht gerade zu den raffinierteren Einsätzen des Dorfpolizisten und seines Deputys, überhaupt liegt der Fokus erneut deutlich auf den vielen Nebenschauplätzen – Flötzingers Konflikten mit einer Biker-Gang zum Beispiel, der Sabotage eines Fertighausbaus und riesigen Portionen Gulasch. Das landet alles wahllos in einem Topf und passt nicht immer ganz zusammen.... aber dieses Durcheinander geht immer noch besser durch den Magen als ein allzu überkonstruierter Hauptfall.



*weitere Informationen: siehe Profil

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