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Hater erzählt die Geschichte eines creepy Mannes, der alles daran setzt, seine Angebetete zu erobern und als er vor den Kopf gestossen wird, noch mehr daran setzt, alles zu zerstören, was ihr und ihren Angehörigen etwas bedeuten. Dabei chargiert der Film sehr stark zwischen den Genres, sei es eine Klassenkampfparabel im Sinne eines Parasite, einem Amok-Psychogram im Stile eines Taxi Driver oder einer One-Man-Pseudo-Thriller-Variante irgendwo zwischen Joaquiem Phoenix Joker oder Jake Gyllenhaals Nightcrawler. Selbst gewisse reminiszensen zu einem jungen Trintignan im Konformisten kommen immer wieder durch. Selbst eine Figur wie Highsmiths Ripley oder ein American psycho flackern immer wieder durch.

Hater wechselt mühelos die Genregrenzen und seine Geschichte, so geradllinig und gleichzeitig Pirouetten schlagend sie auch ist, ist von vorne bis hinten kompromisslos zu Ende gedacht. Es gibt keine Katharsis oder eine Abwendung des Tragödie, und diese ist auch nie im Fokus des Protagonisten. Anti-Held ware noch beschönigend für diese Figur, die von vorne bis hinten pechschwarz ist. Dennoch ist es extrem interessant, wie man als Zuschauer gefangen genommen wird von dieser Monstrosität an Figur, und spätestens wenn man irgendwann zusammen mit den Figuren in der Oper sitzt und einem einleuchtet, warum der Film tatsächlich Hater heisst, dann ist man mit sich im Zwiespalt.

Ausser dass der Film bekannte Filmtropen durch den Fleischwolf dreht und daraus sein eigenes Monster eines Soziopathen kreiert, ist er auch noch ein äußerst interessanter Kommentar zur heutigen Zeit der koordinierten Desinformation und Mobbildung. Und da ist die eine oder andere Übertreibung auch verkraftbar.

Netflix hat den Film recht leise veröffentlicht, wahrscheinlich auch wegen einiger aktueller tragischer Parallelen, dennoch ist dies ein extreme ungemütlicher und gleichzeitig extrem launiger, pechschwarzer bitterböser Kommentar zur heutigen Zeit, der einen einerseits höchst zufrieden aus dem Film entlässt und andererseits auch nachdenklich.

In seiner Ambivalenz und Subversion ist der Film unnachahmlich und man Weiss auch nicht so recht, für wen der Film eigentlich wirklich Partei ergreift. Und das ist in diesem Film auch mal gut so.

Hinzu kommt eine extreme professionelle Machart mit sogar einigen genialen optischen Ideen so dass der Film tatsächlich ziemlich überragend daher kommt.

Jetzt die Frage, ob man den Film unbedenklich weiter empfehlen kann: Für solche Leute, die tatsächlich eine gewisse Affinität furs Trollen haben und noch nicht genau wissen, wie sie das tun sollen, könnte er tatsächlich eine Lehrhilfe darstellen, daher nicht unbedingt wirklich jedem zu empfehlen ;-)

9 Punkte

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