*** SPOILERWARNUNG ***
Basierend auf dem Leben der titelgebenden Figur inszenierte Regisseur Paul Verhoeven einen Blick hinter die Klostermauern. Oder vielleicht besser – seinen Blick. Denn dem Film eilt der Ruf der Fleischbeschau voraus und es ist nicht abzustreiten, dass es davon nicht wenig zu sehen gibt. Abgeneigt war Verhoeven dem noch nie und er klopft hier auch schon mal an die Exploitation-Tür. In der Gesamtschau wirkt es aber nicht selbstzweckhaft, die Skandalkarte kann man also getrost stecken lassen.
Dafür ist hier, wenn auch nicht in dem Maße manch früherer Werke, der satirische Aspekt spürbar. Dieser bietet sich bei dem Sujet auch an und so erlebt man nicht nur Einblicke in das Klosterleben, es geht auch ums Geschäft. Und da wird gleich zu Anfang knallhart kalkuliert, schließlich gehen die monetären Vorstellungen, was ein Leben Wert ist, doch auseinander. Weiterhin thematisiert wird die Sicht der Institution Kirche auf Frauen an sich und deren Platz im System. Mitunter wirkt das alles wie eine Farce, was bei Verhoeven aber nicht überraschen sollte. Wobei hier auch nicht mehr viel überrascht, denn die Denke von dem Verein (bis heute) ist inzwischen ja weithin bekannt.
Die lesbische Beziehung der Titelfigur zu der Novizin Bartolomea ist dann der Antrieb für allerlei Veränderung und heraufbeschwörte Katastrophe. Visionen Benedettas über Jesus, die ebenso gewalttätige wie sexuelle Aspekte ansprechen, das Sprechen mit einer fremden Stimme und Stigmata – da fährt der Film schon religiös aufgeladenes Theater auf. Die große Frage (für mich zumindest), in wie weit das seitens der doch berechnend vorgehenden Benedetta initiiert war, wird zwar nicht direkt aufgelöst. Doch sprechen die Indizien für ihr inszenatorisches Talent. Allerdings kann so nicht alles erklärt werden, sodass man sich am Ende damit arrangieren kann, die Geschichte einfach aus ihrer Sicht erlebt zu haben. Diese Nichtfestlegung erhält etwas die Spannung, macht das Szenario aber auch weniger angreifbar.
Weniger hätte es auch bei der Laufzeit sein dürfen. Zwar kommt der Film ohne nennenswerte Längen aus, hier und da wäre etwas Straffung aber willkommen gewesen. Auch muss er sich gefallen lassen, dass er sich letztlich mehr an der Oberfläche zu schaffen macht und seine Figuren nicht wirklich tiefgehend beleuchtet.
Die Dialoge sind mitunter pointiert geschrieben, Kamera und Ausstattung sind gelungen. Gleiches gilt für die Besetzung. Virgine Efira in der Titelrolle trägt den Film und vermag, dramaturgisch einen stimmigen Beitrag abzuliefern. Daphne Patakia und Charlotte Rampling sind in ihren Nebenrollen ebenfalls gut aufgehoben. Der Rest spielt sich nicht in den Vordergrund, gibt aber auch keinen Anlass zur Klage. Positiv zu erwähnen ist noch die Musik von Anne Dudley, die mit dem einen oder anderen schönen Stück aufwarten kann.
„Jeder sündigt auf seine Art“, heißt es in „Benedetta“. Verhoeven mischt seine Satire über die Strukturen und Heuchelei hinter den Klostermauern mit viel nackter Haut. Man bekommt die Versatzstücke, die man in einem Film von ihm erwarten kann. Gut gespielt, gut inszeniert, etwas zu lang. Kein Meisterwerk, aber ein weiterer guter Eintrag in Verhoevens Schaffensliste.