Zu Filmen wie Close Escape greift man immer dann mit Absicht, wenn Einem weniger der Sinn auf Experimente steht, als das man sich lieber für 90min lang routiniert, aber eben dennoch hoffentlich gescheit unterhalten lassen möchte. Bloss keine Erneuerungen oder Abwandelungen, die Konstanten weit zahlreicher und energischer vertreten als die Variablen und somit auch nur die aus Erfahrung mit dem Wirkungsreich beruhenden Vorstellungen bedienend. Nichts, was Einen in fremde Welten lockt und mit grossartigen Überraschungen und aufregenden Abenteuern konfrontiert. Was Sinndeutung und Interpretation anbietet oder aus der Routine des täglichen Lebens reisst. Man möchte das Genre Heroic Bloodshed auch gar nicht biegen oder gar brechen und vollzieht den Umgang mit dessen Themen in einer rein traditionell angelegten Weise; eine besonders breite Skala verschiedenartiger Methoden ist ja auch gar nicht gegeben. Die nach Jahren zunehmende Detailkenntnis auf diesem eingeschränkten Teilsektor und der damit verbundene Vorsprung an Wissen schadet dann auch eher als das sie nützt.
Das einzig als originell Hervorzuhebende ist schlussendlich die Besetzung mit Yukari Oshima und vornehmlich Aaron Kwok, der sonst fast nie in weiteren Triadenfilmem am Start war und hierbei sogar noch sein Filmdebüt abliefert. Gerüchteweise soll es schon in The Big Heat [ 1988 ] von Johnnie To und Andrew Kam stattgefunden haben, aber konnte bisher nicht glaubhaft belegt werden. Selbst wenn, war es ein derartiger Minipart, dass blink and you'll miss die Folge ist.
Kwok, Geburtsjahr 1965, kam 1984 als Tänzer zu HK-TVB und wurde nach einigen Auftritten in dieser Funktion zum firmeninternen Schauspieltraining überstellt, nach dessen Absolvierung er für den Einsatz in den auch im Haus produzierten Serien geeignet war. Ein gängiges Prozedere, dass schon so manches Talent hervorgebracht und gefördert hat.
Die nähere Folge ist auch absolut gängig: Kwok bekommt natürlich erstmal nur kleinere Parts; wichtige Nebenrollen oder den Freund / Bruder / Sohn des Helden etc. und spielt in alledem, was um die Zeit eben so angesagt war.
Romance - Action wie Story of Kennedy Town [ 1990 ], Komödien - Action wie Queen of Gamble, Fantasy - Action wie Saviour of the Soul oder auch Actiondrama wie Lee Rock 2 : Father And Son [ alle 1991 ]. Zeitgleich verwandt bringt er auch seine Discography ins Rollen und koppelt das schlauerweise auch über den jeweils veröffentlichten Soundtrack mit an.
Die ersten Periode im neuen Business bringt er es auf fünf Filme im Jahr, was jetzt keinen Rekord darstellt; ab bereits 1994 wird sich abrupt noch mehr eingeschränkt und zwischendurch sogar mal ganz pausiert. Aus offensichtlichen Gründen: Es läuft mit der Musikkarriere, er ist auch so Topverdiener und etablierter Werbeträger und die Filme selber waren grossteils Murks und erregten noch nicht einmal wirklich Aufsehen. Er braucht es also nicht und eigentlich kann auch der Zuschauer darauf verzichten. Die Konzentration auf 1 - 2 Grossprojekte im Jahr mit einem dann relativ seltenen Gesicht auf der Leinwand hat demnach beiden Seiten nicht geschadet; zumal die Arbeiten dann auch etwas intensiver und / oder interessanter als die Hiesige gehalten sind.
Kwok spielt angesichts seines Neueinstieges den Freund vom Helden und gleichzeitig dessen Vielleicht - Schwager. Sowie den Partner vom Antihelden. Wird also an allen Ecken mit den Bekannteren im Cast fixiert und ist obendrein dadurch auch überall dabei.
Im konkreten Fall heisst das: Der Polizist Lam Wai Tung [ Miu Kiu-Wai ] steckt in der Bredouille. Er hat Krebs und ist zudem Pleitier, ausserdem ist seine grosse Liebe vor einiger Zeit gestorben. Als letzten Akt seines derartig vom Pech verfolgten Lebens möchte er seinem Bruder Lam Wai Leung [ Max Mok ] wenigstens noch das Arztstudium finanzieren. Dazu überfällt er im Auftrag des Kriminellen Chiu Ying Kau [ Dick Wei ] einen Juwelendeal und nimmt die Beute im Wert von 13 Millionen Dollar an sich. Chiu will aber nicht teilen und hetzt erst ihm und dann seinem Bruder die Schergen auf den Hals; Sgt Ben Kwok [ Aaron Kwok ] ermittelt.
