Review

Wo geremaked wird fallen Spähne


Das Original ist neben „Labyrinth“ und „Goonies“ eine meiner schönsten, frühsten und wohlig-gruseligeren Filmerinnerungen aus meiner Kindheit. Was habe ich die Kassette hoch und runter durchgenudelt, oft genug und gerade die ersten Male mit dickem Kissen vor'm Gesicht. Nun nahm sich in Zeiten, wo eh nahezu alles ungefragt ein Remake bekommt, kein Geringerer als Robert Zemeckis der Neuauflage an. Schon lange nicht mehr in Topform, aber immer noch solide genug für den Stoff scheinbar. Und in der Vor-Halloween-Zeit konnte ich mich endlich durchringen seine Version zu sichten, trotz aller Befürchtungen und der persönlichen Brille in rosa. Die Geschichte bleibt weitestgehend gleich: ein Waisenjunge wächst bei seiner Oma auf und fährt mit ihr in ein luxuriöses, weitläufiges Hotel zur Erholung - wo gerade eine Art Hexenkonzil tagt und plant alle Kinder der Welt in Mäuse zu verwandeln…

Ich muss direkt festhalten: auch wenn die Neuauflage von „The Witches“ keine Bäume ausreißt, ist sie dennoch passabel, unterhaltsam und vor allem gruselig (!) genug, um nicht durch mein Raster zu fallen. Auch/Gerade als hardcore Verfechter des Originals. Ich habe z.B. versucht dieses Remake an Halloween mit meinen Patenkindern zu gucken - denen wurde es schnell zu heftig und creepy. Was immer ein gutes Zeichen ist, selbst wenn ich ihn dann später allein zu Ende gucken musste und ich mir erhofft hatte, dass sie mehr Durchhaltevermögen zeigen. Ich habe damals in ihrem Alter damals ja auch nicht gekuscht und abgebrochen. Aber so ändern sich eben die Zeiten, Sehgewohnheiten und natürlich ist auch jeder Mensch und Filmgucker anders. Jetzt kenne ich ihre Grenzen etwas besser. Um nicht zu sagen, der neue „Hexen hexen“ ist der spannendste Kinderhorrorfilm aller Zeiten. Auf keinen Fall. Aber er hat seine Momente und Augenblicke, die durchaus unter die Haut der Kleineren kriechen können. Und das ist top. Vom Autounfall zu Beginn bis zu den fiesen „Händen“ der Hexen. Selbst wenn jetzt massiv mehr (oder sogar fast ausschließlich) mit computergenerierten Schocks und Masken gearbeitet wird - es funktioniert noch gut genug. Anne Hathaway dreht als Oberhexe (mit deutschem Schtick) voll auf und muss sich kaum vor Anjelica Houston von damals verstecken - was Lob genug sein sollte! Zemeckis kann sowohl Kinderfilme als auch CGI, was ihm hier natürlich zu Gute kommt und zum Glück nie allzu unnatürlich, aufgesetzt, fake wirkt. Früher war's besser. Heute ist’s aber dennoch okay. Keine Faszination mehr, aber auch kein Entsetzen. Da gab’s schon schlimmere Updates. Gestrafft, digitalisiert, angepasst. Glatter, matter, satter, flotter. Nicht unbedingt verbessert, vielleicht etwas verwässert. In den richtigen Momenten, Elementen und augenzwinkernden Blicken aber noch giftig genug. 

Fazit: für aktuell junge Kinder noch immer gruselig und unterhaltsam. Im Vergleich zur Version aus meiner Kindheit kaum der Rede wert und eher ein blasses CGI-Fest. Lieber zum Original greifen. Immer noch. Trotzdem gilt: durchaus mit Abstrichen brauchbar! Die Geschichte klickt einfach in fast jeder Epoche/Machart. 

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