Die Handlung hat also Alles, was dem Film eine gute Ausgangsposition vermittelt. Hinzu kommen mythische Figuren, denen man von Sujet zu Sujet wiederbegegnet; Miu, Mok und Wei tauchten damalig nicht nur überall, sondern auch in stark angelehnten Rollen auf und galten fast als personifizierte Standards. Derartig auf das Nötigste begrenzt verhält sich auch die Kommunikationsebene; es ist zwar eine mehrschichtige, ineinander verschachtelte Darstellung der Situation vorhanden, aber sie existiert nicht simultan, sondern hintereinander. Die Zentralperspektive wechselt sich zweimal ab und setzt jeweils die nachfolgende Person stärker ins Augenmerk, wodurch auch deren Sichtweise ergänzend ins Bild kommt. Diskrepanz zwischen der sichtbaren Oberfläche und der wirklichen Mitteilung tauchen nicht auf; Dialoge beschreiben als Vorwand für Publikumsinformation nur das Gesehene und erstellen keine weiteren Mitteilungen. Theoretisch könnte man auch stumm ablaufen, ohne das schaubildhafte Geschehen zu beeinflussen und Koordinierung und Integration in den Gesamteindruck zu verhindern. Hinzu kommt noch, dass erst Tung und dann Leung jeweils ein Drittel der Laufzeit am Sinnieren sind und sich nur der Trauerflor aggressiv ausbreitet. Die Aushandlung der Re-Definition des Problems selber wird nur schleppend vorangebracht: Leung nimmt die japanische Reporterin Miko [ Yukari Oshima ] als Geisel und muss sich im Bungalow seines Bruders von Verletzungen erholen. Sgt Kwok macht sich an die Beschattung von Chiu.
Regisseur Chow Jan Wing - ebenfalls Debüt - dreht dabei genauso, wie der ansässige Produzent Guy Lai seine Filme mag und selber macht. Dass sich Beide in der Sprache der Inszenierung überhaupt nicht unterscheiden und deswegen klar ist, wer wem diktiert sieht man vor allem an Lais Point of no Return [ 1991 ], zu dem diesmal Chow das Drehbuch beisteuerte. Nicht nur das die Formel genau exakt die gleiche ist - dort spielt der gerade musikalisch durchstartende Patrick Tam seine erste Rolle und bekommt ebenfalls mehrere altgediente Stützen an die Seite gestellt -, auch in der weitgehend stillosen Umsetzung und der trockenen, eingeschlossenen Erscheinung formiert sich eine besondere Parallelität heraus. Irgendwie leidenschaftslos, wenig Figuren, wenig Schauplätze, eingedämmt. Das Gegeneinandersetzen von Motivationen findet beizeiten statt, so dass man schnell an Fahrt gewinnt, aber der Wechsel in die nächste Gangart lange ausbleibt. Da der Ausgang klar ist, wird mit einigen Schlenkern hinausgezögert und dort die Action vom Stapel gelassen, welche im Nutzenansatz auch eher auf kleinerem Feld angesiedelt bleibt.
Hier und da mal ein Schusswechsel, schon ordentlich eingefangen und mit hit squibs versehen, aber nie enorme Ausmaße oder andere Auffälligkeiten einnehmend. Dafür wird sich ebenfalls etwas auf Stunts mit Auto und Motorrad verlegt, die dann getreu dem dramatischen Ausdrucksmittel genauso bodenständig knapp vollzogen werden. Den Blutdruck hochknallen tut man damit nicht; zur spontanen Temposteigerung und dem allgemeinen Vorantreiben der Geschichte genügt es durchaus, aber eben nicht mehr.
Auch der Showdown scheint ein Rohrkrepierer zu werden. Erst gehen sämtliche Kugeln aus, bevor man überhaupt angefangen hat, so dass man die Paradedisziplin # 1 Blutballett fallenlässt. Dann sind die übriggebliebenen Recken auch noch an Handschellen gekettet, was die Bewegungsfreiheit in dem so schon elendig engen Bungalow noch mehr einschränkt; die Aufforderungen "Don't move !", "Stand still" und "You'd better stay where you are" im insistierenden Hochstufen hätte es gar nicht mehr bedurft. Dankbar nimmt man dann eine doch noch ausgedehnt wilde Prügelei zur Kenntnis, in der sich endlich mal etwas energischer zu Leibe gerückt wird und sämtliche Beteiligten um ihr Überleben schlagen.
Aber auch das ist nur angemessen >>> Ausreichend >>> Mittelmässig.
Man schiebt die Konvention vor jedwege Evokation und Provokation und bedient die Erwartungen strikt bis zum Eistrich. Damit muss man sich abfinden, aber das war auch im Vornherein klar. Der Film hatte beim Erscheinen keinen Ruf erlangt und ist auch rückwirkend wahrlich nicht zu einem sleeper erwachsen und hätte dies auch niemals verdient.